Der erste herbe Schnitt

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Di, 17. April 2018

Bezirksliga Schwarzwald

TuS Bonndorf strauchelt / Nils Boll wird zum 1. Juli Trainer in Grafenhausen / Hölzlebrucker sprühen vor Spielfreude.

FUSSBALL. Jetzt scheint alles zu gedeihen. Die Bäume schlagen aus, der Salat schießt, Gänseblümchen recken im Schwarzwald die Köpfchen über Flächen, die vor kurzem noch weiß waren. Der Natur voraus waren in den vergangenen Wochen die Fußballer des Bezirksligisten TuS Bonndorf, die vier famose Siege in Serie feierten. Doch jetzt passierte, was auch den Gänseblümchen und dem frischen Grün blüht: ein herber Schnitt. Mit 1:2 musste der TuS gegen Hochemmingen die erste Niederlage im Spieljahr 2018 hinnehmen.

"Schade!", sagt Björn Schlageter, seit dem Jahreswechsel neuer Trainer des TuS Bonndorf, im Rückblick auf den ersten Ausrutscher in diesem Frühjahr, "aber irgenwann musste das ja mal passieren". Durchaus vermeidbar sei der Patzer im heimischen Waldstadion gewesen, "aber in der ersten halben Stunde hatten wir keinen Zugriff aufs Spiel", so Schlageter, "da waren wir einfach nicht präsent". Das frühe 0:1 lähmte den Schwung des TuS. Mit Beginn der zweiten Halbzeit fanden die Bonndorfer zu alter Stärke zurück, entwickelten Zug zum Tor. "Da waren wir dem Ausgleich nahe", so Schlageter. Doch dann folgte ein Rhythmusbrecher mit einem umstrittenen Elfmeter. Zwei TuS-Abwehrspieler nahmen im Strafraum aus Sicht des Schiedsrichters einen Hochemminger Stürmer zu robust in die Zange – der fällige Strafstoß führte zum 0:2 (61.). Das 1:2 durch Weißhaar kam fünf Minuten vor Schluss zu spät, um aus TuS-Sicht wenigstens einen Punkt zu holen. "Enttäuscht, natürlich" sei er, so Schlageter. Dennoch macht er seiner Mannschaft, die im zweiten Durchgang spielerisch überzeugt hatte, keinen Vorwurf: "Wir sind und wir bleiben auf dem richtigen Weg."

Einen neuen Weg vor sich hat Schlageters Vorgänger: Nils Boll, bis zu Beginn der Winterpause Trainer des TuS, hatte kurz vor Weihnachten aus beruflichen Gründen sein Amt zur Verfügung gestellt. Jetzt hat der Realschullehrer wieder Kapazitäten frei: zum 1. Juli wird Boll neuer Trainer des A-Kreisligisten SV Grafenhausen, mit dem der aktuelle Übungsleiter Roberto Wenzler derzeit von Erfolg zu Erfolg eilt. Dem 5:0 vom vergangenen Mittwoch gegen Göschweiler folgte am Sonntag ein ebenso überzeugender 5:1-Erfolg des SVG in Öfingen. Boll darf sich auf eine intakte Mannschaft freuen: "Das ist eine reizvolle Aufgabe mit einer jungen, entwicklungsfähigen Mannschaft."

Es läuft rund beim Bezirksligisten SV Hölzlebruck. In den vergangenen elf Spielen gab es mit dem heftigen 0:6 in Bonndorf nur einen Ausrutscher, aus den bisherigen Rückrundenpartien holte der HSV zehn von 15 möglichen Punkten. Seine Mannschaft habe aus der Klatsche in Bonndorf die richtigen Lehren gezogen, so HSV-Trainer Andreas Binder, der zum Saisonende Platz macht für seinen Nachfolger Tobias Urban, bis Ende der vergangenen Saison fünf Jahre lang Erfolgscoach des Landesligisten FC Löffingen. Nach zähem, zurückhaltendem Start im ersten Durchgang, boten die Hölzlebrucker am Sonntag in Marbach eine Demonstration der Stärke und hätten, vor Spielfreude sprühend, im zweiten Durchgang noch deutlich höher als "nur" mit 3:0 gewinnen können. Mann des Tages im Team des HSV war Nico Riesterer, der im Wintertraining auch bei Minusgraden in kurzen Hosen aufläuft. Ein robuster Rackerer, der das dritte Tor von HSV-Dauerläufer Patrick Koch vorbereitete und danach das vermeintliche 4:0 erzielte, ehe der Schiedsrichter auf Abseits entschied. In der 90. Minute hatte Riesterer doch noch "seinen" Treffer auf dem Fuß, scheiterte aber vom Elfmeterpunkt. "Der Nico hat ein klasse Spiel gemacht", so Trainer Binder "und er hätte so gerne getroffen". Vielleicht sei bei so viel Willen die Leichtigkeit verloren gegangen.

Oliver Mahler, Trainer des FC Neustadt II, holt tief Luft und packt seine Erleichterung in einen Stoßseufzer: "Endlich!" Endlich sei seinem Team mit dem ersehnten 2:0-Heimerfolg gegen den SV Gündelwangen ein wegweisender Befreiungsschlag im Kampf um den Klassenerhalt gelungen. Bitter nötig, so Mahler, sei dieser Sieg gewesen, angesichts der aktuellen Besetzungsmisere und einer am grünen Tisch hergeschenkten, nicht gespielten Partie beim Titelfavoriten SSC Donaueschingen. Gut zusammengearbeitet und vor allem gut verteidigt habe seine Mannschaft, so Mahler. Und so kam es, dass der Gündelwanger Torjäger Thomas Fischer, der zu Beginn der neuen Saison bei der dann als Landesligist startenden ersten Mannschaft des FC Neustadt anheuern wird, an der künftigen Arbeitsstätte fast kein Bein auf den Boden brachte. "Der Junge hatte gegen uns keine einzige richtige Torchance", so Mahler. Nach dieser Willensentscheidung müsse sein Team nun wiederholt über sich hinauswachsen – zum Beispiel am Mittwoch, im Nachholspiel gegen den FC Bad Dürrheim II. Personell gebe es noch immer Probleme, vier Langzeitverletzte seien kaum zu ersetzen. "Aber wir werden jetzt alles reinwerfen, was wir haben", so Mahler.

Kay Ruf neigt nicht zum Überschwang, aber seine Worte haben Gewicht. "Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass wir diese Partie aus der Hand geben", sagt der Spielertrainer des SV Hinterzarten, der mit seiner Mannschaft am Sonntag einen 4:1-Erfolg auf dem Höchst feierte und damit den jüngsten Höhenflug des SVE beendete. Den Eisenbachern, die vor der Winterpause lange fast ganz unten standen, traut Ruf dennoch "problemlos" den Klassenerhalt zu, "wenn die das Tempo vorlegen, dass sie gegen uns gezeigt haben". Ebenso klar ist die Aufgabe für den HSV-Coach und sein Team, das sich am vergangenen Mittwoch mit einem 10:1-Sieg in Löffingen die Tabellenführung zurückerobert hatte. Als Meister wollen die Hinterzartener aus einem Gipfel-Dreikampf mit SSC Donaueschingen und FC Bräunlingen hervorgehen.