Das letzte Derby

Uwe Schwerer

Von Uwe Schwerer

Di, 03. April 2018

Kreisliga Ortenau

Unter Flutlicht bestritten die Kicker aus Schweighausen und Dörlinbach jenes Spiel, das es künftig nicht mehr geben soll.

FUSSBALL. War das nun das Ende aller Rivalität? Gar ein historisches Ereignis? So viel steht immerhin fest: Die Begegnung zwischen der SG Schweighausen und dem SV Dörlinbach am Gründonnerstag war die – vorerst – letzte zwischen den Männermannschaften der beiden Nachbardörfer. Denn im Sommer gehen sie Hand in Hand als SG Dörlinbach-Schweighausen auf Punktehatz. Das Derby in der Staffel 3 in der Kreisliga B endete übrigens mit einem 4:2-Sieg der Gäste aus Dörlinbach.

"Wir freuen uns drauf. Jeder will das letzte Derby natürlich gewinnen", sagte Christian Singler (41) vom SV Dörlinbach noch vor Ostern. "Nochmal alle Emotionen hineinwerfen" wolle er in dieses Spiel, kündigte Markus Moser (35) von der SG Schweighausen an, der selbst noch die Fußballstiefel schnürt. Diese beiden Männer, Sportliche Leiter ihrer Vereine, sind nun dabei, die Zukunft zu zimmern, zusammen mit den anderen Mitgliedern der insgesamt achtköpfigen Projektgruppe, die sich seit Beginn des Jahres alle 14 Tage zusammensetzt.

Zur Spielgemeinschaft gibt es keine Alternative

War diese SG alternativlos? "Ja", sagen Moser und Singler unabhängig voneinander. Jeder Verein habe von sich aus festgestellt, dass es eine neue Perspektive braucht, angesichts immer dünner werdenden Spielerdecken. Sowohl SGS als auch SVD bekommen kaum noch zweite Mannschaften zusammen. Ende 2017 haben sich Vertreter der Vereine erstmals zusammengesetzt. "Da wurde schnell klar, dass wir die gleichen Probleme haben. So kamen wir schnell auf einen gemeinsamen Nenner", so Singler. Pragmatismus statt Kirchturmdenken.

"Die SG lag nahe, denn im Jugendbereich arbeiten wir schon seit Jahrzehnten zusammen, wir liegen geographisch eng beisammen", so Moser. Folgt auf die SG dann irgendwann zwanghaft die Fusion? "Nein, das wollen beide Vereine nicht. Wir installieren lediglich eine Fußball-Spielgemeinschaft im Männerbereich, sonst bleibt alles, wie es war. Die Vereine bleiben erhalten, mit ihren Strukturen, ihren Angeboten, ihren Festen, ihren Besonderheiten", sagte Moser. "Wir haben bewusst darauf verzichtet, für die SG einen neuen Namen zu erfinden", erklärte Singler. "Jeder Verein soll sich im Namen wiederfinden." Eine neue Struktur zu etablieren, ohne die alten zu zerstören, das ist das Motto.

Alte Rivalen, große Emotionen – alles vorbei? "Vor zehn oder 20 Jahren war die Aggressivität größer", stellt Moser fest. "In unserer Generation geht man damit anders um. Wir haben schon in der Jugend zusammen gespielt." Größere Widerstände gibt es auch nach Singlers Beobachtung kaum noch in den Vereinen. "Nicht jeder macht einen Luftsprung von den Älteren, aber bei den aktuell Verantwortlichen ist das vollkommen unproblematisch."

Auch eine Frage der Generationen

Die SG wird in der kommenden Saison abwechselnd die beiden Sportplätze bespielen, so dass es ungefähr einmal im Monat zu einem Heimspiel in Schweighausen und Dörlinbach kommt, was in wirtschaftlicher Hinsicht wichtig ist für den Betrieb in beiden Clubhäusern. Auch trainiert wird abwechselnd auf den jeweiligen Sportplätzen. Nachdem aus der Konfrontation zwischen Grün-Schwarz und Rot-Weiß eine Kooperation wird, muss sich dies auch in neuen Farben ausdrücken. Es läuft wohl, so deutete Singler an, auf ein gemeinsames "neutrales Trikot" hinaus, das von den beiden Vereinswappen geziert wird.

Eines war augenfällig in den späten Nachtstunden des Gründonnerstag: Die Kicker beider Vereine und ihre Fans verstehen es, zu feiern. Gemeinsam.