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09. November 2015

Farbenfrohe Darstellung der Natur

Die Wanderausstellung "Im Rahmen des Möglichen" zeigt im Café Ell Bilder der 17-jährigen Lucy Hoffmann, die mit dem Mund malt.

  1. Ein Besucherin der Vernissage unterhält sich mit der jungen Künstlerin (Bild links). Neben den Originalen hängen im Café Ell auch Reproduktionen, die Kunstfreunde erwerben können. Foto: Cornelia Liebwein

  2. Foto: Cornelia Liebwein

ST. BLASIEN. Die Diagnose ist niederschmetternd: Muskelatrophie. Sie bedeutet für die jetzt 17-Jährige Lucy Hoffmann aus München eine Krankheit, die ihr Leben bedroht und die Hospiz-Dienste zu ihrem normalen Lebensalltag macht – nicht aber, dass sie ihre Liebe zur Malerei vernichtet. Am Samstagabend, bei der Eröffnung der Ausstellung "Im Rahmen des Möglichen" im Café Ell, erregen ihre Bilder viel Aufsehen, nicht nur deswegen, weil sie durch die Pinselführung ihres Mundes und die Bewegung ihres Kopfes geschaffen wurden.

Als der Botschafter des Bundesverband Kinderhospiz, Lutz Franz, von Lucy Hoffmann und ihrem Talent erfährt, entschließt er sich, die Gemälde auch der kunstinteressierten Domstadt zu zeigen. Tatsächlich fasziniert bei der Vernissage die Klarheit der Werke ringsum an den Wänden des Café Ell die große Schar an anwesenden Gästen. Neben den Originalen hängen zum Teil auch Reproduktionen auf Leinwänden, mit denen Franz es Kunstfreunden ermöglicht, auch Werke aus der Ausstellung zu erwerben.

Die Natur inspiriert Lucy Hoffmann zu ihren Bildern

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Im Beisein des Caféhausbesitzers Clemens Huber, der Geschäftsführerin des Bundesverband Kinderhospiz, Sabine Kraft, des Bürgermeisterstellvertreters Thomas Mutter, des künstlerischen Leiters des St. Blasier Bildhauersymposiums, Sharima Fritz Will, und der Stadträtin Elisabeth Kaiser wird die Ausstellung eröffnnet. Lutz Franz macht an diesem Abend darauf aufmerksam: "Die als Wanderausstellung von der Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München (AKM) konzipierte Bilderschau wurde seit Juni bereits in verschiedenen Einrichtungen in München und Umgebung gezeigt. Nachdem der Bundesverband Kinderhospiz, dessen Mitglied das AKM ist, sie hierher geholt hat, möchte er damit auf die wichtige Arbeit der stationären und ambulanten Kinderhospize und ihrem Bundesverband in Deutschland hinweisen".

Lucy Hoffmann kann weder Arme noch Beine bewegen und ist auf einen Rollstuhl angewiesen. Eine Trachealkanüle und das Beisein ihrer Familie erleichtern ihr den Alltag. Gleichzeitig spürt die Gesellschaft während dieser Stunden eine tröstende Ruhe und innere Kraft, ausgehend von ihr und ihren 20 Gemälden. Es ist die Natur, die für die bezaubernde Malerin die Quelle für die landschaftliche Architektur ist, die sie mit stolzen Tieren wie Giraffen, Delphinen oder Blumen verbindet. Die Hymnen an die Macht der Farben sind zur gleichen Zeit ihre Liebeserklärung an diese Wesen, die sie im Kosmos ihrer Bildgebungen aufnimmt. Gerne taucht die junge Frau mit Acrylfarben und Buntstiften in jene Welt ein und lässt sie dabei Strich für Strich durch kreisende Kopfbewegungen auf dem Papier entstehen.

Einen wundervollen Einstieg zu diesen Schätzen findet Clemens Huber bei seiner Begrüßung: In mehr als 20 Jahren Ausstellungen in seinem Haus sei zum ersten Mal eine Künstlerin dabei, die die Bilder mit dem Mund gemalt hat.

Schnell steigt Lucy Hoffmann in diesen Stunden zur Königin der Herzen auf. Überhaupt ist es ein Tag, der für die gesamte Familie viele kostbaren Facetten bereithält, zu der die Sonderführung am Morgen mit Domführer Thomas Mutter durch das große, imposante Gotteshaus und eine musikalische Vorstellung der Orgel durch Professor Bernhard Marx gehören. "Du musst ein wunderbar großes und weites Herz haben, wenn man so viel Liebe in die Bilder hinein gibt, die du uns heute präsentierst", sagt Thomas Mutter dann während der Feierstunde im Café Ell.

Ein kräftiges Signal sendet auch der Künstler Sharima Fritz Will in seiner Laudatio. Er spricht in Augenhöhe zu Lucy Hoffmann und hebt dabei respektvoll den für ihn typischen Hut vom Kopf. "Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes Kollegen. Kurz bevor du deine Bilder hast aufhängen lassen, habe ich meine eigenen hier abgehängt". Die Familie Huber organisiere so etwas mit viel Liebe und Aufmerksamkeit, versichert er ihr dabei. Immer wieder verbinden die miteinander korrespondierenden Querflöte und Klarinette der Musikerinnen Steffi Kaiser und Hanna Kaiser die Reden.

Info: Die Ausstellung ist bis Dienstag, 17. November, im Café Ell zu sehen.

Autor: Cornelia Liebwein