Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
11. Februar 2012 00:01 Uhr
Bilanz
Guter Fußball und alte Probleme beim Afrika Cup
Mit dem Finale zwischen der Elfenbeinküste und Außenseiter Sambia geht der 28. Afrika Cup zu Ende. Der gezeigte Fußball war gut, die Organisation weniger und die Funktionäre ein Kapitel für sich.
Für Überraschungen ist der afrikanische Fußballverband CAF immer mal wieder gut. Am Donnerstag gaben die Funktionäre in einer kurzen Notiz bekannt, das Endspiel des AfrikaCup zwischen der Elfenbeinküste und Sambia finde am Sonntag eine halbe Stunde später statt, um 20.30 statt um 20 Uhr. "Aus technischen Gründen", Näheres wurde nicht bekannt. Vermutlich wissen die CAF-Leute nicht, welche Verzweiflung sie mit solcherlei Nachrichten in diversen Fernsehanstalten dieser Welt, deren Programm seit Wochen minutiös steht, verursachen. Einem Anbieter wie Eurosport, der das Finale in Deutschland live zeigt, bleibt nichts anderes übrig, als sich zu fügen. Dem Verband CAF scheint das egal zu sein.
Der Afrika Cup 2012 hat den neutralen Betrachtern in weiten Teilen viel Freude bereitet. Trotz Verkehrsbehinderungen, Stromausfällen oder fehlender Sicherheitsvorkehrungen überwog der Spaß am Offensivfußball, den die meisten Teams wiederentdeckt haben. Anders als bei den zwei letzten Ausgaben des Kontinentalturniers in Ghana (2008) und Angola (2010) wurden die starren Defensivsysteme aufgebrochen und es wurde wieder mutiger nach vorn gespielt. Den sogenannten Kleinen sei Dank, denn die haben sich mit frechem Offensivfußball schon in der Qualifikationsphase gegen ehemals Große wie Kamerun, Nigeria, Ägypten und Südafrika durchgesetzt und den neuen Trend populär gemacht. "Das Niveau ist erheblich gestiegen", fand auch Gernot Rohr, der deutsche Coach, der Co-Gastgeber Gabun mit eben solchem Angriffsfußball immerhin bis ins Viertelfinale brachte.
Werbung
Im Endspiel aber stehen in Libreville Außenseiter Sambia und die Elfenbeinküste mit Didier Drogba. Das Team will endlich etwas gewinnen. Seit zehn Jahren spielt die sogenannte goldene Generation der Ivorer um Drogba, Didier Zokora und Kolo Touré nun schon zusammen fürs Nationalteam – begeisterte die Fußballwelt mit ihren rasenden Kombinationen und technischen Fähigkeiten. Sie haben nur nie etwas Großes gewonnen. Bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 schied die Mannschaft in der Vorrunde aus, bei den Afrikameisterschaften 2006 bis 2010 versagte sie, wenn es drauf ankam. "Diesmal sind wir dran", hat Didier Drogba vor dem Finale ausgegeben. Mehr Worte verlor der Star der Ivorer nicht. Geredet wurde bei der und über die Elfenbeinküste in den vergangenen Jahren genug. Jetzt sollen Taten folgen.
Während die Ivorer grimmig entschlossen sind, ihren bisher fünf Siegen in fünf Turnierspielen auch den entscheidenden sechsten hinzuzufügen, können die Sambier ihr Glück der Endspielteilnahme noch immer kaum fassen. "Es ist wie im Traum", findet Kapitän Chris Katongo, der nach einigen eher erfolglosen Jahren in Europa bei diesem Turnier wieder so überraschend stark aufspielt. Die Geschichte mit dem Flugzeugabsturz der Nationalmannschaft 1993 vor Libreville kennen nun alle, die Mission der aktuellen Mannschaft dementsprechend auch: "Wir wollen für die Helden von damals spielen", kündigt Coach Hervé Renard an.
Während die Aktiven auf dem Rasen für Sonntag wieder ein spielerisch starkes, offensiv geprägtes Finale versprechen, wird von den Funktionären eigentlich nichts mehr erwartet. Die CAF-Leute um ihren Präsidenten Issa Hayatou waren während des Turniers kaum sicht- oder ansprechbar, verschanzten sich in ihren Suiten oder Restaurants der edlen Funktionärshotels. Die CAF hat ja ihre Schäfchen vermeintlich seit September vergangenen Jahres im Trockenen, seit der neue Fernsehvertrag mit einer der Sportfive-Töchter im Kasten ist. Der besagt, dass auch die bevorstehenden afrikanischen Qualifikationsspiele für die WM 2014 im Paket an den französischen Vermarkter gehen – für 23 Millionen Dollar. Die Klagen Ägyptens, Nigerias oder Südafrikas, die zuvor in der Einzelvermarktung rund fünf Millionen Dollar für ein einziges Länderspiel kassierten, blieben wirkungslos.
Schon 2008, als die CAF die Rechte an sämtlichen sechs Kontinental-Wettbewerben einschließlich Afrika Cup und Champions League über sieben Jahre an Sportfive verkaufte, gab es in manchen Ländern lange Gesichter. Zwischen 2009 und 2016 bezieht der afrikanische Fußball insgesamt knapp 140 Millionen US-Dollar von der Lagardere Sports-Tochter, bei der Hayatou-Sohn Ibrahim zudem einen Posten als Vizepräsident zugeschanzt bekam. Mit diesem Deal verdoppelte die CAF ihre bisherigen TV-Einnahmen in etwa. Im Gegenzug garantiert die CAF allen Ländern, die an den Qualifikationsspielen zum Afrika Cup teilnehmen, eine Summe von 150 000 Dollar. Zudem werden bei den Afrika Cup-Endrunden Preisgelder in Höhe von zehn Millionen Dollar ausgespielt. Wer rechnen kann, bemerkt einen deftigen Überschuss zugunsten des Verbandes. Die Funktionäre könnten sich letztlich als größtes Hemmnis des afrikanischen Fußballs erweisen.
Autor: Olaf Jansen
