Außenseiter, aber nicht chancenlos

Annemarie Zwick und Jürgen Ruoff

Von Annemarie Zwick & Jürgen Ruoff

Fr, 13. Oktober 2017

Verbandsliga Südbaden

Verbandsligist FC Neustadt hat am Sonntag den Tabellenzweiten Freiburger FC zu Gast / Torjäger Sam Samma wieder spielberechtigt.

FUSSBALL-VERBANDSLIGA. Die Rollen sind am Sonntag im Jahnstadion klar verteilt, wenn der Vorletzte FC Neustadt auf den Tabellenzweiten Freiburger FC trifft. Der FFC, Verbandsliga-Vizemeister des Vorjahres und in dieser Saison noch unbesiegt, ist der haushohe Favorit. Es ist allerdings auch ein Spiel, das den Blauen des FC Neustadt eine große Chance bietet: Ohne Druck gegen einen übermächtig erscheinenden Gegner anzutreten, und wenn am Ende wider Erwarten etwas Zählbares hängen bleiben sollte, kann das beim Außenseiter einen Energieschub auslösen. Den könnte das Neustädter Team bestens gebrauchen.

FC Neustadt – Freiburger FC (Sonntag, 15 Uhr). Benjamin Gallmann klingt besser und zuversichtlicher als zu Beginn der Woche, die Nachwirkungen der Niederlage in Kehl sind abgeklungen. Der Trainingsbesuch war nach Aussage des Neustädter Trainers "durchwachsen", Verletzungen, Krankheiten und Studium ließen die Gruppe der Übenden auf weniger als zehn schrumpfen. Benjamin Gallmann gibt sich dennoch kämpferisch: "Für den einen oder anderen Experten sind wir ja schon abgestiegen. Darin liegt unsere Motivation. Wir wollen wieder aufstehen. Wir wollen beweisen, dass wir ligatauglich sind." Für die Beweisführung könnte man sich eine leichtere Aufgabe als die gegen den FFC vorstellen, Gallmann kommt das Duell mit einer Spitzenmannschaft zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht mal ungelegen: "Gegen die Spitzenteams Linx, Lahr und Offenburg haben wir unsere besten Spiele gemacht, das muss also kein Nachteil sein."

Mit einem 5:5 im letzten Spiel der vergangenen Saison beim Freiburger FC hatte der FC Neustadt den Klassenerhalt klargemacht. Davon etwas für das sonntägliche Duell beider Teams abzuleiten, empfiehlt sich nicht. Denn damals ging es für den FC Neustadt um alles und für den FFC als Vizemeister um nichts mehr.

Zweimal hat Gallmann die Freiburger in dieser Saison beobachtet, er hält das Team für "die ideale Mischung aus erfahrenen Spielern und jungen, feinen Fußballern". Im Gesamtpaket ergebe das "eine enorme Qualität". In dieser Runde hat der Freiburger FC acht von zehn Spielen gewonnen und zweimal remis gespielt. Im Schnitt trifft die Mannschaft pro Spiel 4,2 Mal, kein Team ist offensivstärker.

"Die Aufgabe gegen den FFC ist extrem schwierig. Wir müssen einfach in kleinen Schritten denken und versuchen, die Abstände zu verringern", sagt Gallmann. Ralf Schubnell wird am Sonntag nicht zur Verfügung stehen. Wer für ihn auf der linken Seite verteidigt, ist noch unklar. Niklas Eckert ist eine Option, Josip Katava eine andere. Hinter Tobias Gutschers Einsatz steht ein Fragezeichen, da er krank ist. Mit Stefan Ketterer kann der Neustädter Coach planen, mit Sam Samma ebenso. Der Neustädter Torjäger ist nach zwei Spielen Rotsperre wieder einsatzberechtigt.

SV Stadelhofen – FC Bad Dürrheim (Samstag, 15 Uhr). Die Aufgabe in Stadelhofen wird für die Bad Dürrheimer "eher schwerer" als zuletzt das Heimspiel gegen Spitzenreiter Linx, schätzt FC-Trainer Reiner Scheu. Denn da konnte seine Mannschaft als krasser Außenseiter ohne Druck spielen, morgen dagegen geht’s gegen den punktgleichen Tabellennachbarn, der direkt hinter den Kurstädtern Viertletzter ist. "Beide auf einem Abstiegsplatz", merkt Scheu an.

"Unbeholfen und naiv,

es fehlt an Übersicht,

Routine und Cleverness".

Trainer Scheu über manche Spieler
Mit dem dritten Saisonsieg würde sein Team den Anschluss ans Mittelfeld wahren. Doch "das erste Ziel ist auf gleicher Höhe bleiben", so der Fußballlehrer. "Wir sollten nach wie vor kleine Brötchen backen und uns über jeden Punkt freuen." In der vergangenen Saison endeten beide Vergleiche mit dem damaligen Aufsteiger unentschieden. Für die beiden etwa gleich starken Mannschaften jeweils gerechte Ergebnisse, erinnert sich Scheu.

Einsatz und Leistung seiner Mannschaft gegen Linx fand er insgesamt okay, die zwei späten Gegentore zur 1:4-Niederlage seien allerdings unnötig gewesen. Ebenso wie das "Elfmeter-Geschenk" von Bärwald an der eigenen Strafraumgrenze: "Als Abwehrspieler macht man da kein Foul." Zuvor sei Bad Dürrheim sogar "nahe am 2:1" gewesen, doch wieder passierten entscheidende Fehler. "Unbeholfen und naiv" stellten sich manche Spieler mitunter an, "es fehlt an Übersicht, Routine und Cleverness". Das soll sich bessern, denn Spielführer Schaplewski und Fantov stehen morgen wieder zur Verfügung, ebenso Mladoniczky.