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03. Februar 2012 07:38 Uhr
Hallensport
Warum Futsal in Südbaden nicht voran kommt
Futsal, die offiziell geförderte Hallenvariante des Fußballsports, kommt in Südbaden kaum voran. Der größte Bremser ist dabei der Bezirk Freiburg. Warum?
Gegenwind ist für Bruno Sahner nichts Neues. Gegenwind hat der 67-jährige Maulburger als ehemaliger Zweitliga-Schiedsrichter oftmals zu spüren bekommen. Deshalb lässt sich Sahner auch von den Bremsern und Bedenkenträgern nicht unterkriegen, die ungerührt an Futsal herummäkeln. "Unser Ziel ist es, dass der Hallenfußball von Futsal abgelöst wird", stellt Sahner klar.
An Futsal scheiden sich im Fußball die Geister. Im durchstrukturierten deutschen Funktionärswesen wird der aus Südamerika stammende Hallenkick mit spitzen Fingern angefasst (siehe unten stehender Artikel). Beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) und beim Südbadischen Fußball-Verband (SBFV) ist Futsal dem eher unbedeutenden Ausschuss für Freizeit- und Breitensport zugeordnet. Als Vorsitzender dieses SBFV-Gremiums fördert Sahner dieses Thema jedoch schon seit Jahren mit fast missionarischem Eifer.
Sahners Ziel: der Aufbau einer südbadischen Futsal-Liga für Aktive im Winter und die Umgestaltung der Hallenturniere, die die Vereine seit Jahrzehnten in der Tradition des vermeintlichen Banden-Budenzaubers ausrichten. Von beiden Zielen ist Sahner noch ein gutes Stück entfernt. Während es in (Nord-)Baden bereits seit sieben Jahren eine regen Ligaspielbetrieb gibt, sind südbadische Futsal-Aktivisten froh, wenn sich in jedem der sechs Bezirke zumindest für ein offizielles Futsalturnier ausreichend Mannschaften finden. Der jeweilige Sieger qualifiziert sich als Bezirksmeister für die südbadischen Titelkämpfe, die am Sonntag in Hinterzarten ausgerichtet werden. Die Frauen spielen zeitgleich in Waldshut.
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Sahner kann gar nicht verstehen, warum die Vorbehalte an der Basis so groß sind. Die Vorteile von Futsal liegen für ihn auf der Hand: Der sprungreduzierte Ball erleichtere die Ballführung. Damit würden Technik, Zusammenspiel und individualtaktische Fertigkeiten gefördert. Zudem sinke das Verletzungsrisiko, weil Fouls strenger geahndet werden. In der A- und B-Jugend habe der Verband zuvor keine Hallenmeisterschaften nach herkömmlicher Art mehr ausrichten können. "Die Knüppelei war da so groß, das hatte nichts mehr mit Fußball zu tun", sagt Sahner.
In der Jugend hat der Verband deshalb schon vor fünf Jahren Pflöcke eingeschlagen: Bezirks- und Verbandsmeisterschaften werden von der E- bis zur A-Jugend für Jungen und Mädchen ausnahmslos nach Futsalregeln gespielt. "Die Jugendlichen spielen das gerne", will Sahner erkannt haben. Die Parallelwelt der Vereinsturniere folgt im Jugendbereich weiterhin den Bandenregeln. Immerhin: Auf dem Jugendverbandstag in Saig lehnten die Vereine den Antrag ab, neben Futsal auch in der klassischen Variante Meisterschaften auszurichten.
Dass der Antrag aus dem Bezirk Freiburg kam, ist für Sahner kein Zufall. Hier verortet er die größten Futsalskeptiker in Südbaden: "In Freiburg klemmt’s." In der Tat scheint die Futsalbegeisterung zwischen Emmendingen und Müllheim in etwa so träge wir die Hüpfeigenschaft des Balls: Versteckt hat der Bezirk mit dem Doppelpass-Hallenmasters auch bei den Junioren eine Art Bandenmeisterschaft etabliert. Zudem ist Freiburg der einzige südbadische Bezirk, der in diesem Jahr keine Futsalmeisterschaft für Aktive ausrichtet. "Die Resonanz war traurig", räumt der stellvertretende Bezirksvorsitzende und Futsalbeauftragte Manfred Pirkein. Von 120 angeschriebenen Vereinen gab es gerade eine positive Rückmeldung. So fiel die Meisterschaft ins Wasser.
Auch Pirkist davon überzeugt, dass sich Freiburg auf Dauer Futsal nicht verschließen wird. "Frauen und Jugendliche nehmen es schon an." Doch die Beharrungskraft der Klubs scheint noch zu stark. Der DFB müsste da mehr machen, meint Birk. Und auch viele Trainer hätten die Vorteile noch nicht verinnerlicht.
Wie ungern die Vereine eingefahrene Bahnen verlassen, zeigt das Beispiel der großen Hallenturniere für Aktive: Kein Ausrichter im Bezirk ist auf Futsal umgeschwenkt. "Das ist mit Sicherheit eine Sache von Bequemlichkeit und Risikoscheue", räumt Michael Kuwert ein, der Vorsitzende des FC Denzlingen. Mit Futsal hätten sich die Verantwortlichen der 25. Denzlinger Nacht gar nicht richtig befasst. Fritz Zimmermann, Mitorganisator des Doppelpass-Hallenmasters in Wyhl, begründet die Zurückhaltung mit der Angst der Vereine, man würde ein finanzielles Minus erleiden, wenn Zuschauer wegblieben und sich weniger Mannschaften anmelden. "Futsal hat an der Basis nicht unbedingt ein positives Image", sagt Zimmermann. Das Spiel sei zum Zuschauen ein wenig langweilig.
Sahner kann solche Einwände nicht verstehen: Die effektive Spielzeit, das Abprallenlassen und verstärkte Doppelpass-Spielen beschleunige den Fluss. "Schneller geht’s doch gar nicht." Vielleicht. Der Futsal-Fortschritt indes vollzieht sich nur im Schneckentempo.
Endrunde in der Schulsporthalle Denzlingen: Sonntag, 11 Uhr: VR-Cup für D-Juniorinnen, 15.30 Uhr: VR-Cup für D-Junioren.
Endrunde für Frauen am Samstag, 15 Uhr, in Neuenburg.
Autor: Matthias Kaufhold


