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14. November 2011 00:02 Uhr
Porträt
Dennis Aogo – Nationalspieler in schwieriger Phase
Mit dem Hamburger SV im Tabellenkeller, in der Nationalelf nur Ersatzmann: Der Ex-Freiburger Dennis Aogo hat es im Augenblick nicht gerade leicht.
HAMBURG. Das Lachen ist Dennis Aogo nicht vergangen. Zumindest als Jerome Boateng in seinem flapsigen Berliner Dialekt Journalisten-Fragen beantwortet, amüsiert sich Aogo köstlich. Beide müssen vor dem Länderspiel der deutschen Mannschaft gegen die Niederlande (Dienstag, 20.45 Uhr/ZDF) Rede und Antwort stehen. Doch während Boatengs Karriere in den vergangenen Wochen und Monaten reichlich in Schwung gekommen ist, durchlebt Aogo eine schwierige Phase.
Mit dem Hamburger SV, zu dem er 2008 vom SC Freiburg gewechselt ist, steckt er aktuell im Tabellenkeller der Bundesliga fest – und in der Nationalmannschaft hinter Philipp Lahm. Nur weil sich der deutsche Kapitän dieser Tage eine von Bundestrainer Joachim Löw verordnete Ruhepause gönnt, durfte Aogo beim Test in der Ukraine (3:3) mal wieder von Beginn an spielen. Die Chance, nachhaltig auf sich aufmerksam zu machen, verpasste der 24-Jährige allerdings deutlich. Gemeinsam mit dem Wolfsburger Christian Träsch wurde Aogo zum großen Verlierer des exzessiven Löw-Experiments. Auf links, vor der der Überraschungs-Dreierabwehrkette, konnte der gebürtige Karlsruher weder offensive Akzente setzen noch defensive Stabilität gewährleisten.Werbung
"Ich weiß, dass meine Leistung kritisch gesehen wird", sagt Aogo. Gleichwohl wehrt er sich gegen die Rolle des Prügelknaben. "Ich habe nach dem Spiel mit dem Bundestrainer gesprochen und er hat mir versichert, dass er mit mir zufrieden war", berichtet der viel Gescholtene.
Die Realität stellt sich anders dar. Womöglich resultiert Aogos geringer Anspruch an sich selbst daran, dass er sich daran gewöhnt hat, mit wenig zufrieden zu sein. Beim HSV träumen sie weiterhin von nationalen wie internationalen Großtaten – und hinken den Ansprüchen weit hinterher. Und in der Nationalelf wurde Aogo wieder die Tür vor der Nase zugeschlagen, als Philipp Lahm zunächst beim FC Bayern München und in der Folge auch von Joachim Löw zurück auf die linke Defensivseite beordert wurde. "Die Situation ist schwierig, keine Frage", räumt Aogo ein. Im Grunde weiß er, dass sie aussichtslos ist. Nur durch eine Verletzung Lahms würde sich Aogo eine echte Perspektive bieten. Damit hat er sich abgefunden. "Ich habe mich klar dazu bekannt, dass ich die Rolle des Back-Up ausfüllen will", bestätigt Aogo.
Anders als Jerome Boateng ist Dennis Aogo die Flexibilität abhanden gekommen. Früher, verrät er, sei es für ihn schwierig gewesen, "ein bisschen rumgeschubst zu werden". Denn sowohl in Freiburg als auch in Hamburg war er nicht ausschließlich ein Mann für links hinten – auch für links vorn oder einen Platz in der Mittelfeldzentrale kam er in Frage. Das ist vorbei, die Positionsfrage ist auch aus Aogos Sicht abschließend geklärt – allerdings nicht nur zu seinem Vorteil. Zwar ist ihm nicht entgangen, dass es durchaus ein Trainer-Trend ist, einen Linksfuß rechts oder einen Rechtsfuß links einzusetzen. Für ihn selbst, wehrt Aogo ab, komme dies aber nicht in Frage. "Bislang hat sich ja auch noch kein Trainer getraut, das mit mir zu versuchen", sagt er. Es würde auch keinen Sinn machen, denn Aogos größte Stärke ist sein linker Fuß, mit dem er technisch einwandfrei flanken kann.
Am Dienstag, im Prestigeduell gegen die Niederländer, bekommt Dennis Aogo womöglich noch mal eine Chance. Lahm pausiert weiterhin, der Dortmunder Marcel Schmelzer ist verletzt abgereist. Deswegen ist Aogo trotz seiner mäßigen Leistung in der Ukraine, wie er sagt, "voller Hoffnung, dass ich in meinem Hamburger Wohnzimmer zum Einsatz komme". Wobei er es sich dort nicht allzu gemütlich machen sollte. Denn letztendlich wird es für ihn nicht darum gehen, sich für einen Daueraufenthalt in der deutschen Startelf zu empfehlen. Aogo kämpft einzig darum, weiter ein Ersatzmann sein zu dürfen.
Autor: René Kübler
