Farblose Figuren in der Bilderflut

Martin Schwickert

Von Martin Schwickert

Do, 13. Dezember 2018

Kino

FANTASY: "Mortal Engines – Krieg der Städte".

Man schreibt ungefähr das Jahr 1000 nach der Apokalypse. Die Menschheit hat sich im sogenannten 60-Minuten-Krieg fast selbst ausgelöscht. Die Verbliebenen üben sich im darwinistischen Überlebenskampf und haben ihre Städte zu rollenden Panzer-Festungen ausgebaut.

Als Christian Rivers "Mortal Engines – Krieg der Städte" beginnt, macht London gerade Jagd auf ein kleines Schürfer-Städtchen. "Bereit machen zum Verschlingen" lautet der Befehl von der Brücke, und die harpunierte Ortschaft wird samt Bewohnern in den sich öffnenden Bauch der mobilen Metropole gezogen. Da haben wir jetzt doch ein bisschen gestaunt, obwohl es uns nicht wundern sollte. Denn "Krieg der Städte" ist eine Produktion von Peter Jackson und seinen Pixel-Freaks, die mit "Herr der Ringe" und "Hobbit" der digitalen Großmannssucht gefrönt haben.

Unter den verschlungenen Beutemenschen ist auch die junge Hester Shaw (Hera Hilmar), die den einflussreichen Ingenieur Thaddeus Valentine (Hugo Weaving) umbringen möchte, welcher seinerseits ihre Mutter ermordet hat. Schon bald stellt sich wenig überraschend heraus, dass der Schurke aus den Vernichtungswaffen des letzten Jahrtausends an einer riesigen Quantenkanone baut.

Ähnlich wie das alles verschlingende Stadtmonster im Film plündert sich Rivers durch die einschlägige Genregeschichte, um am Schluss ganz auf "Star Wars"-Modus umzuschalten. Dabei bleiben die Charaktere derart farblos, dass man sich für die geplanten drei Sequels Namensschilder mit einem kleinen Persönlichkeitsprofil wünschen würde. Ähnlich wie in den "Hobbit"-Filmen ist alle kreative Energie in die digitale Bilderflut geflossen. Tatsächlich sehen das rollende London, der Luftstützpunkt der Rebellen über den Wolken und das bunte asiatische Metropolis fantastisch aus. Aber die totale ästhetische Überfrachtung führt dazu, dass man sich bald wie in einem All-You-Can-Eat-Restaurant fühlt, in dem man zu viel isst, ohne wirklich genießen zu können. (Läuft im gesamten Verbreitungsgebiet, ab 16)