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29. Mai 2010
Frankreich ruft zur EM 2016
Abfuhr für Italien und die Türkei / Wird in Straßburg gespielt?.
GENF/STRASSBURG (dpa/nüc). Eine "Freudenexplosion" bei den Franzosen, Katzenjammer in der Türkei und in Italien: Die Europäische Fußball-Union (UEFA) hat dem Weltmeister-Land die nächste Watschn verpasst, das Wagnis einer Fußball-EM in Eurasien gescheut und die "Grande Nation" Frankreich, in der sich die Stadt Straßburg um die Austragung von EM-Spielen bewirbt, zum Gastgeber 2016 gekürt. Mit 7:6 Stimmen setzte sich die Heimat von UEFA-Präsident Michel Platini am Freitag im zweiten Wahlgang gegen die Türkei durch. Italien war bereits im ersten Wahlgang gescheitert.
"Die UEFA kann mit dieser Entscheidung ruhig schlafen", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger, der als eines von 13 Mitgliedern des UEFA-Exekutivkomitees in Genf seine Stimme abgeben durfte. Nach den Erfahrungen mit den schleppenden Vorbereitungen für die EM 2012 in Polen und der Ukraine vertraute die UEFA beim übernächsten Kontinental-Wettbewerb wieder bewährten Kräften. "Nach den großen Sorgen um die EM 2012 könnte es für einige bei ihrer Wahl ein Grund gewesen sein, nicht weiter ins Risiko zu gehen", sagte Zwanziger.Werbung
Erstmals werden in sechs Jahren 24 statt wie bisher 16 Mannschaften um die EM-Trophäe spielen. "Das setzt eine schlagkräftige Organisation voraus. Da ist schon die Frage: Gehst du auf Nummer sicher?", sagte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes.
Nach der Entscheidung der UEFA für Frankreich als Austragungsland der Euro 2016 hält die Stadt Straßburg an ihrer Bewerbung als eine der zwölf Austragungsstädte fest. Die geschätzten 160 Millionen Euro, die ein Umbau des Meinaustadions kosten würde, könne die Stadt Straßburg angesichts der momentanen wirtschaftlichen Lage aber unmöglich alleine tragen, sagte der Straßburger Oberbürgermeister Roland Ries am Freitagnachmittag bei einer Pressekonferenz.
Ries und der Präsident der Stadtgemeinschaft Straßburg, Jacques Bigot, hoffen auf die Unterstützung der französischen Regierung. "Einige Auflagen der UEFA sollten noch einmal geprüft werden, ob sie wirklich notwendig sind", sagte Jacques Bigot. OB Roland Ries stellte zur Debatte, ob man nicht Steuereinnahmen aus dem Profifußball für die Renovierung der Stadien umschichten könne.
In der französischen Bewerbung für die EM sind folgende Bewerberstädte genannt: Paris mit zwei Stadien, Lens, Lille, Bordeaux, Nizza, Toulouse, Marseille, Lyon, Straßburg, Nancy und St. Etienne. In einem Jahr will der Verband bekannt geben, in welchen neun Stadien die Europameisterschaft ausgetragen wird, und welche nur Ausweich-Spielorte werden. Der Präsident der elsässischen Fußballliga, Albert Gemrich, räumte bei der Pressekonferenz ein, der französische Fußballbund könne Straßburg zu einem der Ersatzkandidaten herunter stufen.
Die konservative Opposition im Straßburger Gemeinderat begrüßt in einer Pressemitteilung die ursprüngliche Bewerbung Straßburgs als Austragungsort, bezieht sich dabei allerdings auf Zeiten, als der Straßburger Racing-Klub noch in der zweiten Profiliga spielte. Nach dem Abstieg des Vereins in die französische Amateurliga vor zwei Wochen lohne ein kostspieliger Umbau nicht mehr.
Liga-Präsident Gemrich setzte bei der Pressekonferenz gestern dagegen auf das Prinzip Hoffnung: "Bis 2016 ist viel möglich und Racing hoffentlich wieder aufgestiegen." Ein Umbau des Stadions sei deshalb ein Bekenntnis zu dem elsässischen Traditionsklub.
Autor: dpa
