Beide Teams mit gutem Endspurt

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Di, 04. Dezember 2018

Landesliga Staffel 3

Landesligisten FC Löffingen und FC Neustadt im Zwischenfazit.

FUSSBALL-LANDESLIGA. Zwischen dem FC Löffingen und FC Neustadt wird eine gesunde Rivalität gepflegt, aber es gab am letzten Landesliga-Spieltag vor der Winterpause auch eine auffällige Parallele, wie sie sonst fast nur bei besten Freunden auftritt: Beide Teams lagen in ihren Spielen schon mit 0:2 zurück, steigerten sich danach, egalisierten den Rückstand und sicherten sich noch einen Punkt. Der FC Löffingen (17 Spiele) überwintert als Tabellensiebter, der FC Neustadt (18) auf Rang 13. Vier Punkte liegen zwischen beiden Teams, das Ligamittelfeld liegt dichter beisammen als jemals zuvor.

FC Löffingen
Für Uli Bärmann ist der FC Löffingen die zweite Trainerstation bei den Aktiven. Zuvor coachte er drei Jahre den damaligen Bezirksligisten FC Dauchingen: "In der Landesliga ist es ein ganz anderes Tempo. Man bekommt nicht in jedem Spiel viele Chancen, deshalb muss man konzentrierter arbeiten. Und Fehler werden viel konsequenter ausgenutzt als in der Bezirksliga", sagt der 1,97-Meter-Hüne und fährt fort: "Das Niveau in der Landesliga ist in dieser Saison unglaublich hoch: Da spielen viele Akteure mit Verbands- und Oberligaerfahrung."

Bärmanns Leitspruch in den vergangenen Wochen war: "Wir können in 90 Minuten mit jeder Mannschaft in dieser Liga mithalten, wenn wir uns Leistungspotenzial abrufen." Die Bestätigung dieser Aussage gelang der Löffinger Mannschaft beim 1:0-Sieg beim FC 08 Villingen II besonders eindrucksvoll. Den FC Überlingen besiegten die Rothosen mit 3:0, in Denkingen gab es ein 2:2. Auch bei der 0:1-Niederlage gegen die DJK Donaueschingen war das Löffinger Team auf Augenhöhe. Die schlechteste Leistung attestierte der Trainer seiner Mannschaft beim 1:4 in Geisingen, "da waren wir richtig schlecht und hätten trotzdem nicht verlieren müssen". Die 1:5-Niederlage auf eigenem Platz gegen den FC Bad Dürrheim ist wenig aussagekräftig, da die Heimelf fast eine Halbzeit lang mit neun gegen elf spielte.

"Es war über weite Strecken der Hinrunde ein ständiges Auf und Ab. Nach guten Spielen haben wir uns manchmal nicht so clever angestellt und einige enge Spiele abgegeben", resümiert der Mann, der früher von der Abwehr bis in den Sturm zentral auf jeder Position gespielt hat. Die Achterbahnfahrt bei den Ergebnissen wurde in den vergangenen Wochen jedoch stark abgebremst: Von den letzten sieben Spielen hat der FC Löffingen nur eines verloren, die Leistungen der Elf wurden konstanter. "Ja, die Entwicklung und der Endspurt vor der Winterpause waren positiv", findet Bärmann, "die Jungs haben alle einen guten Charakter und wir wollen ja alle dasselbe: Spaß haben am Fußball und Spiele gewinnen".

Die Spieler und er könnten nun ruhigen Gewissens die Beine hochlegen, "weil das Positive in der Herbstrunde klar überwogen hat". Bei der Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor sehe er noch Optimierungsbedarf, die Defensive arbeite schon ganz ordentlich. "Roberto Jurleta hat den Verein Richtung Stuttgart verlassen, ansonsten sind keine Veränderungen geplant", erzählt der leidenschaftliche Skifahrer Bärmann, der noch einen Wunsch mit Blick auf seine Spieler äußert: "Hoffentlich nehmen sie über Weihnachten nicht zu viel zu."

FC Neustadt
Auch der FC Neustadt hatte seine beste Phase in den vergangenen Wochen. Von den jüngsten sechs Spielen verloren die Blauen nur beim Abstiegskampf-Konkurrenten in Hilzingen (0:4), das Spiel bildete den traurigen Höhepunkt der latenten Personalprobleme: Drei nicht ganz fitte Spieler liefen mit auf, um überhaupt eine Mannschaft stellen zu können. "Das habe ich so auch noch nie erlebt. Da ist man als Trainer der Verzweiflung nahe", sagt Neustadts Trainer Benjamin Gallmann. Das Jahr 2018 wird ihm ganz besonders in Erinnerung bleiben: Im Frühjahr musste er nach einer desaströsen Saison in der Verbandsliga den Abstieg mit der Mannschaft hinnehmen und in der Landesliga ging der Kampf ums Überleben ohne Unterbrechung weiter. "Die Situation stimmt mich nachdenklich und schlägt mir aufs Gemüt", sagt der Coach, "ich würde lügen, wenn ich sagen würde, es geht mir nicht nahe".

Das Training am Montagabend wurde schon früh in der Saison eingestellt. Dienstags und donnerstags hatte Gallmann fast regelmäßig die überschaubare Zahl von sieben, acht Spielern in den Übungseinheiten. Einige Trainingseinheiten mussten mangels Besuch sogar abgesagt werden. "Was bei vielen anderen Vereinen unvorstellbar ist, ist bei uns Trainingsalltag", sagt Gallmann und findet die 22 Punkte, die eingespielt wurden "einen erstaunlich guten Wert, wenn man die Hintergründe, Bedingungen und Umstände kennt". Die Gruppe habe für den Erfolg viel zu wenig getan, nur einige wenige seien dazu bereit gewesen: "Man erntet, was man sät. Wir haben zu wenig gesät. So kann man nichts entwickeln und nichts voranbringen", klagt der Trainer.

Sascha Waldvogel wird am lädierten Knie operiert und fällt wahrscheinlich in der Rückrunde aus. Zwei Spieler aus dem Kader wollen den Verein verlassen: Pjetar Orosaj wechselt nach Aussage von Trainer Zeljko Cosic zum FC Lenzkirch. In Fabian Papa kommt ein wichtiger Abwehrspieler beim FC Neustadt zurück, aber vieles deutet darauf hin, dass sich die personelle Situation bei den Blauen im Frühjahr nicht verbessern wird, wenn im Winter keine Spieler dazukommen. "Klar, wir werden uns umschauen und bemüht sein, aber das waren wir zuvor auch schon", sagt Gallmann zur Spielersuche.

Positiv ist, dass sich in Jonas Feser, Markus Tritschler und Thomas Fischer drei Spieler im Landesligateam etabliert haben, die in der Vorsaison noch in der Kreisliga kickten. Sie überzeugen durch Einsatz und Engagement, Feser steht jedoch aus beruflichen Gründen selten zur Verfügung, wie auch Dominic D’Antino. "Jeder sollte seine Haltung hinterfragen, denn wir werden bis zum Schluss im Abstiegskampf stecken", prophezeit Gallmann. Er freut sich auf die fußballlose Zeit und will jetzt erstmal zur Ruhe kommen.