Barbara

Facebook hat "aus Versehen" Satire gelöscht – schon wieder

Konstantin Görlich

Von Konstantin Görlich

Mi, 17. Januar 2018 um 18:22 Uhr

Computer & Medien

Satire ist nicht immer leicht zu erkennen. Seit dem Jahreswechsel wird sie immer wieder fälschlicher Weise in sozialen Netzen gesperrt. Jetzt traf es die Street-Art-Künstlerin Barbara.

Mit mehr als 650 000 Followern auf Facebook und gut 323 000 auf Instagram ist Barbara wohl die berühmteste Street-Art-Künstlerin des Landes. Nun gehört sie auch zu den bekanntesten Leidtragenden der aktuellen Änderungen im Lösch- und Sperrverhalten großer sozialer Netzwerke in Deutschland.

Als Barbara sich am Sonntag aus einer etwas mehr als zweiwöchigen Auszeit zurückmeldete, musste sie zugleich verkünden: "In den letzten Wochen haben Facebook und Instagram zahlreiche Beiträge von mir gelöscht, weil sie angeblich gegen die Gemeinschaftsstandards verstoßen. Dabei wurde mir gedroht, dass mein Account gelöscht wird, wenn das nochmal passiert." Ein Zusammenhang mit dem sogenannten Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) bestehe zwar nicht, liege aber nahe. "Jedoch ist es zumindest so, dass das NetzDG den Druck auf die Plattformen erhöht hat und aus meiner Sicht jetzt lieber ein Beitrag zu viel als ein Beitrag zu wenig gelöscht wird", sagte Barbara auf BZ-Nachfrage.

Facebook: Es war ein Versehen

Zudem sei es bisher nie vorgekommen, das in einem so kurzen Zeitraum wie seit dem Jahreswechsel gleich mehrere Beiträge gesperrt worden waren. Die Bilder waren schnell wieder erreichbar. "Facebook hat sich bei mir mit der Begründung entschuldigt, es habe sich um ein Versehen gehandelt", so Barbara. Eine Facebook-Sprecherin bestätigte dies gegenüber der BZ.



"Ich muss mir jetzt gut überlegen, ob ich einen Beitrag poste." Barbara

Doch der Schock bleibt, und "an der Gesamtproblematik ändert sich dadurch natürlich nichts", schrieb Barbara am Mittwochnachmittag. "Ich sehe die Freiheit im Internet dadurch mehr als nur bedroht, sie wird aus meiner Sicht dadurch ruiniert", so Barbara in ihrer ersten Reaktion. "Wie soll Satire im Internet funktionieren, wenn die Satiriker dem Urteil von privaten Firmen ausgesetzt sind, die sich als Richter aufspielen? [...] Es beginnt schon mit der Zensur im Kopf. Ich muss mir jetzt gut überlegen, ob ich einen Beitrag poste oder nicht, denn die Gefahr, dass meine Seite komplett gelöscht wird, ist allgegenwärtig."

Die Schere im Kopf

Die Vermutung, dass diese "Schere im Kopf" derzeit in vielen Köpfen festsitzt, nicht nur in Barbaras, liegt nahe. Seit das NetzDG zum Jahreswechsel in Kraft trat, häufen sich prominente Beispiele, in denen offensichtlich nicht rechtswidrige Inhalte gesperrt worden waren. Die Moderatorin und Satirikerin Sophie Passmann gehörte dazu, das Satiremagazin Titanic, dessen Twitteraccount zeitweise komplett gesperrt war, ebenfalls. Dabei ist häufig das NetzDG nur mittelbar die Ursache – wie jetzt im Fall von Barbara.

"Hass ist krass. Liebe ist krasser." Barbara

Das Gesetz ist mit dem Kampf gegen Hasskriminalität im Internet begründet worden. Es regelt erstmals, wie die Betreiber sozialer Netzwerke im Falle strafbarer Inhalte – die auch bisher schon löschpflichtig waren – kurzfristig zu verfahren haben. Das Gesetz ist nach Meinung von Experten wahrscheinlich europarechtswidrig und schieße über das Ziel hinaus. Die Folge: Overblocking, gegen das das Gesetz keine Maßnahmen bereithält, wie IT-Rechtsanwalt Thomas Stadler kritisierte. Zudem sehe das Gesetz keine Rechtsbehelfsmöglichkeiten vor.

Barbara ist kein Künstlerkollektiv, sondern Medienberichten zufolge nach eigener Aussage "ein Mensch mit dem Namen Barbara" – und auf Anonymität bedacht. Ihre Klebekunst ist oft politsatirisch, gelegentlich nachdenklich und manchmal einfach liebevoller Quatsch. Sie textet Schilder um, kommentiert rechte Propaganda und agiert unter dem Motto "Hass ist krass. Liebe ist krasser."



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