Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
27. Januar 2012
Blatter schon wieder in Not
Der Fifa-Präsident soll Fernsehrechte verscherbelt haben, um an Stimmen zu gelangen.
ZÜRICH/BERLN (dpa/BZ). Eine handschriftliche Notiz von Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke bringt den korruptionsgeschädigten Fußball-Weltverband und dessen Präsidenten Joseph Blatter erneut in Erklärungsnot. Das Dokument könnte auf einen Insiderdeal zwischen Blatter und Warner bei der Vergabe der lukrativen Fernsehrechte für die Weltmeisterschaften 2010 und 2014 schließen lassen.
Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte am Donnerstag das Schreiben, das Valcke an den mittlerweile zurückgetretenen früheren Fifa-Vizepräsidenten Jack Warner verfasst haben soll. "Jack, hier ist die Vereinbarung, unterschrieben vom P. Dieses Geschäft ist nicht durch alle üblichen Gremien und Kommissionen gegangen. Deshalb bitte ich, es vorläufig nicht öffentlich zu machen", heißt es in dem auf englisch verfassten Schreiben. "P." ist die beim Weltverband übliche Abkürzung für Präsident. Gegen Warner war wegen Korruptionsvorwürfen im Zusammenhang mit der Fifa-Präsidentschaftskandidatur von Mohammed Bin Hammam ermittelt worden. Der Funktionär aus Trinidad und Tobago trat deswegen zurück.Werbung
Der Fußball-Weltverband bestätigte die Echtheit des Dokuments, weist aber die damit verbundenen Interpretationen und Vorwürfe als "aus der Luft gegriffen und haltlos" zurück, wie aus der Fifa-Zentrale in Zürich verlautete. "Ja, das Papier scheint authentisch zu sein. Die Frage ist vielmehr: Um welches Agreement handelt es sich? Was ist der Kontext?", hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme aus der Medienabteilung der Fifa. Grundsätzlich könne der Präsident laut Einzelunterschriftsberechtigung Vereinbarungen unterschreiben, die er dann der Fifa-Exekutive oder dem entsprechenden Komitee vorlegt. "Wenn Jack Warner gebeten wird, noch nicht an die Öffentlichkeit zu gehen mit dem Agreement, dann nur, um die entsprechenden Gremien vorher zu informieren", erklärte der Verband weiter.
Warner, ehemaliger Blatter-Vertrauter und langjähriger Chef des Kontinentalverbandes Concacaf, hatte zuletzt behauptet, die TV-Rechte von der Fifa für einen Spottpreis als Gegenleistung für seine Unterstützung Blatters in verschiedenen Wahlkämpfen bekommen zu haben. Der Weltverband hatte diese Vorwürfe zurückgewiesen. Warner habe seit 1986 die Rechte für Trinidad und Tobago für einen symbolischen Betrag bekommen und von einer damals üblichen Praxis gesprochen. Vor einer Woche erst erneuerte Warner seine Anschuldigungen und bezeichnete es als Verschleierung, dass die Fifa nicht auf Vorwürfe eingegangen sei, ihm angeblich auch die Fernsehrechte für 2002, 2006, 2010 und 2014 für einen nominellen Betrag überlassen zu haben. Dies sei für die Rolle geschehen, die er gespielt habe, um Blatter die Fifa-Präsidentschaft zu garantieren, erklärte Warner.
Das Vorwurf-Dementi-Spiel, das Ex-Fifa-Vize und der Verband treiben, bringt die Fifa immer wieder in Erklärungsnot. "Warner muss Beweise liefern für seine Behauptungen, nicht die Fifa muss irgendwas belegen", hieß es in Zürich. Warner hatte nach seinem unrühmlichen Abgang einen Fußball-Tsunami gegen Blatter prophezeit und wählt nun den Weg über die Medien für seine Anschuldigungen.
Eigentlich müsste sich die Ethikkommission angesprochen fühlen, umgehend Untersuchungen einzuleiten, in deren Mittelpunkt auch der bis 2015 im Fifa-Top-Job amtierende Blatter stehen sollte. "Dafür sehen wir keine Veranlassung", teilte die Fifa dazu mit. Der Vorsitzende des neu gegründeten Governance-Komitees dagegen rechnet unabhängig vom nun aufgetauchten Schriftstück mit weiteren Enthüllungen. "Es würde mich erstaunen, wenn es ohne Skandal abliefe", sagte der Schweizer Strafrechtler Mark Pieth in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Donnerstag).
Autor: dpa
