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21. November 2009
Irritiert und ohnmächtig
Ein großer Wettskandal macht nicht nur dem Fußball, sondern auch der Politik zu schaffen
BOCHUM (sid/BZ). Die Politik ist irritiert, der deutsche Profifußball tappt noch im Dunkeln: Der Wettskandal im europäischen Fußball hat vor allem beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zunächst eine gewisse Ohnmacht ausgelöst. Während der für den Sport in Deutschland zuständige Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) den Fußball selbst in die Verantwortung nahm, hoffen Liga und Verband vor allem auf die Arbeit der Staatsanwälte.
"Wir sind froh, dass die staatlichen Behörden mit hoher Kompetenz und der gebotenen Ernsthaftigkeit allen Verdachtsmomenten nachgehen. Da es sich um strafrechtlich relevante Taten handeln könnte, ist die Staatsanwaltschaft Bochum Herr des Verfahrens", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger, nachdem die Staatsanwaltschaft Bochum am Freitag alleine in Deutschland 32 Spiele von der zweiten Liga bis zu den Junioren unter Manipulationsverdacht gestellt hatte. Insgesamt stehen etwa 200 Spiele unter Manipulationsverdacht – trotz Wettbetrug-Frühwarnsysteme (siehe Infobox).Auch wenn der deutsche Profi-Fußball trotz der weiter laufenden Ermittlungen nach Angaben von Ligaverbands-Präsident Rauball nur partiell betroffen sei, wird die Aufklärungsarbeit voll unterstützt. "Wir sind dem Fan schuldig."
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Dirk Dufner, Sportdirektor des SC Freiburg, sagte: "Wenn sich die Dimensionen so bestätigen, sind sie natürlich immens. Das ist mit Sicherheit eine hoch alarmierende Entwicklung. Das Positive ist, dass man es aufdeckt. Wenn der Fan wirklich das Gefühl hätte: Egal welches Spiel ich anschaue, es ist doch manipuliert, dann hätte das fatale Auswirkungen. Aber das würde ich für Deutschland mal ausschließen." Nach Vereinsangaben sei der SC Freiburg nicht von den ermittelnden Behörden kontaktiert worden.
Mit Verwunderung nahm Bundesinnenminister de Maiziere den Wettskandal im europäischen Fußball zur Kenntnis. "Das ist ganz schlecht für den Sport", sagte der Minister: "Jetzt ist es Aufgabe des Sports und der ermittelnden Behörden, weitere Schritte einzuleiten."
Verstrickt sein in den Manipulationsskandal sollen in Deutschland unter anderem Spieler des Zweitliga-Absteiger VfL Osnabrück, dessen ehemaliger Trainer Claus-Dieter Wollitz (Energie Cottbus) sagte: "Ich hoffe immer auf das Gute im Menschen. Das gilt auch für diesen Fall." Betroffen sind angeblich die beiden Auswärtsspiele der Niedersachsen beim FC Augsburg (0:3) am 17. April 2009 und beim 1. FC Nürnberg (0:2) am 13. Mai. Ein Verdächtiger hatte nach Informationen der Neuen Osnabrücker Zeitung hohe Summen auf die beiden Partien gesetzt und sich dabei auf eine Tordifferenz festgelegt, die dann tatsächlich eintrat. Aus abgehörten Telefonaten gehe hervor, dass der Verdächtige Kontakt zu mindestens einem VfL-Spieler aufgenommen habe.
Auch das Freundschaftsspiel zwischen Regionalligist SSV Ulm und dem vom deutschen Trainer Christoph Daum trainierten türkischen Erstligisten Fenerbahce Istanbul (0:5) am 14. Juli 2009 steht unter Manipulationsverdacht.
Bestochen, gedopt, getäuscht – die größten Skandale in Bildern unter www.badische-zeitung.de/fotos
Autor: dpa
