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28. Januar 2012

Ein Olympiasieger mit fremdem Herzen

Hartwig Gauder wirbt für den Verein "Sportler für Organspenden" / Nach der Transplantation zum Marathon und auf den Fuji.

KÖLN (sid). Ende Januar 1997 wurde dem todkranken Geher-Olympiasieger Hartwig Gauder ein neues Leben geschenkt. 15 Jahre danach sagt der weltweit einzige frühere Sportstar mit fremdem Herzen: "Ich bin unglaublich dankbar für diese neue Chance. Denn nach wie vor sterben in Deutschland jährlich 1000 Menschen auf der Warteliste, weil sich viel zu wenig Leute für den Spenderausweis entscheiden und immer weniger Organe zur Verfügung stehen."

Der 57-Jährige, der zusammen mit Franz Beckenbauer und Hans-Wilhelm Gäb im Verein "Sportler für Organspende" für die lebensrettende Idee kämpft, hatte zwei Jahre auf das Transplantat gewartet – ständig das drohende Ende vor Augen. Nachdem Chlamydien (Bakterien) sein Herz systematisch zerstört hatten, musste er auch gegen eine Krankenhaussepsis ankämpfen. Zehn Monate lang schlug ein Kunstherz in seiner Brust, bevor ihn das Organ eines tödlich Verunglückten rettete. "Es kam offenbar aus dem Ausland, darauf deutete der Transport mit dem Learjet hin", sagt Hartwig Gauder, der wie alle Transplantierten keine Informationen zur Person des Spenders erhielt.

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Lange Zeit musste der Olympiasieger von Moskau 1980 und Weltmeister von Rom 1987 täglich ein ganzes Paket Medikamente einnehmen, heute deutlich weniger. "Jederzeit kann ein Abstoßungseffekt eintreten. Einige, die abgesetzt haben, mussten das mit dem Leben bezahlen", sagt Hartwig Gauder, der noch einmal eine kritische Situation erlebte. Im August 2009 war eine fünfstündige Operation nötig. Durch eine Kathederuntersuchung war ein Herzklappenschaden entstanden, der repariert werden musste.

Heute möchte Gauder anderen helfen. "Ich gebe Motivationsseminare, berate chronisch Kranke, stehe Familien mit transplantierten Kindern zur Seite, halte auch in Japan Vorträge zu medizinischen Themen, habe dort drei Bücher veröffentlicht, in Deutschland entsteht gerade mein Viertes (Das reparierte Herz). Und ich räume auch dem Familienleben viel Stellenwert ein." Gauder, dessen Filius Marcus nicht zufällig Medizin studierte, hatte nach der Transplantation zunächst beruflich vor dem Nichts gestanden. Auch sportlich ging’s für den Vaihinger wieder aufwärts: Er bestritt den New York Marathon und bestieg in Japan den 3776 Meter hohen heiligen Berg Fuji.

Autor: sid