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07. September 2011 07:01 Uhr

Nationalmannschaft

Remis gegen Polen – Cacau verhindert Niederlage

Joachim Löws Titeljäger sind beim Experimentieren gegen EM-Gastgeber Polen aus dem Tritt geraten. Mit einem Tor in der Nachspielzeit verhinderte der eingewechselte Cacau eine Niederlage und sicherte das Remis.

  1. Mit einem Tor in der Nachspielzeit verhinderte der eingewechselte Cacau eine Niederlage und sicherte das Remis. Foto: dpa

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat nur wenige Tage nach dem beeindruckenden 6:2-Erfolg gegen Österreich enttäuscht. Die von Bundestrainer Joachim Löw aus experimentellen Gründen auf zahlreichen Positionen veränderte Elf kam in Danzig im Freundschaftsspiel gegen Polen nur zu einem 2:2.

Deutschlands Elite-Fußballer wissen, was gute Gäste ausmacht. Und Oliver Bierhoff weiß es ganz besonders. Als Manager ist er dafür verantwortlich, wie sich das Team in der Öffentlichkeit verkauft. Und in Danzig, wo die deutsche Auswahl im kommenden Sommer ihr EM-Quartier bezieht, sollte ein ganz besonders positiver Eindruck hinterlassen werden. "CIESZYMY SIE NA ROK 2012 – WIR FREUEN UNS AUF 2012", war deshalb auf den Aufwärm-T-Shirts des WM-Dritten zu lesen. Eine nette Geste, der dann aber ernsthafter Sport folgen sollte. Trotz Freundschaftsspiel und offizieller Einweihung der neuen Danziger EM-Arena stellte Bundestrainer Joachim Löw im Vorfeld klar: "Wir werden alles dransetzen, die Spannung hochzuhalten. Jedes Länderspiel gehen wir ernsthaft an."

Träsch und Rolfes enttäuschen

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Der teaminterne Konkurrenzkampf kommt nach vorzeitig gelungener EM-Qualifikation dabei gerade recht – dachte Löw zumindest. Die Stammkräfte Neuer, Schweinsteiger und Özil hatte er im Sinne des Kräftehaushaltens nach Hause geschickt. Tim Wiese, Simon Rolfes und Mario Götze sollten zeigen, dass sie mehr sind als ambitionierte Aushilfen. Auch Christian Träsch rechts hinten sowie Per Mertesacker und Jerome Boateng in der Innenverteidigung wurden geprüft.

Für gut befunden dürfte Löw nach dem gestrigen Auftritt jedoch die wenigsten der Neuen im Team – besonders Träsch und Rolfes agierten von Beginn an fehlerhaft. Das führte immerhin dazu, dass sich Tim Wiese in der 11. Minute auszeichnen konnte. Als Slawomir Peszko, in der Bundesliga für den 1. FC Köln aktiv, nach einem Konter allein vor dem deutschen Tor auftauchte, parierte Wiese solide.

Es war zunächst die einzige ernstzunehmende Chance der Polen. Denn auch Löws Alternativbesetzung war tauglich genug, um zu dominieren. Die Deutschen spielten zwar bei weitem nicht so dynamisch und zauberhaft wie beim 6:2 gegen Österreich. Es sprangen aber mehrere gute Gelegenheiten dabei heraus: Götzes Querpass konnte Klose nicht verwerten (5.), auch Mertesackers Direktabnahme nach einem Eckball fand nicht den Weg ins Tor (6.). Bei Lahms Schlenzer reagierte der polnische Schlussmann Szczesny aufmerksam (10.). Auch Kroos' Schuss von halblinks (31.) ließ Szczesny nicht passieren, bei Kloses etwas überheblichem Dribbling (32.) lauerte der Keeper ebenfalls erfolgreich. Im Spiel Szczesny gegen Deutschland stand es zur Pause 0:0, weil der wackere Tore-Verhinderer in der 42. Minute auch noch die doppelte Einschussmöglichkeit von Podolski und Klose zunichte machte.

Allerdings hätten die Polen ebenfalls in Führung gehen können. Träschs rechte Abwehrseite war von Peszko nämlich zwei weitere Male als Problemzone entlarvt worden, wiederholt ließ der Neu-Wolfsburger den Kontrahenten entwischen, der seine Freiheiten jedoch nicht nutzte: Zunächst landete Peszkos Schuss am Außennetz (27.), dann hinderte ihn der rechtzeitig aus seinem Kasten geeilte Tim Wiese energisch am Abschluss (43.).

Cacau rettet Remis

Aus einem Spiel, das im Idealfall Löws Vielfalt an zusätzlichen Personal-Optionen hätte aufzeigen sollen, wurde eine Partie, die demonstrierte, was nicht geht: Simon Rolfes fehlt es schlicht an Tempo, um defensiv wie offensiv angemessen umzuschalten. Ein Götze ist als Spielgestalter (noch) kein Özil, ein Schürrle kann Thomas Müller auf der rechten Außenbahn nicht adäquat ersetzen. Und Träschs Auftritt? Kein weiterer Kommentar. Lediglich Tim Wiese verdiente eine gute Note. Irgendwie war es schlüssig, dass Robert Lewandowski – hauptberuflich bei Borussia Dortmund engagiert – die Vielzahl an Mängeln zum 1:0 für Polen nutzte. Bei seinem Abstauber war Wiese machtlos.

Dass erfolgreicher Fußball zwar viel, aber nicht ausschließlich mit einer ordentlichen Mannschaftsleistung zu tun hat, zeigte sich, als Löw nach einer Stunde Thomas Müller aufs Spielfeld beorderte. Der laufstarke Münchner brachte mit seinen schnellen und inspirierten Aktionen Leben in die deutsche Offensive. Dank seiner individuellen Klasse, die er beim Sieg gegen Österreich überragend entfaltet hatte, durfte Toni Kroos in der 68. Minute vom Elfmeterpunkt das 1:1 erzielen. Arkadiusz Glowacki hatte Müller bei dessen Antritt im Strafraum nur mit unlauteren Mitteln aufhalten können.

Hätte Wojciech Szczesny seine Bestform nicht über die komplette Spielzeit konserviert und Schürrles gefährlichen Schuss in der 75. Minute an die Latte gelenkt, den Gästen wäre am Ende womöglich noch die Wende geglückt. Doch das wäre erstens eines guten Gastes nicht würdig gewesen. Und zweitens hätte selbst das die Schwächen nicht kaschieren können, die Löw nun als eine Arbeitsgrundlage für die kommenden Wochen und Monate der EM-Vorbereitung dienen dürften. Das 2:2 - Blaszczykowski per Foulelfmeter (91.) und Cacau (94.) trafen in der Nachspielzeit - war somit ein gutes Ergebnis für alle Beteiligten.

Polen: Szczesny, Wasilewski (72. Glik), Perquis, Glowacki, Wawrzyniak, Murawski, Dudka, Blaszczykowski (90.+4 Pawlowski), Mierzejewski (84. Rybus), Peszko (65. Matuschyk), Lewandowski (80. Brozek). Deutschland: Wiese, Träsch, Mertesacker, Boateng, Lahm (46. Schmelzer), Rolfes (77. L. Bender), Schürrle, Götze, T. Kroos, Podolski (60. Th. Müller), Klose (46. Cacau). Schiedsrichter: Orsato (Italien). Tore: 1:0 Lewandowski (55.), 1:1 Kroos (68./Foulelfmeter), 2:1 Blaszczykowski (90.+1/Foulelfmeter), 2:2 Cacau (90.+4). Zuschauer: 40 000. Gelb-Rote Karte: Glowacki (81./wiederholtes Foulspiel). Gelbe Karten: – / Kroos, Wiese.

Autor: René Kübler