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09. Februar 2010 19:20 Uhr

Geistiges Eigentum

Fall Hegemann: Wie kommt man dem Ideenklau auf die Spur?

Im Internet sind Texte leicht verfügbar – und der Respekt vor dem geistigen Eigentum gering. Das zeigt der Fall der in Freiburg geborenen Autorin Helene Hegemann. Doch wie kann man dem Ideenklau auf die Schliche kommen?

  1. Wer schreibt von wem ab? Foto: Joeg Koch

Der Blogger Deef Pirmasens wirft der Freiburger Jungautorin Helene Hegemann vor, ganze Passagen ihres Buches "Axolotl Roadkill" aus einem anderen Roman geklaut zu haben. Dazu hat er ganze Passagen von "Roadkill" und "Strobo - Technoprosa aus dem Berghain" des Autors Airen miteinander verglichen. Und zahlreiche Übereinstimmungen gefunden.

In Zeiten des Internets ist es einfach per copy and paste, kopieren und einfügen, Textpassagen beliebiger Länge in das eigene Machwerk einzufügen – ohne Respekt vor geistigem Eigentum. Diesem Ideenklau sieht sich vor allem die akademische Welt immer wieder konfrontiert. Um den Plagiaten in Doktor- und Hausarbeiten auf die Spur zu kommen, nutzen viele deutsche Universitäten mittlerweile die Software Turn it in.

Teuer – aber lohnend

Die Universität Bielefeld war eine der ersten, die das Programm im Jahr 2003 einsetzte. Ziel war es, Plagiaten in Geistes- und Sozialwissenschaften auf die Spur zu kommen, da in diesen Disziplinen der Betrug stark verbreitet ist. Turn it in funktioniert recht einfach: Man gibt einen Text ein, von dem das Programm eine Art Fingerabdruck erstellt. Dieser wird online mit anderen Texten verglichen. Gibt es einen Treffer, ist der Volltex an der Reihe. "Die Erfahrungen sind bisher positiv", sagt Niels Christian Taubert von der Uni Bielefeld. Wie viele Plagiate damit aufgespürt würden, könne er aber nicht sagen.

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Nichtsdestotrotz lohne sich die Investition in die relativ teure Software. Eine Arbeitskraft an den Computer zu setzen und verdächtige Textpassagen über Suchmaschinen zu prüfen, sei teurer. Zum anderen habe schon die Ankündigung, dass die Universität das Programm verwende, bei Studenten abschreckend gewirkt.

Hilfe aus dem Netz

Das Internet selbst dient nicht nur als Quelle für den Textklau, sondern liefert auch die Instrumente, dem Diebstahl auf die Spur zu kommen. Der Plagiarism Checker der Universität von Maryland erlaubt die Eingabe längerer Textstellen. Allerdings sind die Ergebnisse in der frei zugänglichen Version mäßig. Erst für acht Dollar pro Monat verspricht der Anbieter höhere Präzision.

Bei Docoloc kann man ganze Dateien hochladen – doch dafür braucht es eine Lizenz. Die Kosten richten sich nach der Menge der zu überprüfenden Seiten. Für 264 Euro pro Jahr kann man maximal 5000 Dokumentseiten überprüfen lassen.

Ergebnis verfälscht

Copyscape hat sich auf Webseiten spezialisiert. Hier gibt man die URL der Seite ein und erhält Treffer für Übereinstimmungen. Das Ergebnis wird allerdings verfälscht, ist viel Werbung oder ähnliches auf der Seite.

Der Anbieter PlagAware spürt nicht nur Plagiate auf. Man kann auch die URL seiner Homepage eingeben und wird alarmiert, sobald der Inhalt an anderer Stelle im Netz auftaucht. Die monatlichen Kosten richten sich nach dem abonniertem Paket.

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Autor: Christoph Müller-Stoffels