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18. Mai 2012

Wird wiederholt oder nicht?

DFB entscheidet an diesem Freitag über Herthas Protest nach dem Skandalspiel in Düsseldorf / Luhukay wird neuer Hertha-Trainer.

  1. Erst bengalische Feuer, dann Hunderte von Anhängern vor Spielschluss auf dem Rasen: Beim Relegationsspiel in Düsseldorf brannte so manche Sicherung durch. Foto: dpa

DÜSSELDORF (sid/BZ). Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) entscheidet an diesem Freitag (von 13.30 Uhr an) über den Einspruch von Hertha BSC Berlin gegen die Wertung des Relegationsrückspiels am Dienstag bei Fortuna Düsseldorf (2:2).

Wird der Aufstieg der Rheinländer nach 15-jähriger Abstinenz, der am Dienstag schon kräftig und ausgelassen gefeiert worden war, bestätigt – oder gibt es ein Wiederholungsspiel und damit für die "alte Dame" aus Berlin eine neue Chance auf den Klassenerhalt? Hertha greift nach dem letzten Strohhalm. "Es ging nur noch um die Sicherheit unserer Spieler, ein regulärer Spielablauf war nicht mehr möglich. Die Spieler hatten Angst. Es ging nicht mehr um das Sportliche", sagte Manager Michael Preetz: "Nun trainieren wir weiter."

Herthas Rechtsanwalt Christoph Schickhardt nannte derweil die Erfolgsaussichten des Einspruchs "ausgesprochen groß". Der DFB müsse nur seiner Satzung folgen. Zuvor hatte der Anwalt beschrieben, dass die Hertha-Spieler "mit Todesangst leichenblass in der Kabine" gesessen hätten.

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Fortuna-Präsident Peter Frymuth verbreitet indes Optimismus. "Wir gehen davon aus, dass das Spiel ordnungsgemäß abgepfiffen wurde und das Spielergebnis Bestand hat", sagte er. "Ich finde es doch verwunderlich, die nicht genutzten Chancen in zwei Spielen nun an zwei Minuten festzumachen." Die Fortuna habe "bisher nicht darüber geredet, dass nach dem 2:1 für uns massiv Sachen aus dem Hertha-Block geflogen sind und die Partie vor dem Abbruch stand. Wir haben uns nicht an dem Schwarzer-Peter-Spiel beteiligt. Hertha macht das nun", so Frymuth.

So ganz nach Feiern ist aber auch der Fortuna nicht zumute. Die Düsseldorfer haben die für Samstag geplante Aufstiegsfeier in ihrem Stadion abgesagt und auf August verlegt. "Das sind natürlich Dinge, die nicht sein sollen", sagte Frymuth über das Verhalten der Fortuna-Fans, "aber es waren in keiner Weise Gewaltattacken. Da hat man schon ganz andere Bilder gesehen."

Die Berliner wären nach dem 1:2 im Hinspiel im Falle der Bestätigung des Rückspiel-Ergebnisses durch das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) aus der ersten Bundesliga abgestiegen. Der verfrühte Platzsturm der Düsseldorfer Fans in der Nachspielzeit hatte eine 20-minütige Unterbrechung verursacht. Anschließend setzte Schiedsrichter Wolfgang Stark die Partie noch einmal für knapp zwei Minuten fort.

DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock sieht unterdessen die Privilegien der Fußball-Fans in Deutschland in Gefahr. Dies könnte bedeuten, dass künftig auch in deutschen Stadien die Stehplätze abgeschafft werden. "Wir sind die einzigen in Europa, die sich für den Erhalt der Stehplätze eingesetzt haben. Zu den Privilegien gehören auch die billigen Eintrittspreise und der Wegfall der Zäune. Nun muss auch erlaubt sein, über die Privilegien nachzudenken", sagte Sandrock in der TV-Sendung Brennpunkt (ARD). Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich betonte, er sei sich mit dem DFB einig, dass "Ausschreitungen wie bei den Relegationsspielen in Düsseldorf und Karlsruhe nicht hinnehmbar sind".

Der Bundesinnenminister stellt ein Ultimatum

Der CSU-Politiker setzte den 54 Profiklubs (erste, zweite und dritte Liga) ein Ultimatum. Vor Saisonbeginn müssten sich alle Vereine auf "Verhaltensregeln einigen", sagte er.

Der DFB-Kontrollausschuss hat nun nicht nur Ermittlungen gegen beide Klubs aufgenommen, sondern auch gegen die Hertha-Spieler Levan Kobiashvili, Thomas Kraft, Christian Lell und Andre Mijatovic sowie Fortuna-Kapitän Andreas Lambertz. Dem ehemaligen SC-Freiburg-Kicker Kobiashvili, wird vorgeworfen, Stark nach Spielschluss in den Nacken geschlagen zu haben. Seine drei Mannschaftskollegen sollen den Referee beleidigt haben, ebenfalls nach Abpfiff. Lambertz soll nach Schlusspfiff im Innenraum ein bengalisches Feuer gehalten haben.

Obwohl Hertha noch auf ein Wiederholungsspiel hofft, hat der Klub schon einen neuen Trainer und Nachfolger von Otto Rehhagel gefunden: Jos Luhukay, der beim FC Augsburg nach Saisonende zurückgetreten war.

Autor: Siehe Seite 4