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04. Juni 2010 09:25 Uhr
Testspiel
Ein Sieg, der Mut macht: Deutschland gegen Bosnien 3:1
Die deutsche Fußball-Nationalelf hat im letzten Testspiel vor der WM zwei Gesichter gezeigt. Beim 3:1 (0:1) gegen Bosnien-Herzegowina bot steigerte sie sich nach der Pause deutlich.
Ob es auch die Mannschaft um den neuen Kapitän Philipp Lahm ist, sollte sich im letzten WM-Test zeigen. Löw hatte angekündigt, zumindest das Gerüst jener Elf aufzubieten, die am Sonntag in einer Woche die Auftaktpartie gegen Australien bestreiten soll.
Es wurde zunächst eine Enttäuschung. Das gesamte deutsche Team wirkte seltsam verunsichert. Weil der Gegner sehr kompakt agierte, den Deutschen kaum Freiräume ließ, waren die Gastgeber lange überfordert. Meist verloren sie den entscheidenden Zweikampf, hatten enorme Probleme, sich ihren Kontrahenten zu entziehen. Letztlich fehlte es aber auch an Mut und Präzision – allein Mertesacker produzierte beim Versuch des Eröffnungspasses zahlreiche Fehlpässe.
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Die Bosnier dagegen hatten einen Plan – und setzten diesen konsequent um. Aus einer sicheren Defensive wurde der Ball blitzschnell auf Dzeko und Ibisevic, die beiden Spitzen gespielt. Der Wolfsburger und der Hoffenheimer waren neben Misimovic und Salihovic (ebenfalls Wolfsburg und Hoffenheim) zwei von vier Bosniern, die in der Bundesliga tätig sind. Dort schossen sie in der abgelaufenen Saison zusammen 48 Tore, die gesamte deutsche Elf brachte es gerade Mal auf 29.
Und diese offensive Qualität machte sich bemerkbar. In der 15. Minute setzte sich Dzeko gegen den mehr als einen Kopf kleineren Lahm durch, der den Angreifer letztlich so unglücklich zu stören versuchte, dass der Ball über Torwart Manuel Neuer hinweg zum 1:0 für die Gäste im Tor landete (15.). Eine verdiente Führung, auch wenn Lukas Podolski in der 9. Minute die Latte getroffen hatte.
Dem Spiel der Löw-Elf fehlten Akteure wie Misimovic und Dzeko, die spielerische Lösung parat hatten und Akzente setzten. Schweinsteiger fiel als zentraler Dirigent kaum auf, Klose und Özil waren in vielen Phasen unsichtbar. Dass Deutschland dennoch zu weiteren Chancen kam, lag daran, dass die Bosnier beim Verschieben stets die ballabgewandet Seite frei ließen. Doch einmal verpasste Özil den Querpass zum freistehenden Podolski (22.), dann schob Khedira den Ball aus acht Metern am Tor vorbei (24.).
Es war dann Philipp Lahm, der das tat, was ein Kapitän tun muss. Er setzte nach der Pause früh ein Zeichen, indem er im Mittelfeld antrat und den Ball schließlich wuchtig zum 1:1 unter die Latte schoss (50.). Auch bedingt durch Löws Wechsel (Cacau für Klose, Müller für Trochowski) gewannen die Aktionen der Deutschen nun an Fahrt. Gleich nach Lahms Treffer knallte Özils Schuss an die Latte (52.). Cacau und Müller wirkten wie eine Frischzellenkur auf ihr Team, das nun deutlich weiter und energischer aus der eigenen Hälfte heraus- und nachrückte. Als dann der eingewechselte Marko Marin im Strafraum gefoult wurde (72.) und Bastian Schweinsteiger den Elfmeter verwandelte (74.), war die schwache erste Halbzeit endgültig vergessen. Und als Schweinsteiger (nach Foul an Müller) kurz darauf erneut vom Punkt traf (77.), passte auch das Ergebnis (3:1) endgültig zur formidablen WM-Stimmung im Stadion.
- Deutscher Gruppengegner: Serbien hinkt guter Form hinterher
Autor: René Kübler
