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21. April 2017

"Es muss weitergehen"

Die Champions-League-Enttäuschten Bayern und Dortmunder schauen nach vorne – und auf ihr Pokalduell kommende Woche.

  1. Trauriger Abschied von Europas Bühne – die Dortmunder Marco Reus (links) und Matthias Ginter Foto: afp

MONACO/MÜNCHEN (sid). Ein lockeres Training im Sonnenschein an der Côte d’Azur, dann endete für Borussia Dortmund die vorerst letzte Champions-League-Reise. Als die Spieler nach der wohl schwierigsten Woche ihrer Karriere am Donnerstag in Richtung Heimat abreisten, kündigte Thomas Tuchel die schnelle Rückkehr auf Europas größte Fußball-Bühne an. "Wir müssen bei all unserem Talent in der Persönlichkeit wachsen. Unser Weg ist noch nicht zu Ende", sagte der Trainer nach der 1:3 (0:2)-Niederlage im Viertelfinal-Rückspiel bei AS Monaco. Der Tags zuvor gescheiterte FC Bayern München, noch gezeichnet vom K.o. bei Real Madrid, will sich derweil im Saisonfinale ohne internationalen Glanz zumindest mit zwei heimischen Titeln trösten.

Dass der Dortmunder Weg acht Tage nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus im Stade Louis II endete, daran trug Tuchel eine Mitschuld. Der 43-Jährige brachte überraschend den länger verletzten Erik Durm in der Startelf und ließ wie schon bei den Niederlagen im Hinspiel (2:3) und im Bundesliga-Topspiel bei Bayern München (1:4) mit einer Dreierkette beginnen. Nach den frühen Gegentoren von Kylian Mbappé (3.) und Radamel Falcao (17.) korrigierte Tuchel sein Personal und sein System schnell.

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Eine Frage des Systems, das Tuchel nach 27 Minuten mit der Einwechslung von Ousmane Dembélé von einem 3-4-2-1 in ein 4-2-3-1 änderte, sei es aber nicht gewesen, wie der BVB-Coach versicherte. "Wir haben mit diesem System sehr gute Spiele auswärts und in der Champions League gemacht", sagte Tuchel. Das stimmt, allerdings präsentierten sich der BVB in jüngerer Vergangenheit mit der Viererkette deutlich stabiler.

Angesichts aller Widrigkeiten nach dem Attentat darf man die Erkenntnisse aus den beiden Spielen gegen Monaco nicht überbewerten, auch wenn sich die Spieler selbstkritisch zeigten. "Mit dem Spiel können wir nicht zufrieden sein. Es hat einfach ein bisschen der Wille und die Kraft gefehlt", sagte Torschütze Marco Reus (48.). Torhüter Roman Bürki hatte "individuelle Fehler bei den Gegentoren" gesehen. Man sei von der ersten Sekunde an nicht bereit gewesen, so der Schweizer: "Vielleicht waren wir zu fokussiert auf das Toreschießen."

Viel Zeit um das verdiente Aus zu verarbeiten, bleibt den Westfalen nicht. Schon am Samstag steht das Spiel bei Borussia Mönchengladbach an. "Für viele von uns war es die erste Saison in der Champions League. Wir müssen daran arbeiten, Konstanz in die Leistungen reinzubekommen. Und dann wollen wir wiederkommen", sagte Kapitän Marcel Schmelzer.

Ancelotti braucht neben dem Liga-Titel auch den Pokal

Nach dem Ausscheiden von Bayern München in Madrid hat sich Sky-Experte Lothar Matthäus kritisch geäußert. "Bayern hat Real mit vielen eigenen Fehlern stark gemacht. Da muss man sich auch an die eigene Nase fassen, bevor man nur auf den Schiedsrichter losgeht", sagte Matthäus in einem Interview: "Wenn man das Gesamtpaket der beiden Spiele sieht, sind die Madrilenen verdient weitergekommen."

Ob sich die Bayern nach dem Champions-League-Aus hinsichtlich des bevorstehenden personellen Umbruchs mit internen Lösungen zufrieden geben, bleibt abzuwarten. Präsident Uli Hoeneß mahnte zuletzt in der Sport Bild, den eigenen Nachwuchs nicht zu vernachlässigen. "Der FC Bayern wird selbstverständlich weiterhin in Stars investieren, wenn wir auf einer Position Bedarf sehen", sagte er. "Doch vorher müssen wir schauen, ob wir dafür nicht in den eigenen Reihen jemanden haben."

Doch bevor ein neuer Bayern-Angriff auf Europas Fußball-Thron gestartet wird, soll das zwölfte nationale Double her. "Wir müssen Meister werden und den Pokal gewinnen", stellte Flügel-Star Arjen Robben klar, nicht ohne enttäuscht nachzuschieben: "Mehr ist nicht drin." Vor allem mit dem Pokal-Halbfinale am nächsten Mittwoch daheim gegen Borussia Dortmund wollen sich die Münchner von der dramatischen Nacht gegen Real ablenken. Einen "richtigen Kracher" nannte Mats Hummels das Duell gegen seinen früheren Verein, "das nächste Highlight".

An glitzernde Champions-League-Abende reicht das Duell der beiden Europacup-Enttäuschten indes nicht heran. Für die Bewertung der Saison ist das Spiel aber entscheidend: Verliert nämlich Bayern wie schon 2015 erneut daheim gegen den BVB, dann war das erste Jahr von Trainer Carlo Ancelotti in München nicht gut genug. Da hilft den Bayern auch der 27. Bundesliga-Titel nicht.

Das DFB-Pokal-Finale im Berliner Olympiastadion am 27. Mai soll für Philipp Lahm und Xabi Alonso ein würdiger Abschluss zweier langer und dekorierter Karrieren sein. "Hoffentlich wird das das letzte Spiel", sagte der spanische Mittelfeldspieler und forderte ein letztes Aufbäumen: "Es muss weitergehen." Definitiv fehlen wird im Saisonfinale Torhüter Manuel Neuer, der sich in Madrid eine Knochenfraktur im Mittelfuß zuzog.

Autor: dpa