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08. März 2009 12:29 Uhr
Auftaktniederlage
Volker Finke verliert sein Japan-Debüt
Punktspieldebüt im dicken Mantel: Volker Finkes neues Team hat zum Liga-Auftakt in Japan mit 0:2 verloren. Doch die Urawa Red Diamonds versprechen sich viel von der Freiburger Trainerlegende.
Finke war zu den Red Diamonds geholt worden, um Japans beliebtesten Fußballverein zu alten Glanzzeiten zurückzuführen. Doch der Auftakt in der J-League ging schief: Vor 37.887 Fans im Kashima-Stadion unterlag das Team aus Saitame gegen die Kashima Antlers mit 0:2.
Für den ehemaligen Trainer des SC Freiburg begann der Nachmittag erfreulich, als sein 17-jähriger Protégé Genki Haraguchi die ersten Torchance des Spiels hatte, den Ball aber über die Latte schoss. Finke hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er junge Spieler in die erste Mannschaft integrieren will – und so ließ er Haraguchi schon bei ersten Saisonspiel von Beginn an spielen und holte zwei weitere Teenager in den Kader.
Trotz der Auftaktniederlage versprüht Finke Zuversicht – und mahnt zur Geduld: Sein Team brauche Zeit, sich an das neues System zu gewöhnen. Finke hatte von der üblichen 3-5-2-Aufstellung auf eine für die Reds neue 4-4-2 Formation gewechselt.
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Zeit haben Trainer bei Urawa allerdings kaum, wie Finkes deutsche Vorgänger Holger Osieck und Gert Engels bestätigen können. Beide wurden 2008 gefeuert - Osieck blieb nur zwei Spiele, Engels wurde am Ende einer enttäuschenden Saison von seinen Pflichten entbunden. Osieck und Engels plagten sich im Schatten Guido Buchwalds, der in den 90er Jahren vier Spielzeiten in Urawas Mannschaft stand, bevor er das Team 2006 als Trainer zu seinem bisher einzigen Titel in der J-League führte. Die Fans liebten Buchwald für die Angriffsstärke des Teams. Finkes Auswahl sah man in einigen flüchtigen Momenten an, dass Urawa mit ihm zum flüssigen Stil seiner erfolgreichsten Zeit zurückfinden könnte. Die Einzelkämpfermentalität, die unter Engels vorherrschte, ist Vergangenheit. Finke hat eine disziplinierte und geschlossene Mannschaft geformt.
Finke zeigte sich beim Spiel gegen Kashima als engagierter Mann an der Seitenlinie. In Jeans und dickem Mantel protestierte der 60-jährige Taktiker lebhaft bei Schiedsrichter Yuichi Nishimura, als der eine Serie von Entscheidungen gegen seinen Schlüsselspieler Tulio Tanaka fällte. Das Beste aus dem in Brasilien geborenen Abwehrspieler Tulio herauszuholen wird Finkes härteste Aufgabe werden, denn der Defensivmann ist für sein explosives Temperament bekannt. In der hitzigen Atmosphäre in Kashima bewahrte Tulio allerdings einen kühlen Kopf - was auch am neuen Kapitän Keita Suzuki liegen könnte, der als wichtiger Mittelfeldspieler von seinen Teamkameraden zum Mannschaftsführer gewählt worden war.
In der vergangenen Saison war Urawas Team von internen Streitereien geprägt. Beobachter kritisierten, dass Torwart Ryota Tsuzuki und Verteidiger Tulio zu viel Einfluss hatten. Finkes Ruf, strikt auf Disziplin Wert zu achten, dürfte dazu beigetragen haben, dass Urawa den vertragslosen Trainer engagierte. Finkes Saisonziel ist ein Platz unter den ersten drei. Der Coach betonte nach der Niederlage gegen den Erzrivalen, sein Team werde nicht jede Woche auf einen so starken Gegner wie Titelverteidiger Kashima treffen. Beunruhigend für Finke: Kashima trat nicht einmal in Bestbesetzung an. Koji Nakata, ehemalige Spieler des FC Basel, war verletzt. Kapitän Mitsuo Ogasawara wurde nach einer gerade überstandenen schweren Knieverletzung nur drei Minuten eingewechselt.
Urawas Probleme waren klar: Links hinten erlebte Tadaaki Hirakawa gegen einen lebhaften Maraquinhos einen entsetzlichen Nachmittag, während der frühere Bundesligastürmer Naohiro Takahara abtauchte. Finke wechselte beide aus. Obwohl der frühere Bundesliga-Star Robson Ponte eine starke Leistung zeigte, fiel es Urawa schwer, die resolute Verteidigung Kashimas zu durchbrechen. In Japan fragen sich viele, ob der Kölner Mittelfeldspieler und frühere SC-Profi Rodar Antar das Spiel der Urawas Reds kreativer machen könnte. Die neue "3+1 Regel" erlaubt es japanischen Fußballklubs, vier ausländische Spieler unter Vertrag zu nehmen. Der zusätzliche Ausländer muss aus einem Mitgliedsstaat des Asiatischen Fußballverbandes kommen. Der Libanese Antar erfüllt diese Voraussetzung. Urawa könnte Finkes Lieblingsspieler aus Freiburger Zeiten in der Spielpause im Juni holen.
Finke wird enttäuscht sein, sein erstes Spiel in Japan verloren zu haben, aber Urawas Fans werden ihm schnell vergeben, wenn er seine Mannschaft nächstes Wochenende zu einem Sieg gegen das Nachbarteam FC Tokyo führen kann. Und falls Finke von der Choreographie der Fans bei seinem Debut beeindruckt war - die Anhänger der Reds trugen farbige Westen, mit denen sie eine rot-weiß-schwarze Wand hinter einem Tor darstellten - das war erst der Anfang. Für das erste Heimspiel der Saison denkt sich das Publikum der Reds immer etwas ganz Besonderes aus.
Der Autor: Mike Tuckerman lebt in Tokio. Der Australier berichtet für eine Reihe von Medien über die japanische Liga und die Nationalmannschaft des Landes. Für die Badische Zeitung beobachtet er in Zukunft die Arbeit von Volker Finke bei den Urawa Red Diamonds.
Übersetzung: Anne-Julie Maurer
Autor: Mike Tuckerman und Anne-Julie Maurer


