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10. Oktober 2009 00:08 Uhr

WM-Qualifikation

Das Duell Deutschland-Russland – ein Vergleich

Die Statistik ist eindeutig: Von fünf Spielen hat die deutsche Nationalelf vier gegen Russland gewonnen, dazu kommt ein Remis. Doch wie sehen die aktuellen Kräfteverhältnisse vor der Partie am Samstag aus? Ein Vergleich.

  1. Der Torwart der deutschen Elf: Rene Adler. Foto: ddp

  2. Bundetrainer Joachim Loew (M.), Assistenztrainer Hans-Dieter Flick (l.) und Manager Oliver Bierhoff haben den Kunstrasen im Blick. Foto: ddp

TORWART
Igor Akinfejew gilt in Russland als größtes Torwarttalent seit Jahrzehnten. Bereits im Alter von 16 Jahren schaffte er den Sprung ins Profiteam von ZSKA Moskau. Mit 18 war er Nationalspieler. Heute, mit 23, war er bereits russischer Meister und Pokalsieger, hat den Uefa-Pokal gewonnen (2005), die EM 2008 gespielt und hält im laufenden Champions-League-Wettbewerb. Akinfejew, der zu Hause als neuer Lew Jaschin gefeiert wird, ist ein Jahr jünger als sein deutscher Gegenüber René Adler. Im Profifußball hat er aber deutlich mehr Erfahrung als der Keeper von Bayer Leverkusen. Ansonsten ähneln sich beide, sind stark im Eins-gegen-Eins und auf der Linie. Akinfejew hat aber noch ein weiteres Plus: Als Spieler von ZSKA kennt er das Luschniki-Stadion. Und den dortigen Kunstrasen.
»Leichter Vorteil Russland

DIE INNENVERTEIDIGUNG
Den Platzvorteil haben auch Sergej Ignaschewitsch und Valerie Beresuzki. Die beiden Innenverteidiger spielen ebenfalls für ZSKA Moskau. Kunstrasen gilt jedoch als gutes Terrain für schnelle, wendige Akteure. Und das sind beide nicht. Beresuzki (1,89) und Ignaschewitsch (1,86 Meter) überzeugen durch Robustheit und Kopfballstärke. Letzterer ist zudem ein guter Spieleröffner, dafür aber nicht sonderlich schnell. Das Problem der Deutschen ist, dass sie derzeit nur einen Innenverteidiger haben. Einen dauerhaften Partner für den Bremer Per Mertesacker hat Joachim Löw seit der Europameisterschaft 2008 nicht gefunden. Der Schalker Heiko Westermann ist ein Kandidat für das Russland-Spiel. Er ist ebenfalls kopfballstark, ein ordentlicher Passgeber und hat zudem reichlich Offensivdrang. Doch sein Coach Felix Magath stellt ihn im Verein seit Wochen im Mittelfeld auf. Bei Hertha BSC Berlin spielt Arne Friedrich im Abwehrzentrum. Und das im Normalfall sehr solide. Allerdings befindet sich Friedrich genau wie sein Verein derzeit in einer ausgewachsenen Formkrise. Zudem wird der defensive Berliner gegen die offensivstarken Russen womöglich mal wieder als rechter Außenverteidiger benötigt.

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AUSSENBAHN DEFENSIV
Bei der EM im vergangenen Jahr beeindruckten die Außen in der russischen Viererabwehrkette mit ihrem enormen Offensivdrang. Das liegt daran, dass Alexander Anjukow (rechts) und Juri Schirkow von Haus aus Mittelfeldspieler sind. Defensiv sind beide dafür anfällig. Zumal sie aktuell nicht die Form des vergangenen Jahres haben dürften. Anjukow spielt mit Zenit St. Petersburg nicht mehr die überragende Rolle im russischen Fußball wie noch beim Uefa-Cup-Sieg 2008. Schirkow wechselte im Sommer von ZSKA Moskau zum FC Chelsea nach England. Für seinen neuen Verein hat Schirkow aufgrund einer Verletzung noch kein Ligaspiel bestritten. Ihm fehlt die Matchpraxis. In diesem Punkt sind die Deutschen Pendants im Vorteil. Philipp Lahm zeigte zuletzt beim FC Bayern München in der Bundesliga ansteigende Form. Er wird vermutlich wieder links verteidigen, weil der Wolfsburger Marcel Schäfer im Nationalteam bislang nicht überzeugen konnte. Rechts wird Löw wohl die Sicherheitsvariante Arne Friedrich wählen, da der Hoffenheimer Andreas Beck und Jerome Boateng (Hamburg) zu unerfahren sind.
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ZENTRALES MITTELFELD
Hier treffen die Chefs beider Mannschaften aufeinander: Sergej Semak und Michael Ballack sind beide 33 Jahre alt und die prägenden Köpfe im Spiel ihrer Mannschaften. Beide sind nicht nur Strategen, sondern auch torgefährlich. Semak führt mit Meister Rubin Kasan auch aktuell die Tabelle der russischen Premier Liga an, Ballack ist mit dem FC Chelsea in der britischen Premier League top. Zweiter zentraler Mittelfeldspieler der Russen und kongenialer Partner Semaks ist Konstantin Syrjanow. Laufstark, fleißig und technisch beschlagen – das sind seine Qualitäten. Ähnliches trifft auch auf Ballacks Assistenten zu, sollte er denn wie erwartet Thomas Hitzlsperger heißen. Dieser strahlt jedoch nicht so viel Gefahr fürs gegnerische Tor aus wie Syrjanow, dem in der WM-Qualifikation bereits drei Treffer gelungen sind. Und Hitzlsperger steckt mit dem VfB Stuttgart im sportlichen Tief.
»Leichter Vorteil Russland

AUSSENBAHN OFFENSIV
Auf rechts dürfte bei den Russen ebenfalls ein Bekannter von der EM 2008 auftauchen. Wladimir Bystrow ist einer der Akteure, die sich dem Abwärtstrend von Zenit St. Petersburg beharrlich widersetzen. In 22 Ligaspielen hat der rechte Mittelfeldspieler bereits acht Tore erzielt. Sein Vereinskollege Igor Semschow (31) hat indes seinen persönlichen Zenit offenbar überschritten. Semschow ist zwar weiterhin im russischen Kader, könnte aber vom jungen Dinijar Biljaletdinow (24) ersetzt werden. Der wendige Techniker vom FC Everton teilte zuletzt allerdings das Schicksal des anderen England-Legionärs Schirkow. Auch Biljaletdinow war verletzt und befindet sich auf Formsuche. Der St. Petersburger Igor Denisow dürfte eine weitere Alternative sein. Bastian Schweinsteiger ist mehr als das. Beim FC Bayern präsentiert er sich in konstant guter Verfassung, hat einen Stammplatz sicher. Genau wie in der Nationalelf, wo er auf rechts beginnen dürfte. Auf der gegenüberliegenden Seite muss sich Joachim Löw zwischen Köln-Rückkehrer Lukas Podolski und Piotr Trochowski vom Hamburger SV entscheiden. Letzterer überzeugte beim 2:1-Hinspielsieg in der Zusammenarbeit mit Philipp Lahm. Podolski ist in der Lage, im Nationalteam stets Bestleistungen abzurufen, hat in der WM-Qualifikation schon fünf Mal getroffen.
»Leichter Vorteil Deutschland

OFFENSIV
Andrej Arschawin ist der Star im russischen Team. Er hat sich beim FC Arsenal in der britischen Premier League durchgesetzt, überzeugte zuletzt mit Treffern gegen Manchester United und die Blackburn Rovers. Arschawin ist ein überragender Techniker, beidfüßig und enorm schnell. Meist ist er der entscheidende Faktor in der russischen Offensive, was das Ganze für den Gegner allerdings berechenbarer macht. Bekommt man Arschawin in den Griff, hat man gute Chancen, zumindest nicht zu verlieren. Die Deutschen haben Mesut Özil, der nicht ganz so schnell ist wie Arschawin, dafür aber ein noch besserer Vorbereiter. Hinzu kommt vermutlich Miroslav Klose, wegen seiner sechs Tore in der laufenden WM-Qualifikation, vor allem aber weil er laufstärker ist als Konkurrent Gomez. Und Defensivarbeit wird in Moskau gefragt sein. Der zweite russische Stürmer stellt für Trainer Guus Hiddink ein Problem dar. Roman Pawljutschenko hat in der WM-Qualifikation zwar fünf Tore erzielt, kam bei den Blackburn Rovers in England aber zuletzt nur zweimal zum Einsatz. Pawel Pogrebnjak ist beim VfB Stuttgart noch nicht wirklich in Tritt gekommen. Bliebe Alexander Kerschakow, der mit Dynamo Moskau in der russischen Liga abgeschlagen im Mittelfeld rangiert, in 21 Partien aber schon zehn Tore erzielt hat.
»Ausgeglichen

FAZIT
Die Leistungsvermögen beider Mannschaften ähneln sich. Joachim Löw und Guus Hiddink haben mit Formkrisen einiger Spieler zu kämpfen. Wichtig wird sein, was stabiler ist: die russische Offensive oder die deutsche Defensive. Dabei kommt es in erster Linie darauf an, welches Team seine Probleme am besten über das Kollektiv kompensieren kann.

Autor: René Kübler


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