VAG

Fahrgäste in Freiburg beschweren sich über zugeklebte Tramfenster

Moritz Ulrich

Von Moritz Ulrich

Sa, 04. August 2018 um 10:12 Uhr

Freiburg

Statt sich an der Schönheit der Stadt zu erfreuen, müssen viele Fahrgäste der Straßenbahnen in Freiburg auf die Rückseite von Werbung starren – einige stört das. Für die VAG sind die Beschwerden nichts neues.

Mehr als 80 Millionen Fahrgäste hat die Freiburger Verkehrs-AG (VAG) im vergangenen Jahr befördert. Dabei nutzen viele Bus und Bahn für den täglichen Weg zur Arbeit und wieder zurück. Mit der Straßenbahn abends durch Freiburg fahren, die Schönheit der Stadt vom Sitzplatz aus durchs Fenster genießen und das Flair der Innenstadt aus dem klimatisierten Tramwagen aufschnappen – was viele gerne tun würden, ist nur eingeschränkt möglich. Schuld daran: die Werbung.

Längst zieren Aufdrucke von Möbelhäusern, Baumärkten, Discountern oder Brauereien die Fenster der Straßenbahnen der VAG und beeinträchtigen die Sicht der Fahrgäste. Stellenweise so sehr, dass der Blick nach draußen nahezu unmöglich ist. "Zu Hauptverkehrszeiten hat man schon gar keine Möglichkeit, nach Sitzplätzen an nicht verklebten Fenstern zu suchen", beschwert sich eine Kundin und ergänzt: "Ich glaube kaum, dass Touristen glücklich sind, wenn sie nicht rausgucken können."

Werbung auf Freiburger Trams hat eine lange Tradition

Damit trifft die erboste Mitfahrerin einen Punkt, der auch viele andere Fahrgäste stört und bei nicht wenigen zu Kopfschütteln führt. Andreas Hildebrandt, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der VAG, kennt diese Beschwerden mittlerweile gut: "Das Thema ist Jahrzehnte alt und kommt immer wieder." Auch weil die Werbung auf Freiburgs Stadtbahnen eine lange Tradition hat.

Fast 100 Jahre ist es her, dass erstmals Reklame über die Freiburger Gleise rollte. Zunächst noch im Inneren der Bahnen, steigerte sich die Anzahl der Werbeflächen auf den Fahrzeugen der VAG rasch. Schnell wurde das Werbepotenzial der Trams erkannt und 1964 nahmen erstmals Bahnen Fahrt auf, die Reklame auch auf dem Bauch trugen. Und seit 2001 dürfen auch die Fenster als Werbeflächen genutzt und beklebt werden.

Maximal 25 Prozent der Fensterflächen dürfen beklebt sein

In welchem Ausmaß die Fensterscheiben bedeckt sein dürfen, ist von der VAG vorgegeben. "Wir haben die Regelung, dass maximal 25 Prozent der Fensterflächen mit Werbung beklebt sein dürfen. Außerdem muss dies mit einer Lochfolie geschehen", sagt Hildebrandt. Gerade bei den modernen Straßenbahnmodellen, den Urbos, komme man um die Beklebung der Fenster nicht herum, meint Hildebrandt: "Bei den modernen Fahrzeugen werden die Fensterflächen immer dominierender. Es ist dann schwierig, für die Werbetreibenden da noch irgendwie eine Gestaltung hinzubekommen."

Um die Werbung für die VAG kümmert sich die Firma Schiffmann Außenwerbung. Zusammen mit dem Unternehmen legt die VAG fest, mit welchen Werbungen die einzelnen Bahnen versehen werden und in welchem Umfang. Die werbetreibenden Firmen müssen der VAG einen genauen Entwurf vorlegen, wie ihre Reklame aussieht und welche Flächen beklebt werden sollen.

Sind 25 Prozent oder weniger der Fensterflächen davon betroffen, gibt es von der VAG keine Beanstandungen. Dabei spielt Werbung auf den Straßenbahnen für den städtischen Verkehrsbetrieb eine wichtige wirtschaftliche Rolle. "Durch die Reklame auf unseren Fahrzeugen nehmen wir jährlich einen hohen sechsstelligen Betrag ein", sagt Andreas Hildebrandt.

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