Die große Leere nach viel Gemoser

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Di, 08. Januar 2019

Landesliga Staffel 3

Benjamin Gallmann hat sein Traineramt beim FC Neustadt am 30. Dezember niedergelegt / Florian Heitzmann übernimmt als Coach.

FUSSBALL-LANDESLIGA. Zwischen den Jahren verläuft das Leben etwas ruhiger als sonst. Es war eine trügerische Ruhe beim Fußball-Landesligisten FC Neustadt, denn der Verein teilte gestern in einer Presseerklärung mit, dass es zum 30. Dezember einen Trainerwechsel bei den Blauen gegeben hat: Benjamin Gallmann hat sein Amt nach zweieinhalb Jahren niedergelegt, der Mittelfeldspieler und bisherige Co-Trainer Florian Heitzmann wird die entstandene Lücke bis zum Saisonende mit der Unterstützung von Innenverteidiger Ranil Weerakkody ausfüllen.

Am Samstag hat sich Benjamin Gallmann von der Neustädter Landesligamannschaft verabschiedet, die er ein Jahr zusammen mit seinem Bruder Klaus Gallmann und zuletzt anderthalb Jahre alleinverantwortlich gecoacht hat. Es war ein sehr emotionaler und schwieriger Moment für den 33-Jährigen, "denn viele Spieler sind mir ans Herz gewachsen". In der Presseerklärung des Vereins steht als Grund für die Demission des Übungsleiters: "Intensive Gespräche zwischen Verein und Trainer und auch einige Kommunikationsschwierigkeiten führten dazu."

Natürlich kommen in solchen Momenten nie die Fakten auf den Tisch, jede Seite dankt der anderen für die Arbeit und das Engagement und man wünscht sich alles Gute. Offensichtlich hat in den vergangenen Wochen eine Entwicklung eingesetzt, die Benjamin Gallmann keine andere Wahl mehr ließ, als das Handtuch zu werfen: "Es war eine Entwicklung, die mich sehr enttäuscht hat. Es ist richtig, den Schritt jetzt zu gehen, denn eine Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ist nicht mehr gegeben", sagt der ehemalige Verbandsligaspieler. Es war wohl die Stunde der notorischen Nörgler und Moserer, die es in jedem Verein gibt und die sich aus der Deckung wagen, wenn es sportlich nicht besonders gut läuft.

Beim FC Neustadt ist es nach dem Abstieg aus der Verbandsliga auch eine Klasse tiefer in der Landesliga sportlich nicht besonders gut gelaufen, das ist unbestritten: In 18 Ligaduellen spielte die Mannschaft 22 Punkte ein und überwintert auf dem 13. Platz, der, im schlechtesten aller Fälle, am Saisonende zur Degradierung in die Bezirksliga führen würde. In die Bewertung sollten allerdings auch die Bedingungen einfließen, die in der Herbstrunde beim FC Neustadt herrschten. Die Spielerzahl im Training war meistens einstellig, die Mannschaft stellte sich infolge des penetranten Spielermangels oft von allein auf. Zum Auswärtsspiel nach Hilzingen fuhr Gallmann mit zwölf Spielern, in der Startelf standen drei angeschlagene Akteure. Es war das einzige Spiel der letzten sechs vor der Winterpause, das der FC Neustadt verloren hatte.

Rolf Eckert, der sportliche Leiter des FC Neustadt, sagt zur Trennung: "Benjamin Gallmann hat sich nichts zuschulden kommen lassen. Man kann ihm nichts vorwerfen, er hat nichts falsch gemacht." Wer so massiv an dem Stuhl sägte, auf dem der Coach saß, lässt sich Eckert nicht entlocken. Er redet davon, dass es zwischen dem Verein und Gallmann zu Irritationen gekommen sei und dass der Trainer gemerkt habe, dass nicht mehr jeder im Verein hinter ihm stehe. Eckert sagt es nicht, aber irgendwie spürt man, dass er selbst bis zuletzt an der Seite des Trainers stand: "Mir persönlich geht die Trennung nahe, ich schätze Benjamin Gallmann als Trainer wie als Mensch. Er hat herausragende Qualitäten."

Gallmann hat in den vergangenen 18 Monaten ein erstaunliches Durchhaltevermögen bewiesen. Er hat in der Abstiegssaison in der Verbandsliga einen Rückschlag nach dem anderen hinnehmen müssen und dennoch in der Landesliga mit der gleichen untadeligen Einstellung, der gleichen Leidenschaft und dem gleichen Feuer weiter gearbeitet. Obwohl diese Zeit tiefe Spuren hinterlassen hat, vor den sportlichen Herausforderungen wäre der Fußball-verrückte Coach nicht davongelaufen. "Was ich in den letzten eineinhalb Jahren erlebt habe, hätten nicht viele Trainer mitgemacht. Und obwohl ich das Amt niedergelegt habe, bin ich nicht erleichtert. Ich spüre vielmehr eine große Leere", sagt Benjamin Gallmann. Von seiner Gefühlswelt her sehe er sich derzeit nicht in der Lage, eine neue Aufgabe als Trainer anzunehmen.

"Mir persönlich geht

die Trennung nahe.

Rolf Eckert, sportliche Leiter des FCN
Florian Heitzmann wird als verantwortlicher Coach den Trainingsauftakt des FC Neustadt am 28. Januar leiten, Ranil Weerakkody steht ihm als Co-Trainer zur Seite. Beide haben fußballerisch ihre Laufbahn beim Neustadt begonnen "und fühlen sich dem Verein in dieser Phase verbunden" (Eckert).

Neu im Kader des Landesligisten ist Hermann Takuete, der in der vergangenen Saison noch für den Landesliga-Absteiger DJK Villingen stürmte. Robin Maier hat laut Eckert seine Studienpläne verworfen und steht dem FC Neustadt im Frühjahr wieder zur Verfügung, ebenso wie Innenverteidiger Fabian Papa nach einer langen Verletzungspause und Christoph Bruhn, der in der Herbstrunde aushalf und nun wieder reaktiviert wird. Johannes Ketterer wird ebenfalls wieder ins Training einsteigen und Daniel Kapetanovic wechselt von der zweiten Mannschaft in den Kader der Ersten.