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10. Oktober 2011
Vor dem Spiel ist nach dem Spiel
Deutsche Fußball-Nationalelf ist nach dem Sieg gegen die Türkei heiß auf die Partie gegen Belgien.
DÜSSELDORF/ISTANBUL (dpa). Langsam aber sicher kommen einem Joachim Löws Seriensieger spanisch vor. Und nach dem beachtlichen Qualitätsnachweis der jungen deutschen Spaßfußballer beim 3:1 (1:0) am Bosporus gegen desillusionierte Türken möchte der Bundestrainer der "klar besten Mannschaft der vergangenen Jahre" (Löw) schon einmal den inoffiziellen Titel des Qualifikations-Europameisters wegschnappen. "Wir werden kein Spiel abschenken. Wir wollen auch das zehnte Spiel gewinnen", verkündete Löw nach seinem 50. Sieg als Bundestrainer mit Blick auf das Heimspiel am Dienstag (19 Uhr/ZDF) gegen Belgien.
Löw lässt nicht locker – am Sonntagmorgen nahm er mit 21 Spielern inklusive Mesut Özil sowie den Nachrückern Toni Kroos und Ilkay Gündogan die Vorbereitung auf den Qualifikationsabschluss in Angriff. Miroslav Klose dürfte erneut ausfallen, der Torjäger fehlte wegen einer schweren Knieprellung beim Training unter dem geschlossenen Hallendach der Düsseldorfer Arena ebenso wie die angeschlagenen Bastian Schweinsteiger und Jerome Boateng. Mario Götze reiste ab, Löw gönnt dem Dortmunder eine Pause und hofft auf Özil, der wegen einer Achillessehnenreizung in Istanbul pausiert hatte. "Es sieht bei ihm viel, viel besser aus", berichtete Löws Assistent Hansi Flick.
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Im Fernduell der Belgier (15 Punkte) mit den Türken (14) um den zweiten Platz werde man als Gruppendominator auch den letzten Job in der Ausscheidungsrunde "absolut seriös" erledigen. Löw will Wechsel vornehmen, "aber nicht die gesamte Mannschaft austauschen".
Die Kampfansagen an Welt- und Europameister Spanien werden mit jedem Sieg forscher, zumal das DFB-Team in Istanbul selbst die Lücken von Spielmacher Özil, Torjäger Klose und Mittelfeld-Aufsteiger Kroos ohne Leistungseinbußen stopfen konnte. "Es ist klar, dass wir sehr nah dran und reif für den Titel sind", sagte Torhüter Manuel Neuer.
"Bei der EM wollen wir angreifen", äußerte Löw am Sonntag im Kölner Express. Man habe weiter aufgeholt zum Welt- und Europameister. Man könne Spanien – Endstation im EM-Finale 2008 und im WM-Halbfinale 2010 – nun schlagen, sagte der DFB-Chefcoach: "Im Moment haben wir die Qualität."
Neun Spiele, neun Siege – mit dieser Maximalausbeute kann in allen Qualifikationsgruppen allein Vizeweltmeister Niederlande Schritt halten, der am letzten Spieltag in Schweden bestehen muss. Auch die Spanier stehen mit sieben Siegen in ihrer kleineren Gruppe noch makellos da. Sie sind für Teammanager Oliver Bierhoff "immer noch das Maß aller Dinge". Der EM-Titel werde kein "Selbstläufer", warnte Bierhoff in der ARD und erklärte das Halbfinale zur Minimalvorgabe für das Turnier in Polen und der Ukraine: "Unter die ersten Vier zu kommen, das sollte auch das Ziel bei der Europameisterschaft sein." Die Titeljäger 2012 avancieren immerhin schon zu Rekordhaltern 2011. Das 3:1 war der zehnte Pflichtspielsieg in Serie – eine Bestmarke in der DFB-Länderspielhistorie. Gegen Belgien könnte noch die Qualifikationsbestmarke folgen. "Der Rekord ist schon sehr wichtig. Zehn Spiele, zehn Siege – das wollen wir vollmachen", sagte Neuer.
Der Torwart war der Hauptdarsteller beim Istanbuler Bayern-Abend. Sieben Münchner standen in der Startelf, vier trumpften besonders auf: Mario Gomez (35. Minute) ersetzte den verletzten Klose. Thomas Müller glänzte als Vorbereiter, traf zum 2:0 (66.) und holte den Elfmeter heraus, den Chefstratege Schweinsteiger (86.) verwandelte. Neuer glänzte nicht nur mit einer Weltklasseparade gegen Hamit Altintop beim Stand von 0:0. Bei den ersten zwei "überragenden Kontertoren" (Mario Götze) ersetzte der Torhüter mit einem präzisen Abwurf sowie einem langen Pass auch noch Özil als Spielmacher. "Das ist sein Spiel, das macht Manuel so wertvoll auch für die Offensive", schwärmte Löw.
Auch an Schweinsteiger verteilte er eine Bestnote für dessen "Dominanz und Hoheit" als Mittelfeldchef. Schweinsteiger trat am Sonntag als Bremser in der großen Euphorie auf: "Jeder denkt jetzt, wir gewinnen den Titel einfach so. Da warne ich!" Müller schließlich war zudem an allen vier Toren beteiligt – auch am Gegentreffer von Hakan Balta (79.). "Da war ich zu faul", sagte er selbstkritisch.
Autor: dpa
