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16. April 2011 00:00 Uhr

BZ-Interview

Roman Weidenfeller: "Nein, wir sind nicht hibbelig"

"Titel sind im Leben unbezahlbar", sagt Roman Weidenfeller. Läuft alles so, wie es sich der Dortmunder Keeper vorstellt, hält er nach dem letzten Bundesligaspieltag am 14. Mai eine Schale in der Hand und ist deutscher Meister. Vor dem Heimspiel gegen den SC Freiburg sprach Martina Philipp mit Weidenfeller (30) über den Endspurt, über SC-Torjäger Cissé und graue Haare.

  1. Er sagt, ihm ist egal, ob beim SC Cissé oder Schuster die Elfmeter schießen: Roman Weidenfeller Foto: afp

BZ: Herr Weidenfeller, wenn ich Sie frage, wie bedenklich Sie es finden, dass der Abstand von Leverkusen auf Ihr Team auf fünf Punkte geschmolzen ist, dann antworten Sie, dass Sie nur auf sich schauen, konzentriert bleiben und am Ende abgerechnet wird. Stimmt’s?

Weidenfeller: Ja, in etwa. Es ist normal, dass eine Meisterschaft nicht mit 12, 13 Punkten Vorsprung gewonnen wird. Jeder Spieltag ist entscheidend, jeder Spieltag ergibt eine andere Punktekonstellation, von daher lassen wir uns nicht beirren. Wir spielen unseren Fußball, haben beim 1:1 vorige Woche in Hamburg bewiesen, dass wir eine ganz tolle Moral haben und schauen tatsächlich nur auf uns.

BZ: Angenommen, ich schlage Ihnen ein Wettrennen vor. Einer kriegt fünf Meter Vorsprung. Rennen Sie lieber weg oder hinterher?

Weidenfeller: Das ist mir gleich. Im Moment sind wir vorneweg und das soll bis Saisonende s
o bleiben.


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BZ: Zumindest Ihr Trainer Jürgen Klopp wirkt zurzeit ernster und konzentrierter als sonst: Ist das auch Ihr Eindruck?

Weidenfeller: Nein, die Atmosphäre bei Borussia Dortmund ist komplett entspannt, aber konzentriert. Wir wissen genau, was wir können. Wir haben eine ganz tolle Ausgangslage und die wollen wir weiter nutzen.


BZ: Das Wichtigste im Endspurt ist ja tatsächlich, konzentriert zu bleiben: Nach dem 0:1 in Hoffenheim Mitte März haben Sie davor gewarnt, dass man Pflichtspiele nicht als Übungseinheiten ansehen dürfe. Sehen Sie sich als einziger Stammspieler über 30 Jahre schon als gelegentlicher Mahner gefordert?

Weidenfeller: Das Wichtigste ist, dass wir eine unserer Tugenden nicht aus den Augen verlieren – die Bodenständigkeit. Klar muss man vor der ein oder anderen Situation auch mal mahnen, aber ich glaube, jeder weiß genau, worum es geht.

"Freiburg wird uns schon ein Bein stellen wollen."Roman Weidenfeller
BZ: Ihre Mannschaft wird wegen Ihrer vielen jungen Kollegen gern als Rasselbande dargestellt. Dagegen gelten Sie fast schon als halber Opa. Irritiert Sie das?

Weidenfeller: Ich habe damit kein Problem. Ich fühle mich noch sehr jung, gerade für einen Torwart. Ich bin erst 30 Jahre und habe die Möglichkeit, bis 40 zu spielen. Was sagen die Leute erst zu mir, wenn ich 38, 39 bin?

BZ: Gruftie?

Weidenfeller (lacht): Ja, vielleicht ... Hoffentlich habe ich bis dahin keine grauen Haare wegen der Rasselbande.

BZ: Worin merken Sie denn den Altersunterschied?

Weidenfeller: Ich bin nicht so der Konsolenspieler wie die jüngere Generation, die viel vor der Playstation sitzt. Klar, das sind ja teilweise mehr als zehn Jahre Unterschied. Die Chemie der Mannschaft stimmt, jeder tritt dem anderen sehr offen und mit großem Respekt entgegen.

BZ: Sie meinten mal, dass Sie wie ein guter Rotwein gereift und gelassener geworden sind. Diese zum Greifen nahe Meisterschaft muss Sie aber doch schon hibbelig machen.

Weidenfeller: Nein, wir sind nicht hibbelig, denn wir wissen genau, wie schnell es im Fußball geht – in jede Richtung. Wir erleben eine große Euphorie, das ist klar, aber wir können sie auch sehr gut einschätzen.

BZ: Wenn eine Fee Sie gegen eine kleine Gegenleistung in die Zukunft beamen würde und Ihnen schon die Schale überreichen würde: Was würden Sie bieten?

Weidenfeller: Wichtig ist erstmal, dass wir das nächste Spiel gewinnen, danach können Sie mich das nochmal fragen.



BZ: Als Sie gehört haben, dass Freiburg am vorigen Wochenende das wichtigste Saisonziel – die 40 Punkte – endlich erreicht hat, waren Sie da froh, weil der SC jetzt nicht mehr so unter Druck steht?

Weidenfeller: Ich glaube, es wird immer noch ein schwieriges Spiel. Freiburg wird uns schon ein Bein stellen wollen.

BZ: Wenn man als Torhüter weiß, dass in der nächsten Partie der Top-Torjäger der Liga gegen einen spielt, denkt man dann: Au ja, große Klasse ...

Weidenfeller: Nein. Wir haben Respekt vor der Mannschaft, Papiss Cissé ist mittlerweile ein namhafter Spieler, wir schauen aber auch in dem Fall nur auf uns.

BZ: Ihre Mannschaft hat mit Abstand die wenigsten Gegentore der Liga kassiert – auch dank Ihnen. Bundestrainer Joachim Löw wohnt in Freiburg, wollen Sie ihm etwas ausrichten?

Weidenfeller: Was würden Sie ihm denn an meiner Stelle ausrichten?

BZ: Vielleicht, dass Sie mal eine Chance auf die Nationalelf verdient hätten?

Weidenfeller:
Wenn Sie das sagen, dann wird es so sein.

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Autor: phi