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01. Oktober 2011

Wunder am Niederrhein

Der Gegner: Gladbach mausert sich zum Top-Team.

MÖNCHENGLADBACH (dpa/BZ). Die Komplimente seiner Trainer-Kollegen hält Lucien Favre für Augenwischerei. "Gladbach gehört zu den besten Mannschaften der Bundesliga, da kann Lucien sagen, was er will", urteilte Dieter Hecking, Coach des 1. FC Nürnberg, jüngst nach dem 0:1 bei Borussia Mönchengladbach. Zuvor hatten sich Bayern Münchens Jupp Heynckes (0:1) und Wolfsburg Felix Magath (1:4) nach Niederlagen gegen die "Fohlen" ähnlich anerkennend geäußert. "Sie sind sehr nett, aber das ist totaler Unsinn", entgegnete Mahner Favre.

Der freundliche Schweizer hat alle Hände voll zu tun, die Euphorie nach dem besten Saisonstart seit 1987/88 einzudämmen. "Wir sind extrem zufrieden, müssen aber am Boden bleiben", sagte der gebürtige Waadtländer Favre. "Ich schaue nicht nur nach oben, sondern ich schaue mir die ganze Tabelle von Platz 1 bis 18 an." Der Anteil des 53-Jährigen, den die Fans schon mit dem legendären "Fohlen"-Coach Hennes Weisweiler vergleichen, an diesem Höhenflug ist indes unbestritten. "Hennes Lucien Favre", hieß es unlängst auf einem Plakat.

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Als Favre nach 22 Spieltagen der vergangenen Saison die Elf übernahm, war sie mit 16 Punkten Tabellenletzter und hatte 56 Gegentore hingenommen. Danach kassierten die Gladbacher unter seiner Regie in 21 Liga-Partien nur noch 14 Treffer, schafften den Klassenverbleib und dürfen momentan sogar vom Europacup träumen. Die Spieler zumindest. "Ich träume nicht, ich bin Realist", sagte Favre. "Wir dürfen nicht vergessen, woher wir kommen. Dieselbe Mannschaft hat vor drei Monaten nur knapp die Klasse gehalten." Gladbachs vierter 1:0-Sieg der Spielzeit gegen die Franken war am vergangenen Samstag zwar verdient, kam aber glücklich zustande. Denn der Strafstoß, den Kapitän Filip Daems verwandelte, gehörte zur Sorte umstritten.

Als Antreiber und Ideengeber fungiert bei den Gladbachern in aller erster Linie Marco Reus. Der technisch beschlagene Nationalspieler überzeugt durch cleveres Spiel und sucht auch selbst den Abschluss. Dass dem fünfmaligen deutschen Meister irgendwann die Luft ausgehen könnte, erwartet Reus nicht: "Wir wollen da oben bleiben. Und ich habe nicht das Gefühl, dass wir nachlassen werden." Favre, der in der Torhüter Marc-André ter Stegen eine zweite wichtige Stütze hat, dürfte dies gerne hören.

Autor: dpa