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Vor dem Achtelfinale der Champions League belegt ein Bericht: Geld schießt doch Tore

Frank Hellmann

Von Frank Hellmann

Mo, 11. Februar 2019 um 18:08 Uhr

Fussball International

In der Fußball-Champions-League kann nur reüssieren, wer exorbitante Geldsummen bewegt und abstruse Gehälter bezahlt – das belegt der neueste Bericht der Uefa.

Irgendwie dumm, dass dieses Ranking für die Champions League nicht zählt. Kein Verein erzielt aus jeder verkauften Eintrittskarte einen so hohen Erlös wie Paris St. Germain. Nämlich 86,90 Euro. Das geht aus dem Uefa-Benchmark-Report hervor, der alle relevanten Finanzströme im europäischen Klubfußball im Kalenderjahr 2017 detailliert auflistet. Nicht mal die englischen Spitzenklubs greifen ihrer Kundschaft so tief in die Tasche. Der mit katarischer Hilfe groß gezüchtete Verein aus der französischen Hauptstadt würde aber lieber sportlich mal ganz oben stehen.

"Man sieht jedes Jahr die selben Klubs, es gibt keine Überraschungen mehr."

EPFL-Chef Georg Pangl
Was Manchester United gegen PSG im Achtelfinale an diesem Dienstag verhindern will. Das Hinspiel im altehrwürdigen Old Trafford belegt, wie die latente Sehnsucht nach dem Henkelpott zum Gigantismus verleitet hat. In der Königsklasse kann nur reüssieren, wer abstruse Gehaltsvolumina stemmt.

Krösus ist Real Madrid

Krösus in dieser Kategorie ist passenderweise der Titelverteidiger Real Madrid: Sage und schreibe 406 Millionen Euro, immerhin 60 Prozent vom Gesamtumsatz, flossen bei den Königlichen bereits vor zwei Jahren an Spieler, Trainer und Angestellte. Beim FC Barcelona (378 Millionen), Manchester City (334) und Manchester United (306) wird jedoch auch fürstlich verdient. Dahinter folgt auf Platz fünf der FC Bayern München mit einem Gehaltsblock von 278 Millionen Euro, wobei dieser Posten am Gesamtumsatz weniger als die Hälfte fraß (47 Prozent). Borussia Dortmund (178) reiht sich hinter den Schwergewichten auf Platz elf ein.

Borussia Dortmund rangiert auf Platz elf

Auffällig: Zwölf der 16 aktuellen Achtelfinalisten sind unter den 15 Klubs mit den höchsten Gehaltszahlungen gelistet. Allein neun Premier-League-Klubs befinden sich unter den Top 20. Fast drei Milliarden Euro leisteten sich die Engländer an Lohnzahlungen. Pro Klub fast 150 Millionen. Was erklärt, warum die Insel die besten Kicker anzieht wie das Licht die Motten. Eine unabhängige Studie besagt, dass das durchschnittliche Spielergehalt aktuell auf umgerechnet 3,4 Millionen gewachsen ist, in der Bundesliga soll es sich bei 1,6 Millionen bewegen. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) gibt den Wirtschaftsreport zur Saison 2017/2018 an diesem Mittwoch bekannt.

Auch Wolfsburg gehört dem elitären Zirkel an

Aus deutscher Sicht verwundert sehr, dass der VfL Wolfsburg in diesem elitären Zirkel geführt wird. Der Werksklub wies vor zwei Jahren in der Bundesliga nach Bayern München und Borussia Dortmund das dritthöchste Personalkostenbudget aus, stolze 139 Millionen, doch im untersuchten Berichtszeitraum rettete sich die VW-Tochter zweimal erst in der Relegation. Krasser kann ein Missverhältnis zwischen Aufwand und Ertrag kaum sein. 70 Prozent des Etats pumpte der VfL in die Gehälter.

Ähnlich fragwürdig sind sonst nur spanische und italienische Konstrukte. Atletico Madrid und Inter Mailand leiten zwei von drei eingenommenen Euro in Gehälter um. Beim AS Rom, der sich im K.o.-Duell mit dem FC Porto misst, gehen sogar 83 Prozent dafür drauf. Insgesamt aber ist wirtschaftliche Vernunft eingekehrt. "Die Gesundheit des europäischen Klubfußballs ist hervorzuheben: Die 700 Klubs der ersten Ligen erzielten zusammengenommen erstmals Gewinn in der Geschichte", stellte Uefa-Präsident Aleksander Ceferin in seinem Vorwort zum 118-seitigen Bericht fest.

Die Schere geht weit auseinander

Einerseits steht darin, dass ein Plus nach Steuern aller Klubs von 615 Millionen zustande gekommen ist, andererseits wird belegt, wie weit die Schere in dem Kontinentalverband inzwischen auseinandergeht. Die Uefa mag zwar mehr Kontrolle haben, aber das Ungleichgewicht wird damit nicht verhindert. Im Gegenteil.

In den Niederlanden, Portugal, Belgien, Schweiz oder Österreich wenden Vereine im Schnitt weniger als 20 Millionen Euro für Gehälter auf. Der europäische Vereinsfußball ist von Gräben durchschnitten, die niemals mehr zu überwinden sind. Sobald einen Profi der Lockruf aus den Top-Five-Ligen erreicht, muss er aus finanziellen Gründen wechseln. Zudem: Die 20 Vereine mit den höchsten Zuschauereinnahmen – darunter mit Bayern, Dortmund, dem Hamburger SV, Schalke 04 und Eintracht Frankfurt gleich fünf Bundesligisten – absorbieren die Hälfte der Erlöse aus diesem Sektor. Der FC Barcelona hat in 2017 mit jedem seiner 30 Heimspiele 4,8 Millionen Euro eingenommen. Bei Eintracht Frankfurt waren es im Vergleich 1,9 Millionen pro Partie.

Die Großen werden immer größer

Eine Gefahr sind mittlerweile auch die gewaltigen Unterschiede innerhalb der Ligen. Die vier wirtschaftsstärksten Vereine in Deutschland zahlen rund dreimal so viel Gehalt wie die Mittelklasse von Platz neun abwärts, in Spanien liegt das Verhältnis sogar bei 9:1. Logische Folge: Es qualifizieren sich immer häufiger dieselben Vereine für die europäischen Wettbewerbe. Benfica und Sporting Lissabon in Portugal, Celtic Glasgow aus Schottland, Olimpiakos Piräus aus Griechenland oder Schachtjor Donezk aus der Ukraine – Frankfurts Gegner in der Europa League.

Georg Pangl, der über die European Leagues (EPFL) die mittleren und kleinen Länder vertritt, kritisierte schon häufiger, dass der europäische Fußball in Schieflage geraten ist. "Man sieht jedes Jahr dieselben Klubs, es gibt keine Überraschungen mehr." Die 15 Big Player hätten von den Uefa-Ausschüttungen in den vergangenen Jahren mehr als dreimal soviel wie der gesamte Rest verdient. Durch den seit dieser Saison geltenden Verteilungsschlüssel – zustande gekommen nach der Drohkulisse einer möglichen Abspaltung – sind die Kräfteverhältnisse für die Zukunft zementiert. Daher muss auch gar keine Super League mehr kommen: Die K.o.-Runde der Champions League ist bereits ihr erstes Abbild.

Gehaltsaufwand pro Klub (inklusive Trainer und Angestellte im Kalenderjahr 2017): 1. Real Madrid (Spanien) 406 Millionen Euro (60 Prozent des Gesamtumsatzes), 2. FC Barcelona (Spanien) 378 (58), 3. Manchester City (England) 334 (60), 4. Manchester United (England) 306 (45), 5. Bayern München (Deutschland) 276 (47), 6. Paris St. Germain (Frankreich) 272 (54), 7. Juventus Turin (Italien) 264 (64), 8. FC Chelsea (England) 256 (61), 9. FC Liverpool (England) 244 (57), 10. FC Arsenal (England) 234 (48), 11. Borussia Dortmund (Deutschland) 178 (53), …16. VfL Wolfsburg (Deutschland) 139 (70).