Fußball-WM

Ivan Rakitic – ein WM-Finalist aus Rheinfelden

Toni Nachbar

Von Toni Nachbar

So, 15. Juli 2018 um 16:10 Uhr

Fußball-WM

Der Sonntag Ivan Rakitic steht heute mit der Mannschaft von Kroatien im WM-Finale. Geboren wurde Rakitic aber nicht in Kroatien. Er ist auch kein Flüchtlingskind.

In der kroatischen Fußball-Nationalmannschaft genießt Ivan Rakitic eine Sonderstellung: Anders als das Gros seiner Mannschaftskollegen ist der 30-jährige Mittelfeldspieler nicht im Lande des WM-Finalisten geboren, der Blondschopf ist nicht einmal ein Flüchtlingskind.

Als Ivan Rakitic am 10. März 1988 zur Welt kam, lebten seine Eltern bereits im schweizerischen Rheinfelden. Beim FC Möhlin-Riburg unternahm er seine ersten fußballerischen Schritte, schon wenige Jahre später galt der Nachwuchsspieler des FC Basel als eines der größten Fußball-Talente der Schweiz.

Der langjährige eidgenössischen Junioren-Nationalspieler blieb allerdings von einer mittelmäßigen Karriere in der Schweizer "Nati" verschont, denn mit seinem Wechsel im Sommer 2007 zu Schalke 04 entschloss sich Rakitic, mit dem Schweizer Verband zu brechen und fortan für das kroatische Heimatland seiner Eltern zu spielen. Diese werden sich noch heute an die wüsten Beschimpfungen sowie an die Morddrohungen, denen ihr Sohn damals ausgesetzt war, ungern erinnern.

Als junger Spieler besaß Rakitic den Ruf eines "Paradiesvogels", nächtliche Eskapaden brachten ihm noch im Ruhrpott Disziplinarstrafen ein. Doch mit dem Wechsel zum FC Sevilla reifte er zu einem der besten Mittelfeldspieler Europas, der schon seit vier Jahren beim FC Barcelona sein Geld verdient.

Aus dem einstigen Schönspieler wurde ein fleißiger Mittelfeld-Dauerbrenner mit großen strategischen Fähigkeiten. Der Gewinn der Europa League mit den Andalusiern (2014) und der Champions League mit den Katalanen (2015) belohnten einen Spieler, der über das Talent zur Ernsthaftigkeit fand.

Die Unterdrückung des Hangs zu Allüren hat Ivan Rakitic auch befähigt, zum kongenialen Partner des besten kroatischen Fußballers, Luka Modric von Real Madrid, zu avancieren. Die großen Rivalen in der spanischen Liga gelten sogar als Freunde im kroatischen Mittelfeld, das heute seine allerschwerste Prüfung erlebt. TN