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03. Februar 2012

"Sanftmütiger als andere Wolfsrudel"

BZ-INTERVIEW mit Thomas Klein, dem Oberzunftmeister der Wölfe aus Ettenheimweiler.

  1. Thomas Klein Foto: Privat

ETTENHEIM-ETTENHEIMWEILER. Drei Mal "Wielermer Welf" lautet der Schlachtrufe der Wölfe aus Ettenheimweiler, die am kommenden Wochenende ihr 33-jähriges Bestehen mit gleich zwei Umzügen feiern. Warum dies für Thomas Klein (40 Jahre), der seit 2002 Oberzunftmeister ist, eine Herausforderung bedeutet, und warum man keine Angst haben, muss von einem Wolf aus Ettenheimweiler gefressen zu werden, sagte er der BZ-Mitarbeiterin Irene Bär.

BZ: Das Jubiläum feiern Sie mit zwei Umzügen am kommenden Wochenende. Sie selbst sagen, es ist eine Herausforderung. Warum?
Klein: Es werden an beiden Tagen sehr viele Besucher und Umzugsteilnehmer kommen, was unheimlich viel für ein kleines Dorf mit 550 Einwohnern ist. Es ist vor allem von der Logistik her ein großer Aufwand. So müssen zum Beispiel genügend Parkplätze bereitgestellt werden, und die Leute wollen mit Essen und Getränken versorgt sein.
BZ: Wie steht die Bevölkerung zu all dem Trubel?
Klein: Gott sei Dank zieht die Bevölkerung mit, viele bauen in ihrem Hof oder in ihrer Garage einen eigenen Stand. Sehr viele haben ihre Häuser und Höfe fasnachtlich geschmückt.

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BZ: Das Wolfsrudel zählt 207 Mitglieder. Wie gut oder schlecht ist es um den Nachwuchs bestellt?
Klein: Wir haben keine Nachwuchssorgen. Ein Drittel unserer Mitglieder sind Kinder. Ein weiteres Drittel ist im Alter zwischen 18 und 35 Jahren, ein gutes Drittel ist 35 Jahre und älter.
BZ: Woran liegt's, dass die Wölfe genug Welpen haben?
Klein: Wir haben 2008 mit den maskenlosen Dümedal-Gumsle und den Dümedal-Bammert eine neue Gruppe gegründet, mit denen wir mehr Mamas und Papas bekommen haben. Sie und ältere Leute wollten nicht mehr mit Masken bei den Umzügen laufen, weil sie die Sicht behindern, was natürlich beim Beaufsichtigen der Kinder sehr stört.
BZ: Die Hästrägergruppe der Wölfe wurde um das Symbol der Wielermer gegründet. Warum ist ausgerechnet ein Wolf Symbol?
Klein: Eine Erklärung, die uns ein Historiker auf Anfrage nannte, könnte sein, dass in einem so kleinen Ort wie Ettenheimweiler früher vor allem die ärmeren Leute lebten. Sie nannte man die "hungrigen Wölfe". Ob das jetzt hundertprozentig stimmt, weiß ich nicht, es ist die wahrscheinlichste Erklärung.
BZ: Man muss jetzt aber keine Angst haben, vom Wolf gefressen zu werden?
Klein (lacht): Nein, sicher nicht. Außerdem legen wir großen Wert auf Kinder- und Familienfreundlichkeit. Von der Gestaltung der Maske und vom Benehmen her sind wir Ettenheimweiler Wölfe sehr viel sanftmütiger als andere Wolfsrudel.
BZ: Apropos Kostüm. Wo werden Häs und Maske gefertigt?
Klein: Das Häs wird bei uns in den eigenen Reihen genäht. Die Masken stellt ein Maskenschnitzer aus dem Kinzigtal her.
BZ: Wie viel kostet ein Holzmaske?
Klein: Um die 220 Euro.
BZ: Das ist ein stolzer Preis.
Klein: Ja, gerade für Kinder und Jugendliche ist es teuer. Deswegen haben für den Nachwuchs Masken aus Kautschuk fertigen lassen. Die sind preiswerter und viel leichter als die schweren Holzmasken.
BZ: Die Holzmasken werden aber nicht ersetzt?
Klein: Um Himmels willen, nein. Die Holzmaske bleibt für jedes Mitglied von 18 Jahren an weiter verbindlich vorgeschrieben.

Jubiläum: Am Freitag, 3. Februar, ab 19.11 Uhr findet ein Nachtumzug statt, anschließend wird weiter im Narrendorf gefeiert. Am Sonntag, 5. Februar, geht es zunächst mit einem Festgottesdienst um 10.33 Ihr weiter. Mehr als 1000 Hästräger werden zum Jubiläumsumzug erwartet, er beginnt um 14.11 Uhr. Die Umzugsstrecke führt vom Margarten durch die Dorfstraße, das Bienenfeld, die Heilbad- und Sportplatzstraße zum Narrendorf.

Autor: ib