Zwischen Crouch und Koller

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

Mi, 12. September 2018

Kreisliga Hochrhein

Florian Reckermann ist der Bruder von Olympiasieger Julius Reckermann, spielte Zweitliga-Volleyball und kickt nun beim SV Wollbach.

FUSSBALL. Sein Bruder ist Olympiasieger, gewann 2012 in London Gold im Beachvolleyball. Florian Reckermann schmetterte ebenfalls erfolgreich, jahrelang in Freiburg, in der Zweiten Volleyball-Bundesliga. Nun hat der 41-jährige Gymnasiallehrer Schuhe und Untergrund gewechselt und geht für den C-Ligisten SV Wollbach auf Torejagd.

Wolfgang Beck, Waldemar Scherbakoff und Florian Reckermann eint ein besonderes Faible. Alle drei Hünen haben den besonderen Touch. Ein Gefühl für alles, was mit runden Bällen zu tun hat. Und alle haben bereits bei der FT 1844 Freiburg zweite Volleyball-Bundesliga gespielt. In den Ahnengalerien der FT-Schmetterkünstler haben sie ihren Platz sicher.

Dem aber nicht genug: Reckermann, Scherbakoff und Beck sind Wanderer zwischen den Welten, die auch in Kickstiefeln eine gute Figur machen. Beck schoss einst den SV Bad Buchau im Relegationsspiel 1999 mit einer schnurrgeraden Volleyabnahme von der Strafraumkante in die Kreisliga A. Scherbakoff ging einst erfolgreich für den Kreisligisten FV Dinglingen auf Torejagd. Und auch Reckermann ist multi-sportlich talentiert, er ist der wohl neueste Volleyballer, der sich in Südbadens Kreisliga anschickt, Aufstiege zu ermöglichen.

Erstmals im Fußballclub in einer Seniorenliga in Singapur

Seit diesem Sommer kickt der 1,95-Mann beim SV Wollbach in der Kreisliga C. Ein Verein, der offensiv den Aufstieg zum Ziel formuliert hat. Und in Rotschopf Reckermann nun unerwartete Schützenhilfe bekommen hat. Irgendwo zwischen Peter Crouch und Jan Koller liegt er optisch. Als Volleyballer war der Bruder von Beachvolleyball-Olympiasieger Jonas Reckermann einst erst als Annahmespezialist und später als Zuspieler unterwegs. In etwa so wie wenn ein Fußballer erst den Innenverteidiger, dann den Stürmer und schließlich den Torwart mimen würde. Ein Multifunktionskünstler, der mit seinen 41 Jahren nochmal eine Herausforderung sucht.

Am Anfang war eine Seniorenliga. Im fernen Singapur. Dorthin zog es den Politik-, Geschichts-, Wirtschafts- und Sportlehrer vor drei Jahren, als er sich auf eine Stelle an einer der 144 deutschen Schulen im Ausland beworben hatte. "Das war überhaupt das erste Mal, dass ich in einer Liga Fußball kennengelernt habe", erzählt der offensichtlich vielfach veranlagte Sportler. Bald stellte sich der Gymnasiallehrer derart geschickt an, dass er auch sein Glück in der Mid-Week-League versuchte – und immer größeren Gefallen an dem neuen Sport fand. Bis zu dreimal die Woche arbeitete der Rechtsfuß an seinem fußballerischen Können.

Als es den ehemaligen USC-Freiburg-Volleyballer am Ende seiner Auslandszeit diesen Sommer dann ans Gymnasium in Weil verschlug, suchte er in seiner neuen Heimat am Hochrhein nach einem Fußballverein. Über das Altherrenteam des FC Wittlingen entstand der Kontakt nach Wollbach. Wo er es eigentlich zuerst in der zweiten Mannschaft versuchen wollte. Als aber Thomas Seliger, Coach der ersten SVW-Mannschaft, seinen neuen Schützling im Training sah, zog er ihn sofort hoch. Und so kommt es, dass ein ehemaliger Bundesliga-Volleyballer mit 41 Jahren in der Kreisliga C seinen ersten Fußball-Sommer sucht. "Er ist sehr fit und unglaublich kopfballstark", lobt sein 28-jähriger Trainer. "Ich habe richtig Bock auf die Jungs und auf die Saison", sagt Reckermann.

Der Auftakt ist ihm schon mal gelungen. Beim 3:2-Derbysieg über den FC Wittlingen III markierte der rechte Außenverteidiger direkt seinen ersten Treffer. Auch in der zweiten Partie (4:3 gegen FC Hauingen II) spielte der Riese durch. Und hat Blut geleckt: "Es macht großen Spaß, taktisch und technisch noch einmal richtig viel zu lernen." Was auch sein Trainer bestätigt: "Er hilft uns enorm, auch weil er so flexibel einsetzbar ist und immer besser werden will."

Im selben Kader schmetterten die Ex-Bundesliga-Volleyballer im Übrigen nie zu dritt. Nur Beck und Reckermann können auf eine gemeinsame Bundesligazeit zurückschauen. In der zum Warmmachen regelmäßig ausgiebig gekickt wurde, wie beide berichten. Eine Tradition, die dem SV Wollbach dieses Jahr vielleicht zum Titel verhelfen könnte.