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19. Juni 2017 00:00 Uhr

Fußballl

Beim Confed-Cup sollen sich im DFB-Team neue Hierarchien bilden

Beim Confed-Cup, der für das deutsche Team am Montag beginnt, bleiben einige Stammkräfte daheim. Für Julian Draxler, Shkodran Mustafi und Joshua Kimmich ist das eine Chance. Sie steigen im DFB-Team auf.

  1. Kapitän mit mehr Kompetenzen als bisher: Julian Draxler, hier im WM-Quali-Spiel gegen San Marino. Foto: dpa

  2. Bei Autogrammjägern ist Joshua Kimmichs Schriftzug sehr gefragt. Foto: dpa

Manuel Neuer genießt seine Flitterwochen, Jerome Boateng schuftet im Kraftraum fürs Comeback, und Sami Khedira leckt seine Wunden nach dem verlorenen Champions-League-Finale: Während sich die strapazierten Führungsspieler in ihrer verdienten Sommerpause befinden, kristallisiert sich bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für den Confed-Cup eine neue Hierarchie heraus. Julian Draxler, Shkodran Mustafi und Joshua Kimmich sollen das Perspektivteam des Weltmeisters anführen, Trainer Joachim Löw schaut dabei ganz genau hin.

"Nach diesen Wochen werden wir feststellen können, wer die Fähigkeit hat, Führungsaufgaben zu übernehmen", sagte der Bundestrainer vor dem Auftaktspiel an diesem Montag (17 Uhr MESZ/ZDF) in Sotschi gegen Australien. Draxler hat diese Fähigkeiten, auch wenn er mit seinem Kurz-Trip nach Ibiza kurz vor dem Start der Mini-WM für einigen Wirbel sorgte. Der 23-Jährige ist in Neuers Abwesenheit Löws Kapitän. "Er steht für die Generation nach der Generation 2010 um Manuel Neuer. Wenn die mal aufhört, kann Draxler immer noch in der Nationalmannschaft spielen. Er hat sich in Paris fußballerisch noch mal weiterentwickelt, auch von seiner Persönlichkeit her", lobte Löw den Offensivspieler von Paris St. Germain.

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Draxler ist trotz der verantwortungsvollen Rolle kein Lautsprecher. Ein brachialer Kabinen-Einpeitscher wird der ehemalige Schalker und Wolfsburger in diesem Leben nicht mehr. "Ich bin mit der Kapitänsbinde ja nicht von heute auf morgen ein anderer Mensch, der 20-minütige Ansprachen hält", sagt der mit 30 Länderspielen erfahrenste Profi im deutschen Confed-Cup-Kader. Er spüre aber "mehr Verantwortung" – und der will er auch leise gerecht werden. "Ich versuche, hier und da zu helfen, weil ich in etwa weiß, wo es langgeht", sagte Draxler, der nach Ansicht von Teammanager Oliver Bierhoff als Persönlichkeit "gewachsen" ist.

Neue Führungskräfte mit der Erfahrung von Weltmeistern

Gewachsen durch seine internationale Erfahrung in Italien, Spanien und England ist auch Mustafi. Der Innenverteidiger spielte bei FA-Cupsieger FC Arsenal eine überzeugende Saison. "Er tut dieser jungen und unerfahrenen Mannschaft gut. Er ist taktisch gut geschult und kann Führungsaufgaben übernehmen", urteilte Löw über den kommunikativen 25-Jährigen, der mit Draxler und dem Ex-Freiburger Matthias Ginter das Weltmeister-Trio im Kader der 21 Kicker bildet.

Gerade die Erlebnisse vom WM-Triumph vor drei Jahren in Rio sollen den neuen Führungskräften helfen. "Die Hierarchie ergibt sich durch die Spieler, die häufiger bei uns waren und schon ein Turnier gespielt haben. Jule oder Musti, die Weltmeister sind, haben einen besonderen Stellenwert, sie haben eine andere Persönlichkeit", sagte Bierhoff und ergänzte: "Musti war schon immer unglaublich reif für sein Alter."

Neben Draxler und Mustafi ist Kimmich in der Hierarchie nach oben geklettert, auch wenn er aufgrund mangelnder Einsatzzeiten mit seiner Saison beim deutschen Meister Bayern München nicht zufrieden ist. "Kimmich ist ein unglaublich positiver Typ. Er ist sehr aktiv und wissbegierig. Er hat keine Angst sich einzubringen", lobte Bierhoff den 22-Jährigen.

Ob Draxler, Mustafi und Kimmich auch wirklich bereit sind, eine Mannschaft zu führen, wird sich im Verlauf des Confed-Cups zeigen. Bei möglichen Rückschlägen müssen sie in schwierigen Situationen Verantwortung übernehmen. Spieler wie der Kölner Jonas Hector (29 Länderspiele) und der alles andere als schüchtern auftretende Hoffenheimer Sandro Wagner könnten ebenfalls in diese Rolle hineinwachsen.

Zu großer Druck soll allerdings nicht ausgeübt werden auf die Kicker. "Wir lassen den neuen Spielern erst einmal Platz, an ihre Leistung zu denken", sagte Oliver Bierhoff.

So wollen sie spielen: Australien: Ryan – Degenek, Sainsbury, Milligan – Mooy, Irvine – Leckie, Rogic, Luongo, Behic – Juric. Deutschland: Leno – Süle, Mustafi, Rüdiger – Kimmich, Goretzka, Rudy, Hector – Draxler – Stindl, Wagner. Schiedsrichter: Geiger (USA).

Der deutsche Fußball-Nationalspieler Antonio Rüdiger hat vom Weltverband (Fifa) erneut ein entschiedenes Vorgehen gegen Rassismus in den Stadien bis hin zum Spielabbruch gefordert. "Ich wurde in diversen Spielen mit uh, uh, uh ausgebuht – und es ist nichts passiert. Das ist für mich unverständlich, dagegen muss gehandelt werden", sagte der dunkelhäutige Profi, der in Italien beim AS Rom unter Vertrag steht, beim Confed-Cup im Lager des DFB-Teams in Sotschi. Sollte es bei einem Spiel des Confed-Cups zu einem rassistischen Zwischenfall kommen, würde Antonio Rüdiger einen inzwischen möglichen Spielabbruch begrüßen.

Autor: sid