Zwischen okay und noch befriedigend

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Di, 04. Dezember 2018

Bezirksliga Schwarzwald

Bezirksliga-Fußballer des TuS Bonndorf und SV Hölzlebruck setzen Glanzpunkte und sorgen immer wieder für unnötige Aussetzer.

FUSSBALL-BEZIRKSLIGA. Von Winter keine Spur. Dennoch ruht jetzt der Ball im schneefreien Hochschwarzwald, der nur eine schmutziggraue Zunge bietet, auf der am Wochenende die besten Skispringer und Skispringerinnen bei zwei Weltcupskispringen im Neustädter Schmiedsbachtal landen sollen. 17 Partien liegen hinter den Hochschwarzwälder Fußball-Bezirksligisten TuS Bonndorf auf Rang sechs und dem Tabellenachten SV Hölzlebruck. Restlos zufrieden sind die TuS-Trainer Björn Schlageter und HSV-Coach Tobias Urban nicht.

Björn Schlageter brennt für den Fußball. Voranbringen, fußballerisch weiterentwickeln will er den TuS Bonndorf, doch nicht jeder seiner Kicker brachte seit dem Saisonstart jene Leidenschaft auf den Platz, die es braucht, um in der Bezirksliga ganz vorne mitzuspielen. "Manche haben die Prioritäten anders gesetzt", so Schlageter, "das fing bei der Urlaubsplanung an und zeigte sich auch beim Training". Ein paar Prozent weniger Leistung, die auf dem Platz den Unterschied ausmachten. Statt 26 Punkten, mit denen sich die Bonndorfer als Tabellensechster nach acht Saisonsiegen in die Winterpause verabschiedeten, seien "locker sechs bis acht Zähler mehr drin gewesen", so Schlageter. Bei fünf von sieben Niederlagen habe sein Team mit nur einem Tor Unterschied verloren.

"Es sind Nuancen, an

denen wir arbeiten müssen."

TuS-Trainer Schlageter
Richtig geschmerzt hätten ihn das 1:2 bei Aufsteiger Weilersbach ("das darf einfach nicht passieren") und das 3:4 beim Landesligaabsteiger SV Obereschach. "Wir haben zu viele einfache Fehler gemacht", so Schlageter, bisweilen habe die Präzision gefehlt. Größtes Manko des TuS: die mangelnde Beständigkeit. 60, ja 70 tolle Minuten auf dem Platz wurden immer wieder unterbrochen durch zehnminütige Durchhänger.

"Das können die Jungs einfach besser", so Schlageter, "die haben das Potenzial, um weiter oben zu stehen". Was sie können, hatten die Bonndorfer am vergangenen Sonntag auch im letzten Spiel des Jahres bewiesen – zumindest eine Halbzeit lang. "Gegen Tennenbronn waren wir im ersten Durchgang die bessere Mannschaft", so Schlageter, eine Zwei-Tore-Führung sei bei konsequenter Chancennutzung durchaus möglich gewesen. Doch nach dem Seitenwechsel verflachte die Partie. Der FVT ging durch einen berechtigten Handelfmeter in Führung, ehe dem TuS in der 90. Minute noch der Ausgleich gelang. "Wir haben nicht einen Punkt gewonnen, sondern zwei verloren", ärgert sich Schlageter. Es seien nur Kleinigkeiten, an denen seine Fußballer scheiterten und sich damit selbst um den Erfolg prellten. "Es sind Nuancen, an denen wir im Frühjahr arbeiten müssen", so der TuS-Trainer, der die Bonndorfer am 25. Januar 2019 wieder zum Training bitten will und über die Saison hinaus denkt: "Ich will die Mannschaft weiterentwickeln. Auch 2020."

Tobias Urban, der fünf Jahre lang den Landesligisten FC Löffingen geführt hatte und nach einem Jahr Pause seit dem Saisonstart neuer Trainer des SV Hölzlebruck, sieht sein Team mit 26 Punkten auf Rang acht dort verortet "wo wir momentan hingehören". Viel Luft nach oben gibt es im Tabellenmittelfeld, aber auch ein ordentlich dickes Polster über den Teams aus der Abstiegszone. "Die Bilanz ist zwischen okay und gut", so Urban. Zum Jahresausklang musste der HSV zwei herbe Niederlagen hinnehmen, dem 0:3 beim Tabellenführer FC Gutmadingen folgte am vergangenen Freitagabend unter Flutlicht eine 2:5-Niederlage gegen den FC Pfaffenweiler, der sich durch den Auswärtserfolg am HSV vorbei auf Rang sieben schob. Durchaus stolz ist Urban auf sein Team: "Wer sich für unglaubliche Ergebnisse erwärmen kann, ist bei uns genau richtig." Kuriose, verrückte, leidenschaftliche Partien boten die Hölzlebrucker, holten 0:3-Rückstände auf, verspielten aber auch 4:1-Führungen. Langeweile mit dem HSV? Ausgeschlossen. 37 Treffer haben die Hölzlebrucker erzielt, aber auch 40 Tore kassiert. "Das ist eindeutig zu viel", geißelt Urban die Sorglosigkeit seiner Hintermannschaft, nimmt sein Team aber auch in Schutz. In den vergangenen 17 Spielen habe er die Viererkette in fast jeder Partie neu justieren müssen. Leistungsträger wie Peter Beha, der vom FC Löffingen zu seinem Stammverein zurückkehrte sowie Marc Grieshaber waren lange verletzt. Dauerläufer Patrick Koch, von dem der Neutrainer vor dem Saisonstart Wunderdinge gehört hatte, war nach einem Kreuzbandriss kein einziges Mal am Ball, soll aber zu Beginn der Frühjahrsrunde zurückkehren. Micael DoCabo, der vom SV Hinterzarten kam, hatte nur sporadische Einsätze.

Überzeugt haben Urban die Ergänzungsspieler, die bei kompletter Stammbesetzung wohl nie die Ersatzbank verlassen hätten und sich beim HSV enorm gesteigert haben. Die vom Stadionnachbarn FC Neustadt zum HSV gewechselten Brüder Matthias und Marcel Waldvogel hätten ihre Chance genutzt, "die sind jetzt absolute Stammspieler", so Urban. Enorm weiterentwickelt habe sich zudem Christian Seyfried. Bis Weihnachten sollten seine Fußballer jetzt die Köpfe frei bekommen, so Urban, Nichtstun sei nicht nur erlaubt, sondern auch erwünscht, ehe unter der Anleitung der Physiotherapeutin Lisa Brenner zu Jahresbeginn die individuelle Fitness der HSV-Fußballer gestärkt werden soll. Die Mannschaft bleibe zusammen, Abgänge gebe es nicht, so Urban, der nichts von Neu-Verpflichtungen zum Jahreswechsel hält: "Im Winter bekommst du nur Spieler, die irgendwo anders total unzufrieden sind."