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29. Januar 2012 15:22 Uhr
Abstiegsduell
Mainz schlägt Freiburg 3:1 – Schwalbe oder nicht?
Mainz 05 hat den SC Freiburg mit einem 3:1 ans Tabellenende geschossen. Nach 17 Minuten führte Mainz mit 3:0, auch weil Freiburgs Diagné früh Rot sah. War die Karte berechtigt – oder ging eine Schwalbe voraus?
"Und dann kam das, was jeder gesehen hat." So beschreibt Christian Streich jene umstrittene Szene in der vierten Spielminute der Partie des SC Freiburg beim FSV Mainz 05 am Sonntag, die im Nachhinein für viel Gesprächsstoff sorgen sollte. Gesehen hatte in besagtem Moment tatsächlich jeder in der Coface-Arena etwas – nur konnte man sich nicht auf eine Version einigen. Jener Teil der Beobachter und Teilnehmer, der dem Lager der Gastgeber zugerechnet werden konnte, spricht nach Spielschluss von einem berechtigten Elfmeter. Auch Thomas Tuchel, der Mainzer Trainer, berichtet nach eingehendem TV-Studium von einer Berührung, die zwischen seinem Angreifer Adam Szalai und SC-Innenverteidiger Fallou Diagné stattgefunden haben soll. Nach dem Kontakt habe sich Szalai dann entschlossen, den Angriff abzubrechen. Eine durchaus originelle Beschreibung, der die Freiburger allerdings wenig abgewinnen können. Aus ihrer Sicht war Szalai nahezu unberührt und somit grundlos zu Boden gesunken. Schwalbe, so lautet der Vorwurf, den niemand offen ausspricht. Auch SC-Coach Streich nicht. Mit geballter Faust in der Tasche lässt er Vernunft walten.
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Schiedsrichter Markus Schmidt hatte sich spontan für die Mainzer Variante entschieden. "Der Schiri stand auf meiner Höhe. Ich habe nichts gesehen, aber er muss super Adleraugen haben", sagt Cedrick Makiadi nach Schlusspfiff. Der SC-Kapitän ist keineswegs beeindruckt von Schmidts Sehkraft, er ist vielmehr frustriert. Zum einen war die Einschätzung des Unparteiischen keineswegs klar und richtig, da Diagnés Vergehen eher ein hauchzarter Annäherungsversuch war denn eine regelwidrige Attacke. Zum anderen hatte sie für Makiadi und seine Kollegen heftige Folgen: Diagné sah die Rote Karte, Polanski verwandelte den folgenden Elfmeter. Nach sechs Minuten stand es 2:0 für die Gastgeber. Wenig später erhöhte Choupo-Moting, der bereits das 1:0 erzielt hatte (3.) auf 3:0. "Da war das Spiel verloren", muss Makiadi einräumen. "Da weiß man nicht mehr, was man machen soll, wenn man plötzlich mit zehn Mann rumrennt", beschreibt Jan Rosenthal die Freiburger Konfusion nach dem dreifachen Rückschlag. Dass es nicht schlimmer kam, die Begegnung letztlich 1:3 endete, konnte die Profis des SC Freiburg nicht trösten.
Tatsächlich hatten die Breisgauer ihr Fiasko mitverschuldet. Die ersten 20 Minuten agierten sie so, als habe ihnen niemand gesagt, was da in der Bundesliga und speziell in Mainz auf sie zukommt. Das aggressive Pressing des FSV überforderte die Freiburger Profis, die Streich später als "in dieser Phase zu brav" beschrieb. Zumindest taten sie nichts, um dem Sturm und Drang der Heimelf Sinnvolles, Effektives und Energisches entgegenzusetzen.
"Wir haben den Anfang komplett verschlafen", gesteht Pavel Krmas. "Alles, was wir uns vorgenommen haben, unser ganzes Konzept – weg, einfach weg." Verlorene Zweikämpfe, Ballverluste, misslungene Aufnahme der Gegenspieler – der Sportclub produzierte stattliche Fehlerketten. Das 1:0 sowie der Angriff, der zum Strafstoß führte, waren für die Mainzer keine anspruchsvolle Aufgabe, die Pässe durch die SC-Abwehrzentrale reinste Kinderspiele. Christian Streich spricht von großen Fehlern. "Da muss man konsequent sein, solche Zuspiele durch die Schnittstellen darf es nicht geben", räumt Makiadi ein, verweist zudem auf die vorangegangenen Unzulänglichkeiten im Mittelfeld.
Die eigene Naivität und ihre anfängliche Tatenlosigkeit schmerzten die Freiburger Akteure letztlich mehr als der strittige Elfmeter. "Wir haben das Spiel in fünf Minuten verschenkt. Das kann es nicht sein", sagt Cedrick Makiadi. "Wir müssen lernen, dass man von Beginn an mit 100 Prozent Konzentration spielen muss", ergänzt Krmas. Das sei nicht gelungen. "Und dafür wurden wir hart bestraft. Sehr hart."
Freiburg: Baumann, Sorg, Krmas, Diagné, Lumb, Schmid, Rosenthal (76. Reisinger), Makiadi, D. Caligiuri (81. Freis), Ginter, Jendrisek (7. Ferati).
Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart).
Tore: 1:0 Choupo-Moting (3.), 2:0 Polanski (6./Foulelfmeter), 3:0 Choupo-Moting (17.), 3:1 Krmas (68.). Zuschauer: 30 938. Rote Karte: Diagné (4./Notbremse). Gelbe Karten: Bungert (4), Noveski (2) / Ginter (1), Schmid (1).
91. Minute: Yilmaz vergibt eine Großchance zum 4:1 für Mainz. Direkt danach pfeift Schiedsrichter Schmidt ab. Der SC Freiburg steht am Ende des 19. Spieltags damit auf dem letzten Tabellenplatz.
90. Minute: Eine Minute wird nachgespielt
87. Minute: Der SC Freiburg versucht, die Mainzer schon in deren Hälfte unter Druck zu setzen.
83. Minute: Geht noch was? Mainz hat nachgelassen. Aber so richtig kommt der SC nicht ins Rollen. Die Moral aber stimmt. Die Mannschaft lässt sich nicht hängen.
80. Minute: Christian Streich setzt weiter auf die Offensive und wechselt Stürmer Sebastian Freis ein.
75. Minute: Freiburgs Trainer Christian Streich bringt Joker Stefan Reisinger für Jan Rosenthal.
70. Minute: Der Mainzer Müller prüft Baumann mit einem satten Schuss aufs rechte, obere Eck.
67. Minute: Nach einer Ecke von rechts macht Pavel Krmas den Anschlusstreffer für den SC Freiburg. Am Fünf-Meter-Raum bringt er den Ball mit der Außenseite des rechten Fußes im Tor unter.
65. Minute: Szalai geht vom Platz, gefeiert vom Mainzer Publikum. Es ist die erste wirklich erwähnenswerte Szene der zweiten Hälfte, in der Mainz nicht mehr mit dem Engagement auftritt wie in den ersten 45 Minuten.
16.31 Uhr: Im Freiburger Fanblock leuchten und qualmen mal wieder die bengalischen Fackeln.
16.30 Uhr: Die zweite Halbzeit hat begonnen.
45. Minute: Der SC Freiburg hat das 0:3 in die Pause gerettet.
40. Minute: Der SC Freiburg dringt über links in den Strafraum der Mainzer ein. Der Pass von der Grundlinie in die Mitte findet aber keinen Abnehmer.
35. Minute: Mainz beherrscht das Spiel nach Belieben.
30. Minute: Kann der SC Freiburg nochmal zurück kommen? Derzeit ist das nur eine rhetorische Frage. In Unterzahl und mit drei Toren müssen sich die Freiburger erst mal ihrer Haut erwehren und einen noch höheren Rückstand verhindern. Trotzdem kommen die Mainzer zu einer Chance nach der anderen.
17. Minute: Das 3:0 für Mainz. Wieder Choupo-Moting, diesmal von rechts und aus elf Metern flach ins lange Eck.
7. Minute: SC-Trainer Christian Streich reagiert auf die rote Karte für Abwehrmann Diagné. Er nimmt Stürmer Jendrisek raus. Für ihn kommt Beg Ferati.
6. Minute: 2:0 für Mainz durch Polanskis Elfmeter. Er platziert den Ball ins linke Torwart-Eck. Baumann ist zwar noch dran, kann den Strafstoß aber nicht halten.
4. Minute: Jetzt kommt es ganz dick für den SC Freiburg. Mainzer Pass in die Mitte des SC-Strafraums. Rot für Diagné nach angeblichem Foul an Szalai und Elfmeter für Mainz.
3. Minute: 1:0 für Mainz, Choupo-Moting tritt von Halblinks aus 14 Metern ins lange Eck.
15.30 Uhr: Anstoß
Autor: René Kübler, Peter Disch (Ticker)
