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09. Februar 2012 12:23 Uhr

Rückschau

ZDF-Dokumentation über Assauer: "Ich weiß das doch!"

Stephanie Schmidt hat den an Alzheimer erkrankten Rudi Assauer ein Jahr begleitet und daraus fürs ZDF den halbstündigen Film "Rudi Assauer – ich will mich nicht vergessen" gemacht hat.

  1. Rudi Assauer. Foto: dapd

Etwas ganz anderes war geplant: ein launiger Spaziergang mit Rudi Assauer durch die Stadt, die er und die ihn groß gemacht hat im und mit dem Fußball. Doch der ehemalige Schalke-Manager war dazu 2010 nicht mehr imstande. Seine Alzheimer-Erkrankung war aber noch nicht so weit fortgeschritten, dass er dem Vergessen vollständig ausgeliefert gewesen wäre. So kam es, dass die Reporterin Stephanie Schmidt den Kranken ein Jahr begleitet und fürs ZDF daraus den halbstündigen Film "Rudi Assauer – ich will mich nicht vergessen" gemacht hat. Von lebhafter medialer Anteilnahme begleitet wurde er am Dienstag in der schändlicherweise auf einen Sendeplatz nach 23 Uhr verschobenen hervorragenden Reihe "37º" gezeigt.

Trost im Angesicht der Krankheit, die den Betroffenen wie auch den Angehörigen Angst macht wie keine andere, kann von keiner Auseinandersetzung mit Altersdemenz erwartet werden – selbst wenn der Betroffene Rudi Assauer heißt und sich mit dem Mut des Verzweifelten der Kamera gestellt hat. Man bekam einen trostlosen Einblick in jenen Verfall geistiger Kräfte, der in der Literatur seit John Bayleys erschütterndem Buch "Elegie für Iris" mehrfach eindrücklich beschrieben worden ist. Man sah: Rudi Assauer, wie er es in einer "Memory"-Klinik nicht fertigbringt, die als Kreis gemalte Uhr zu beziffern; wie ihm der Name seiner Tochter nicht einfällt. Man sah, wie furchtbar ihn das quälte. Man hörte: Wie Werner Hansch, der Wegbegleiter, von dem Augenblick erzählte, als er dem Freund sagte, mit seinem Kopf sei etwas nicht in Ordnung. Und wie Rudi Assauer in krampfartiges Weinen ausbrach und in höchster Not erstickt herauspresste: "Ich weiß das doch!"

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Erschütternd, ins Herz stechend waren die Aufnahmen eines tadellos gekleideten, stattlichen Mannes, der in seiner eigenen Wohnung zum Fremden, zum Einsamen wird; der sich an seiner Zigarre festhält wie an einer sinnlichen Botschaft aus bewussten Zeiten; der Sätze sagt wie: "Da ist was drin, was einfach nicht mehr vernünftig rauskommt", und sich an den Kopf tippt: So doof kann er doch nicht sein, der Rudi Assauer, der Lebemann, der Macher, der Macho. Doch, so "doof" ist er. Und er wird unaufhaltsam weiter abgleiten in den Ich-Verlust. Da hilft kein Kreuzworträtsel und keine Begegnung mit Jens Lehmann. Wir wissen das. Doch wir verdrängen es. Und wir werden es wieder verdrängen. Die Wahrheit ist unerträglich.

Autor: Bettina Schulte