"Die Jungs haben gefightet, als wär’s ein WM-Finale"

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Di, 13. März 2018

Bezirksliga Schwarzwald

Gündelwangen überrumpelt Titelfavorit Hinterzarten / Grafenhausen vergibt reichlich Chancen und gewinnt doch mit 9:0.

FUSSBALL. Björn Schlageter, neuer Trainer des Bezirksligisten TuS Bonndorf, gibt sich nach dem verdienten 4:0-Heimsieg gegen Schlusslicht Riedböhringen/Fützen betont nüchtern. "Die erste Halbzeit war relativ holprig", so der Automobilkaufmann, "da ist meinen Jungs nicht viel eingefallen". Gegen die massierte Abwehr der SG, die gleich mit zwei Vierererketten Beton anrührte, war ein Durchkommen zu Beginn allerdings schwer. Doch kurz nach der Pause war der Bann gebrochen, Mario Modispacher gelang das 1:0 "und danach lief’s", so Schlageter. Jetzt habe sich seine Mannschaft etliche hochkarätige Chancen erarbeitet und drei weitere sehenswerte Treffer erzielt. Während beim TuS mit dem erhofften Dreier und Saisonsieg Nummer acht ein gelungener Start in die Frühjahrsrunde gelang, stehen die Zeichen bei der SG auf Abschied. Schlageter will die Höhe des Heimerfolgs deshalb nicht überbewerten. "Im Spiel nach vorn haben wir noch viel Arbeit vor uns." Stolz ist der TuS-Übungsleiter auf den Abwehrverbund. Die Arbeit der Defensive habe ihn überzeugt, "darauf lässt sich aufbauen".

Nur gut, dass es noch den Winter gibt, Vorname Alexander, Spitzname "Ali". Andreas Binder, Trainer des Bezirksligisten SV Hölzlebruck, lobt nach dem 1:0-Erfolg in Immendingen seinen Torjäger, der in einer kampfbetonten und doch erstaunlich fairen Partie das Tor des Tages erzielte – und sieht sich doch genötigt, "den Ali" ein bisschen zu tadeln. Schließlich hatte Winter im ersten Durchgang die Chance auf einen Treffer vom ominösen Punkt mit einem schwachen, unpräzisen Schuss versemmelt, den der SVI-Torhüter abwehrte. Vielleicht, so Binder, sei das ja ein bisschen ausgleichende Gerechtigkeit gewesen, "denn eigentlich war das ja kein Elfer, ich hätt’ den Strafstoß nicht gegeben". Zwei weitere Chancen vergab noch vor der Halbzeit Henrick Sorgius, der den Ball an den Pfosten donnerte und auch den Abpraller gegen das Torgestänge drosch. Drei Beinahe-Treffer, aus denen die Hölzlebrucker im zweiten Durchgang auf dem tiefen, aber laut Binder erstaunlich gut bespielbaren Platz, Kraft zogen. Verdient sei der Sieg vielleicht nicht gewesen, "ein 2:2 hätte wohl eher gepasst". Aber so sei nun mal Fußball "und der Dreier ist mit Blick nach unten ganz wichtig", so der HSV-Trainer. Jetzt könne sein Team ein bisschen entspannter in die Zukunft schauen. Da trifft es sich gut, dass am Wochenende im Heimspiel gegen den SV Geisingen der erklärte Titelfavorit im Jahnstadion gastiert.

Andreas Stritt, Kreisliga-A-Fußballer des SV Grafenhausen, erlebte mit seinen Teamkollegen im Neustädter Jahnstadion ein Schützenfest, das er sich nicht erhofft hatte. Ein Unentschieden war das Ziel, ein knapper Sieg schien aus Sicht des SVG-Trainers Roberto Wenzler vielleicht möglich. Und dann das. Nach neunzig Minuten im Vergleich mit dem FC Neustadt II hieß es 9:0. Für Grafenhausen. Nach einer Partie, die an Einseitigkeit nicht zu überbieten war. "Wir haben nicht alle Chancen genutzt", so Stritt. Er wolle nicht überheblich wirken, "aber das Ergebnis hätte noch ein bisschen höher ausfallen können". Wie sich die Kicker der FCN-Reserve gefühlt haben, mag er sich gar nicht ausmalen. Respekt habe er vor den Neustädtern, "die haben nicht resigniert, sondern weiter mitgespielt, auch nach dem fünften Treffer." Den Kantersieg verbucht Stritt jetzt erst mal als Motivationshilfe nach einer schwierigen Vorbereitung auf die Frühjahrsrunde. Wo er und seine Teamkollegen aktuell stehen, könne er allerdings nicht einordnen, "weil wir in der Defensive ja zu wenig gefordert wurden".

Die Ausgangslage war eindeutig, der Tabellenführer schien unantastbar. In dieser Saison hatten die Hinterzartener Fußballer in der Kreisliga A auswärts noch keine Partie verloren. Und während die Trainer der übrigen Konkurrenten vor dem Kaltstart ins Fußballfrühjahr 2018 über das Wetter, Motivationslücken und die Grippewelle moserten, sah HSV-Spielertrainer Kay Ruf seine Mannschaft bestens vorbereitet. Diese demonstrative Gelassenheit machte sich Nurhan Ardiclik zu Nutze. "Ich musste vor dem Anpfiff gar nicht viel sagen", so der Trainer des SV Gündelwangen, "meine Jungs wollten die richtige Antwort geben". Schon nach fünf Minuten führte der SVG mit 1:0. Dass es der Siegtreffer war, konnte so früh keiner ahnen. Die Hinterzartener wirkten nicht geschockt. Doch je länger die Partie dauerte, umso mehr verkrampften die Gäste. Ardiclik notierte während der neunzig Minuten nur eine einzige HSV-Chance und ordnet den siebten Saisonsieg seiner Mannschaft nach 11:1-Toren aus den jüngsten drei Heimspielen so ein: "Die Jungs haben gefightet, als wär’s es ein WM-Finale."