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19. Juni 2014 12:22 Uhr

Müllheim/Neuenburg

Familie von Vergewaltigungsopfer tötet mutmaßlichen Täter

Eine junge Frau ist von einem Mann in Müllheim vergewaltigt worden. Der Täter ergriff die Flucht, wurde aber von Angehörigen des Opfers auf dem Pendlerparkplatz bei Neuenburg gestellt - und offenbar getötet.

  1. Eine junge Frau ist von einem Mann in Müllheim vergewaltigt worden. Der Täter ergriff die Flucht, wurde aber von Angehörigen des Opfers auf dem Pendlerparkplatz bei Neuenburg gestellt - und getötet. Foto: Dominic Rock

  2. Tatort: Der Pendlerparkplatz beim Grenzübergang in Neuenburg Foto: Polizei

Auf einem Pendlerparkplatz unmittelbar neben der Autobahnausfahrt Müllheim/Neuenburg wurde am Mittwoch gegen 18 Uhr ein Mann zu Tode geprügelt. Laut Polizeiangaben war das 27-jährige Opfer zur Fahndung ausgeschrieben: Der Mann soll eine Woche zuvor eine junge Frau vergewaltigt haben. Bei den Tatverdächtigen soll es sich um Angehörige und Freunde der jungen Frau handeln.

Am Mittwoch gingen bei der Polizei in Neuenburg sowie der Gendarmerie Mulhouse fast zeitgleich mehrere Alarmanrufe ein. Sowohl Passagiere eines Zuges, der unmittelbar neben dem Tatort vorbeifuhr, wie auch Autofahrer, die die Grenze nach Chalampé passierten, hatten die Prügelattacke gesehen und sie gemeldet. Als Erste waren französische Rettungskräfte und ein Notarzt vor Ort, der 27-Jährige konnte aber nicht mehr reanimiert werden und verstarb am Tatort.

Da es sich bei dem Getöteten um den gesuchten mutmaßlichen Vergewaltiger handelte, gegen den ein Haftbefehl vorlag, sowie aufgrund der Zeugenaussagen suchte die Polizei im Umfeld der Frau. Und noch am Abend wurden vier Männer festgenommen, zwei Angehörige des Vergewaltigungsopfers sowie zwei Bekannte. Sie wurden am Donnerstag verhört und dem Haftrichter vorgeführt.

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Racheakt oder eskalierter Streit?

Die Polizei geht davon aus, dass es sich um kein zufälliges Treffen auf dem Parkplatz gehandelt hat. Entsprechend versucht sie derzeit zu rekonstruieren, wie es zu dem Zusammentreffen auf dem Parkplatz an der Rheinbrücke kam. Wurde der gesuchte mutmaßliche Vergewaltiger auf den Parkplatz gelockt? Wie und von wem? Mit welcher Absicht? Geklärt werden muss, ob es sich von Anfang an um einen gezielten Racheakt mit Tötungsabsicht gehandelt hat oder ob ein Streit eskalierte. Die Vernehmungen liefen am Donnerstag den ganzen Tag.

Offen blieb am Donnerstag, weshalb die Polizei nicht öffentlich nach dem 27-Jährigen gefahndet hat, der die Frau bereits am 12. Juni vergewaltigt haben soll. Die Tat wurde jedenfalls eine Woche lang nicht publik gemacht. Nach Polizeiangaben habe man dies nicht für erforderlich gehalten, denn der Tatverdächtige sei namentlich bekannt gewesen und man habe mit einem raschen Fahndungserfolg gerechnet.

Vor allem sollte vermieden werden, dass über die öffentliche Fahndung Rückschlüsse auf das Opfer möglich seien, denn die Frau und der Mann kannten sich. Sowohl die junge Frau, über deren Alter die Polizei ebenfalls keine Angaben macht, wie auch der 27-Jährige leben beziehungsweise lebten mit ihren Familien im Raum Müllheim. Beide Familien stammen aus dem arabischen Raum.

Am Freitag Vormittag will die Polizei eine Pressekonferenz geben. Dort soll das Obduktionsergebnis vorgestellt werden. Außerdem wollen Polizei und Staatsanwaltschaft über die Hintergründe der Tat vom Mittwochabend sprechen und mehr zur Identität der Beteiligten sagen. Die Badische Zeitung wird weiter berichten.

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Autor: Joachim Röderer, Alexandra Sillgitt, Franz Schmider, BZ aktualisiert am Freitag um 8:15 Uhr