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07. Dezember 2009 19:04 Uhr

J League

Finkes erste Saison in Japan – Siege und Niederlagen

Er ist gen Osten gezogen, um die Urawa Reds zu alter Stärke zu führen. Gelungen ist das Volker Finke in seiner ersten Saison in Japan nicht. Dennoch haben ihn die Fans in ihr Herz geschlossen. Fordern aber deutlich mehr.

  1. Volker Finke trainiert derzeit die japanische Fußballmannschaft Urawa Reds.

Volker Finke und die Urawa Reds haben die Saison in der J-League genauso beendet, wie sie sie begonnen haben. Mit einer Niederlage gegen den bitteren Rivalen und Meister Kashima Antlers. Zum letzten Ligaspiel der Saison pilgerten mehr als 53.7000 ins Saitama Stadium – und gingen enttäuscht wieder nach Hause, denn ihr Verein verlor 0:1. Damit holte Kashima den dritten Meistertitel in Folge. Finkes Urawa beendet die Saison auf dem sechsten Platz.

Ein durchaus respektables Ergebnis, denn die Reds fanden nach sieben Niederlagen in Folge erst in der Saisonmitte zurück in die Erfolgsspur. Die Hoffnung auf Asiens Champions League mussten sie indes begraben. Nur die Top 3 qualifizieren sich für den Meisterwettbewerb. Auch das Hintertürchen des Pokalsiegs – der Gewinner erhält den vierten Startplatz – blieb den Reds verschlossen. Die Mannschaft schied früh gegen einen unterklassigen Gegner aus.

Eine Chance für Talente

In seiner ersten Saison in der J League hat Trainer Volker Finke vor allem zwei Dinge erreicht: Das Spiel der Reds hat sich was Ballbesitz und -kontrolle anbelangt verbessert. Außerdem hat der frühere Coach des SC Freiburg mehrere verheißungsvolle Talente in die Startelf eingebaut. Anzunehmen, dass er auch in der kommenden Saison verstärkt auf junge Spieler setzen wird, oder vielmehr muss: Möglich, dass viele erfahrene Spieler den Verein schon im Januar verlassen werden.

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Verteidiger Marcus Tulio Tanaka wird mit Wigan Athletic und Feyenoord Rotterdam in Verbindung gebracht. Auch Clubs aus den Golfstaaten haben Interesse an dem Nationalspieler bekundet, der bei der WM 2010 in Südafrika eine Schlüsselrolle im japanischen Team einnehmen soll.

Auch die Wege der Reds und des früheren Bundesligaspielers Naohiro Takahara könnten sich bald trennen. In 32 Spielen traf der Ex-Hamburger nur viermal. Doch dank einer der besten Jugendabteilungen im japanischen Fußball muss sich Finke kaum Sorgen um die Zukunft machen.

Reds sind Publikumsmagnet

In anderer Hinsicht sind die Reds ebenfalls top: Mit einem Zuschauerschnitt von 44.000 ist Finkes Mannschaft nach wie vor ein Publikumsmagnet, obwohl die Zahlen in dieser Spielzeit wegen der globalen Finanzkrise generell ein wenig schlechter ausfielen als in den vergangenen Jahren.

Finke selbst hat sich bereits in seiner ersten Saison in die Herzen der Fans gespielt. Ausländische Trainer wie der ehemalige SC-Trainer oder Kashimas Taktiker Oswaldo de Oliveira genießen in Japan ohnehin ein hohes Maß an Popularität. Daran ändert auch die ein oder andere Diskussion nichts, denn manch Fan machten die Reds unter Finke zu wenige und zu langsame Fortschritte.

Kritik an Finke

Noch gut in Erinnerung ist eine sarkastische Äußerung Finkes über seinen Stürmer Sergio Escudero vergangenen August, die selbst in Europa
Schlagzeilen machte. Eine schnippische Bemerkung des Trainers über seinen Stürmer wurde als Aufforderung zum Elfmeter schinden missverstanden – ein Steilpass für Motokai Inukai, den schillernden Präsidenten des japanischen Fußballverbands. "Es ist ein Unglück für die Spieler so einen Trainer zu haben."

Nicht das einzige Mal, dass Finke in die Schlagzeilen geriet: So forderte der Trainer, dass der Terminkalender der J-League dem der europäischen Ligen angeglichen werden sollte, um das Niveau des einheimischen Fußballs zu steigern.

Für die kommende Saison sind die Forderungen der Fans klar: Finke soll verhindern, dass Erzrivale Kashima Antlers den vierten Meistertitel in Folge holt und die Mannschaft zurück an die Spitze führen, die Reds wieder zu dem machen, was sie einmal waren: Japans wichtigster und größter Fußballclub.

Autor: Mike Tuckerman (Tokio), Übersetzung: Peter Disch