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03. Februar 2012

Auf einer Ebene mit Liechtenstein

Weltweit wächst die Akzeptanz von Futsal – in Deutschland interessiert’s kaum einen.

  1. Auch beim Futsal muss das Runde ins Eckige – Szene von der Weltmeisterschaft 2008. Foto: afp

FUSSBALL. Es gibt viele Länder, vor allem in Südamerika und im südlichen Europa, in denen Futsal die Menschen begeistert. Deutschland zählt nicht dazu. Hierzulande wird die einzige Hallenfußballvariante, die der Weltverband Fifa offiziell unterstützt, zumeist milde belächelt. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) steuert nicht dagegen. Es fehlt am Willen, eine bundesweite Liga und eine konkurrenzfähige Nationalmannschaft aufzubauen.

Vermutlich haben es hier nur wenige mitbekommen: Am Dienstag hat in Kroatien die Futsal-Europameisterschaft 2012 begonnen. Unter anderem gewann am ersten Spieltag Titelverteidiger Spanien mit 4:2 gegen Slowenien. Auch wenn es manche Skeptiker vermuten: Unter Ausschluss der Öffentlichkeit läuft die EM keineswegs. 8000 Zuschauer sahen in der Halle den ersten Sieg der kroatischen Gastgeber, der TV-Spartensender Eurosport überträgt zum Teil live.

Richtig ist allerdings, dass in Deutschland die Einschaltquote nicht besonders hoch sein wird. Denn eine DFB-Auswahl ist nicht vor Ort – so wie jedes Mal seit der ersten offiziellen EM 1999. Laut Europäischer Fußball-Union (Uefa) wird Deutschland bis 2013 die einzige Nation neben Liechtenstein und Färöer ohne Futsal-Nationalmannschaft ein. Auch später plant der DFB kein eigenes Nationalteam. Er köchelt das Thema weiter auf Sparflamme und überträgt die Verantwortung an die Landesverbände. Auch deshalb wird Futsal an der Basis nicht akzeptiert.

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Der DFB will dafür kein Geld in die Hand nehmen

Der DFB-Futsal-Cup ist die inoffizielle deutsche Meisterschaft (aktueller Titelträger Croatia Berlin). Von einem regelmäßigen Spielbetrieb wie in der Schweiz oder in Frankreich, wo es eine landesweite Liga und sogar Regionalligen gibt, ist man weit entfernt. Entsprechend gering ist das Interesse.

Beim DFB vertritt man zwar die Meinung, dass Futsal "gerade für junge Fußballer eine hervorragende Technik-Schule sein kann", wie es Vizepräsident Rolf Hocke ausdrückt. Doch um Verhältnisse zu schaffen wie in Spanien oder Brasilien, müsste der DFB wohl ein, zwei Generationen Aufbauarbeit leisten und viel Geld in die Hand nehmen. Darin sieht man aber offenbar keinen Sinn, zumal fraglich ist, ob sich breites Interesse wie in anderen Ländern wecken lässt, sagt Hocke, der beim DFB für den Freizeit- und Breitensport zuständig ist.

In Brasilien werden die Meisterschaften vor mehreren zehntausend Zuschauern ausgetragen. Futsal hat eine große Tradition. Praktisch jeder Fußballer beginnt dort mit Futsal: Pelé, Robinho, Cacau und Grafite – sie alle wurden mit futebol de salão groß. Die Futsal-Weltmeisterschaft 2008 verfolgten knapp 290 000 Fans vor Ort. Die Zahl der vorangegangenen WM wurde damit versechsfacht. In Deutschland bekam man davon nichts mit. Vor ein paar Jahren haben Hertha BSC Berlin und vor allem Eintracht Frankfurt das Thema Futsal in ihren Klubs forciert. Inzwischen ist das Engagement aber wieder rückläufig.

Autor: Uwe Rogowski