Farbige Flächen regen die Fantasie an

Eberhard Weiß

Von Eberhard Weiß

Fr, 17. September 2010

Waldkirch

Hans Nopper zeigt im Waldkircher Georg-Scholz-Haus seine Sichtweisen / Bildnerisch gestaltete Landschaften.

WALDKIRCH. "In einer Zeit, in deren Vorfeld scheinbar schon alle gangbaren Wege und Variationen der Ausdeutung und Gestaltung zu dem traditionsreichen Thema "Landschaft" bildnerisch geäußert worden sind, greift Hans Nopper dieses Sujet immer wieder auf und interpretiert es neu. Jetzt sind einige seiner abstrakten Landschaften im Georg-Scholz-Haus zu sehen.

Andrea Nisters, Kunsthistorikerin aus Speyer, führte in die Ausstellung – eine Kooperation der Stadt mit dem Kunstforum Waldkirch – ein. Sie kennt Hans Nopper, den gebürtigen Kollnauer, seit vielen Jahren. Sie weiß um seine künstlerische Entwicklung und sie vermag diese an diesem Vormittag so auszudeuten, dass die vielen Besucher danach in der Lage sind, in die "Weite und Tiefe der geheimnisvollen Landschaften" vorzudringen.

Hans Noppers Arbeitsgrundlage, um "Malerei zu erschaffen" beruht auf seiner Beobachtungsgabe, dem Registrieren von Wesentlichem. Seine Gemälde sind keine spontane Reaktion auf ein unmittelbar einwirkendes Erlebnis, sie entstehen in einem gewissen zeitlichen Abstand, in bewusster Reflexion. Erst dann bekommen sie laut dem Künstler selbst eine einzigartige Qualität.

So geschieht es in seinen Werken nicht selten, dass auch Erinnerungen an seine Kindheit in seiner Schwarzwälder Heimat aufleuchten oder er Eindrücke von Reisen oder Adaptionen aus der Betrachtung älterer oder auch jüngerer Malerei aufnehme, verfüge er doch über ein fundiertes kunsthistorisches Wissen.

Und immer, so Andrea Nisters, gelange Hans Nopper zu einer eigenen Definition der in einer Region innewohnenden Vorstellungskraft. Er nehme Charaktere heraus und gelange so zu einer eigenen Definition des Begriffs des Erhabenen und des Schönen im landschaftlichen Raum. "Dem Betrachter", so schrieb Oberbürgermeister Richard Leibinger, auf dessen Einladung Hans Nopper nach 16 Jahren wieder hier ausstellte, "erschließen sich diese Landschaften nicht auf den ersten Blick. Vielleicht sieht er nur eine farbige Fläche, vielleicht eine Malwiese, die ihn an Corinth oder Kirchner erinnere. Aber wenn der Betrachter sich nicht ungeduldig abwende, könne sein Blick allmählich aus der zweidimensionalen Fläche vorstoßen in die Weite und Tiefe und jene geheimnisvolle Landschaft erreichen, die der Maler auf die Leinwand brachte. Als "Türöffner" – Schlüssel für den Beschauer – könnten dabei die Bildtitel dienen, sie könnten aber auch zur Vermeidung ungewollter Interpretationen behilflich sein.

"Hans Noppers bildnerische Sprache", so sagte Andrea Nisters, "vereint in sich sowohl ruhige, introvertierte, rational gebändigte Elemente, als auch extrovertierte, expressiv-dramatische Bestandteile". Sein Verzicht auf fertige Ausformulierung, ohne jede Andeutung von Abbild, gewähre Freiheit in der eigenen Wahrnehmung, Erfassung und Auslegung. Hans Nopper entwickelte im Laufe seiner künstlerischen Schaffens eine ihm eigene Formensprache und eigene Inhalte, unverkennbares Element seiner Arbeit.