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01. Februar 2012

Guinea will Ghana stürzen

Der Außenseiter hat beim Afrika-Cup die Chance, ins Viertelfinale einzuziehen / Mit dabei sind die VfB-Spieler Traoré und Bah.

  1. Jubeln möchten die Spieler aus Guinea auch nach dem Spiel gegen Ghana. Foto: dapd

FRANCEVILLE. Guinea benötigt am heutigen Mittwoch in seinem letzten Gruppenspiel gegen Favorit Ghana einen Sieg, um sicher das Viertelfinale des 28. Afrika-Cups zu erreichen. Eine schwere Aufgabe für das junge Team um die beiden Stuttgarter Profis Ibrahima Traoré und Mamadou Bah. Die sie aber voller Selbstbewusstsein angehen.

Es ist ruhig im Sportlerquartier in Moanda, etwa 50 Kilometer westlich von Franceville. In der extra für den Afrika-Cup gebauten Herbergslandschaft am Rande eines Manganabbaugebietes kann sich Guineas Nationalmannschaft weitab vom Trubel der zweitgrößten Stadt Gabuns ganz entspannt auf sein vorerst entscheidendes Spiel bei der 28. Afrikameisterschaft vorbereiten. Nach der Auftaktniederlage gegen Mali (0:1) und dem beeindruckenden Comeback beim 6:1 gegen Botsuana kommt für die Mannschaft um die beiden Stuttgart-Profis Ibrahima Traoré und Mamadou Bah nun alles auf das Gruppenspiel gegen Favorit Ghana an. "Wir haben unser Schicksal selbst in der Hand. Das ist erst einmal eine günstige Ausgangsposition", sagt Traoré.

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Der 23-Jährige, der im August 2010 sein erstes Länderspiel für die Syli National, die nationalen Elefanten machte, hat sich im Verlauf des Afrika-Cups zu einer Art Schlüsselspieler seines Teams heraufgearbeitet. "Er ist mit seiner Schnelligkeit und seinem Zug zum Tor extrem wichtig für unser Offensivspiel", sagt Nationaltrainer Michel Dussuyer. Der dribbelstarke Offensivmann ist an fast jeder Offensivaktion seines Teams beteiligt, bewies sich zudem zuletzt als erfolgreicher Standardschütze: Traorés Tor zum zwischenzeitlichen 4:1 gegen Botsuana per verwandeltem Freistoß aus 22 Metern war überaus sehenswert.

Für die guineischen Fans ist Traoré, Sohn einer Libanesin und eines Guineers, ohnehin ein Idol, seit er sein Team im Oktober vergangenen Jahres mit seinem 2:2-Ausgleichstor im entscheidenden Qualifikationsspiel gegen Nigeria zur Afrika-Cup-Endrunde schoss. "Das war ein echtes VfB-Tor", jubelte Traoré damals. Als die hoch favorisierten Nigerianer verzweifelt versuchten, ihre 2:1-Führung in ein entscheidendes 3:1 auszubauen, gab der zweite VfB-Profi in Guineas Team, Mamadou Bah, die Vorlage für Traorés Kontertor. Nigeria war damit ausgeschieden, Guinea für qualifiziert.

Obwohl Guinea schon neun Mal bei Afrikameisterschaften dabei war, gilt die derzeitige Generation der Nationalmannschaft als krasser Außenseiter im Turnier. Das Team, das nach der Jahrtausendwende eine gute Rolle in Afrikas Fußball spielte und zwischen 2004 und 2008 dreimal in Serie erst im Viertelfinale des Turniers die Segel streichen musste, wurde von Coach Dussuyer nach der verpassten Qualifikation 2010 neu aufgebaut.

Dussuyer, ein ehemaliger Torwart, zwischen 2002 und 2004 schon einmal Guineas Nationaltrainer, wurde im Februar 2010 erneut verpflichtet und holte unter anderem Traoré und Bah ins stark verjüngte Team. Vor allem in der Offensive hat Guinea nun Zukunftsoptionen, von denen andere Nationen nur träumen können: Von den sechs Stürmern, die Dussuyer in seinen 23er Kader für Gabun und Äquatorialguinea berief, sind gleich vier erst 21 Jahre oder jünger. Allen voran der erst 21-jährige Mittelstürmer Sadio Diallo (SC Bastia), der gegen Botsuana doppelt traf und der gleichaltrige Außenangreifer Abdoul Razzagui (FC Sochaux) sind starke Perspektiven für die Zukunft.

"Wir sind ein junges Team, das auch hier noch weit kommen kann", glaubt Ibrahima Traoré. Wohl wissend, dass jetzt normalerweise ein Sieg gegen Gruppenfavorit Ghana her muss, um den Sprung ins Viertelfinale zu schaffen: "Wir haben keine Wahl. Wir müssen gewinnen." Sollte Außenseiter Botsuana zeitgleich gegen Mali gewinnen, würde Guinea zwar auch ein Remis gegen die sogenannten Black Stars zum Weiterkommen reichen. Doch darauf will sich keiner im Team verlassen.

"Der hohe Sieg gegen Botsuana war extrem wichtig für unser Team", sagt Bobo Baldé. Der ehemalige Spieler von Celtic Glasgow ist nur einer von zwei Über-30-Jährigen in Guineas jungem Kader. Der erfahrene Abwehr-Haudegen ist der Meinung, der Druck liege nun eher beim Gegner, als bei seinem Team: "Wir haben doch schon gesehen, wie die Favoriten bei diesem Turnier reihenweise gegen die sogenannten Kleinen gestrauchelt sind. Diese Angst wird nun vielleicht auch Ghana bekommen."

Wie frech die Underdogs wie Niger, Botsuana, Sudan, Gabun und Äquatorialguinea bei diesem Turnier bislang aufgetreten sind und dass vermeintliche Favoriten wie Senegal und Marokko schon auf der Strecke blieben – das hat auch Ibrahima Traoré beeindruckt: "Das war hier bisher ein Turnier auf sehr hohem Niveau. Und die Außenseiter haben gezeigt, dass sie keineswegs nur Kanonenfutter für die Großen sind. Ich bin gespannt, welche Überraschungen noch passieren." Und Trainer Dussuyer schlägt noch einmal in dieselbe Kerbe: "Das Turnier ist total offen. Außenseiter wie Gabun und Äquatorialguinea sind weiter, große Favoriten sind gestolpert. Wir werden gegen Ghana hart arbeiten. Und dann schauen wir, ob es am Ende für uns reicht."





Autor: Olaf Jansen