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04. Juli 2012
Der FC Neustadt wirbt vergeblich um Zuwachs
Das Ziel heißt Klassenerhalt: Fünf, sechs Neuzugänge waren früher die Norm, doch für die neue Saison kann der FCN keinen einzigen externen Spieler verpflichten.
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Bekannte Gesichter: Der FC Neustadt geht mit einer gewachsenen Mannschaft in die Saison 2012/13. Trotz intensiver Bemühungen konnten, von drei A-Junioren abgesehen, keine weiteren Spieler verpflichtet werden. Immerhin: FCN-Übungsleiter Andreas Ackermann (links) hat jetzt in Steffen Dotter (rechts) einen Co-Trainer. Foto: bachmann
FUSSBALL-LANDESLIGA. Der FC Neustadt ist die erste Fußball-Adresse im Hochschwarzwald. Vor vier Wochen haben die Blauen eine bisweilen mit sensationellen Ergebnissen gespickte Landesliga-Saison als solider Tabellensiebter abgeschlossen. Trainer Andreas Ackermann hat es in der Frühjahrsrunde geschafft, aus Einzelkönnern eine verschworene Gemeinschaft zu formen. Ein toller Haufen, in dem es sich zu spielen lohnt. Ein Team, das offensichtlich niemanden lockt.
Gleich auf eine Handvoll Neuzugänge hatte Rolf Eckert, seit Januar neuer sportlicher Leiter des FC Neustadt, gehofft. Schon zu Beginn der Frühjahrsrunde hatte er gemeinsam mit Trainer Andreas Ackermann immer wieder Spieler beobachtet, Gespräche geführt und auf schlagkräftige Verstärkungen gehofft. 21 potenzielle FCN-Kandidaten, allesamt bei Vereinen in der näheren Umgebung aktiv, standen auf der Wunschliste. Nach dem Schlusspfiff der Landesliga-Saison am 2. Juni intensivierten der Sportchef und der Trainer ihre Bemühungen. "Wir haben uns häufiger gesehen, als während der Spielrunde", erinnert sich Eckert. Mindestens vier, fünf externe Verstärkungen wollten er und Ackermann am vergangenen Montagabend zum Auftakttraining präsentieren.Werbung
Am Samstag, 30. Juni endete die offizielle Wechselfrist. In der Nacht zum Sonntag fahndete Eckert im Briefkasten nach Zusagen und fand: nichts. Die Ernüchterung stand ihm am Montagabend im heimischen Jahnstadion ins Gesicht geschrieben. "Ich bin sehr enttäuscht", sagt der sportliche Leiter, "es gibt keine Neuen, Niemand". Eckert und Ackermann wirken wie zwei Hochzeitsplaner, denen die Braut abhanden gekommen ist. Sie zweifeln. Und suchen nach Gründen. "Viele Spieler sind nicht mehr bereit, drei, vier Mal pro Woche zu trainieren", vermutet Eckert. "Da gibt es Kicker, die ganz offen zugeben, dass sie mit minimalem Einsatz lieber ein, zwei Klassen tiefer spielen, weil sie da die Könige sind."
Vielleicht ist der FC Neustadt aber auch einfach zu solide. Während einige Ligakonkurrenten mit Prämien locken, die sie dann doch nicht ausschütten, fließt beim FCN zwar Schweiß, aber kein Geld. Überhaupt ist in Neustadt mit schnoddriger Lässigkeit nichts zu erreichen. Das macht Trainer Andreas Ackermann beim Auftakttraining für die neue Saison unmissverständlich klar. Er will nicht lange darüber räsonieren, "dass jetzt halt kein Neuer zu uns kommt. Es ist, wie es ist. Basta." Leidenschaft fordert er ein und natürlich wie der Bundes-Jogi "högschde Disziplin". "Wir werden laufen, viel laufen, sehr viel laufen", verspricht der Übungsleiter und blickt dabei fest in vertraute Gesichter, die sich ein kollektives Grinsen nicht verkneifen können.
Großen der Landesliga
ein bisschen ärgern."
Trainer Ackermann über seine Ziele
Den FC Neustadt verlassen haben Alexander Ambs, der künftig für den Verbandsligisten FC Denzlingen stürmt, Patrick Koch, der sich dem A-Kreisligisten und FCN-Stadionnachbarn Hölzlebruck anschloss und Felix Knoll, der sich aus beruflichen Gründen nach München verabschiedete.Und dann gibt es sie doch noch, die erhoffte Verstärkung. An der Außenlinie. Steffen Dotter (34), Mitte April noch Spielertrainer des A-Kreisligisten Spfr. Neukirch, der nach dem Relegationserfolg gegen Saig künftig in der Bezirksliga spielt, ist neuer Co-Trainer von Andreas Ackermann. "Die Chemie stimmt", hofft der Chef, der vor einem Jahrzehnt auf dem Platz wiederholt auf den gebürtigen Vöhrenbacher traf, der unter Roland Vöstel fünf Jahre lang beim Verbandsligisten FV Donaueschingen und beim FV Rottweil aktiv war. Beim FC Neustadt verspricht sich Dotter "den Reiz der höheren Liga". Den FCN-Spielern, die ihn an diesem nieselfeuchten Juni-Abend umringen, bietet er in seiner Antrittsrede "Offenheit" an: "Dafür erwarte ich Respekt." Den soll er bekommen, womöglich auch auf dem Platz, wenn es nach Andreas Ackermann geht. Angesichts des kleinen Kaders könnte er Dotter, der sich einen "klassischen Sechser" nennt, im Spielaufbau gut gebrauchen. Vielleicht schon am kommenden Samstag (Anpfiff 14.30 Uhr), beim ersten Testspiel im heimischen Jahnstadion gegen Stegen.
Nach Rang sieben in der vergangenen Saison schaut Ackermann nach vorn, aber nicht nach oben: "Wir wollen nichts mit dem Abstieg zu tun haben und die Großen ein bisschen ärgern." Und dann bricht sich die Enttäuschung doch Bahn. "Wir haben den Kader nicht so aufgefüllt, wie ich mir das erhofft habe", sagt der Trainer und legt die Messlatte noch ein bisschen tiefer. "Es geht um den Klassenerhalt."
Autor: Johannes Bachmann



