Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

06. Juni 2013

Fantasiebeflügelnde Werke aus Fundstücken

NEUE AUSSTELLUNG: Dorothea Panhuyzen verwendet unter anderem benutzte Stoffe / Vom 9. Juni bis 14. Juli im Georg-Scholz-Haus.

WALDKIRCH. Am Sonntag, 9. Juni, wird um 11 Uhr im Georg-Scholz-Haus die Ausstellung "Wachgeküsst!" mit Werken von Dorothea Panhuyzen eröffnet. Panhuyzen arbeitet bevorzugt mit Fundstücken, sogenanntem "Strandgut der Zivilisation", die sie wieder zu Leben erweckt und weiterverarbeitet. Die Ausstellung kann bis 14. Juli besichtigt werden.

Panhuyzen zeigt in ihrer Ausstellung einen Querschnitt ihres bisherigen Schaffens. "Ich arbeite viel mit Textilien, alten gelebten Textilien, und Fundstücken", teilt Panhuyzen mit, der Titel der Ausstellung "Wachgeküsst!" bedeute, "Altes finden und zum Leben erwecken". Bei den meisten ausgestellten Werken spielen Textilien eine zentrale Rolle, wie alte Suzani-Stickarbeiten aus Turkestan, Polsterstoffe, bestickte Gazestoffe und vieles mehr. Das wichtigste Merkmal der Stoffe ist, dass sie alt und gebraucht sind, so dass sie durch die Gebrauchsspuren von einem bewegten Leben erzählen. "Es braucht Mut, diese Textilien zu verändern." Manchmal bildet der Stoff den Untergrund eines Bildes, bei dem in vielen Arbeitsschritten und Schichten die Oberflächenbeschaffenheit verändert wird, teilweise bis die Oberfläche beim Berühren ein ledernes Gefühl vermittelt. Manchmal verwendet sie erhabene Stickarbeiten wie einen Druckstock, mit dem sie frisch aufgetragener Farbe eine Struktur aufprägt. Oft arbeitet sie aber auch mit dem Stilmittel der Collage. Aufgemalte Wörter oder kurze Sätze, Zeichen oder Zahlen haben keinen Sinn und dienen nur der Vervollständigung des Werkes. In ausgereizter Form ist die Collage-Technik bei "Die Hochzeitskutsche" zu bewundern. Die Hochzeitskutsche imponiert wie ein überwuchertes Märchenschloss, bei dem der Betrachter sich selbst eine Geschichte dazu ersinnen kann. "Das Verrätselte ist mir bei meinen Kunstwerken sehr wichtig", erklärt Panhuyzen, die Werke sollen beim Betrachter die Fantasie beflügeln. Immer soll der Zeitgeist des Ausgangsmaterial in die heutige Zeit transportiert werden. "Deja vu"-Erlebnisse sind gewollt. Ein Hilfsmittel, mit dem Panhuyzen gern arbeitet, sind Strukturwalzen, die früher Maler verwendet haben, um Bordüren auf Wände aufzutragen. "Oberflächen so herzustellen, dass sie morbide aussehen, ist schwer", erklärt sie, "es ist eine meiner handwerklichen Beschäftigungen."

Werbung


Aber auch bei den Objekten arbeitet die Künstlerin vorwiegend mit Fundstücken. Ein alter Biergartenstuhl wird mit dem Polster eines Fußschemels kombiniert oder mit Hilfe einer chinesischen Schnitzerei oder Rosenstoff der Dornröschen-Mythos aufgearbeitet. Bei "Broken spirits" wurden zahlreiche kleine Porzellanpüppchen verarbeitet, mit denen früher Mädchen spielten. Keines der Porzellanpüppchen ist unversehrt. "Broken spirits" bezieht sich auf verletzte Kindheitserinnerungen. Ein Alptraum aus Erinnerungen, erklärt Panhuyzen.

Bei ihren neueren Werken spielt Panhuyzen mit Spiegeln. Manchmal kombiniert sie Spiegelobjekte mit Wackelaugen, die zu blinzeln scheinen, denn der Betrachter seinen Kopf bewegt. Wie bei den Werken zum Thema Textil fehlt auch bei diesen Objekten der tiefe Sinn. Dem Betrachter ist es freigestellt, sich seine eigenen Gedanken zum Bild oder Objekt zu machen und sich eine Geschichte dazu zu überlegen.

Info: Ausstellung "Wachgeküsst!" von Dorothea Panhuyzen im Georg-Scholz-Haus in Waldkirch, Merklinstraße 19. Vernissage ist am Sonntag, 9. Juni, um 11 Uhr. Die Schreibnacht zur Ausstellung findet am 21. Juni um 20 Uhr statt. Am 22. Juni um 20 Uhr tritt das Clowntheater "Jojo" auf. Das Filosofische Forum beginnt am 28. Juni um 20 Uhr. Finissage ist am 14. Juli um 11 Uhr. Das Georg-Scholz-Haus ist donnerstags, freitags und samstags von 15 bis 18 Uhr geöffnet sowie sonn- und feiertags von 10 bis 13 Uhr.

Autor: zg