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06. Februar 2012
Sarah alleine unter Männern
Die charmante Niederschopfheimerin ist neue Marketenderin bei der Ranzengarde.
OFFENBURG (hrö). Der blaue Ranzengardist ist, neben dem schwarzen Domino, die wohl älteste Offenburger Narrenfigur. Sie zählt bis heute zu den Farbtupfern der Althistorischen Narrenzunft Offenburg. Horst Junker, der frühere langjährige Zunftmeister, hat in seiner Narrenchronik das Jahr 1844 zum Gründungsjahr der Althistorischen Narrenzunft erkoren: Die Schöpfer des "Narrenstaats vom Kinzig-angel" hätten die Ranzengarde in jenem Jahr als Teil des Maskenzugs bezeichnet. "Den Namen", schreibt Junker, "verdankt sie dem badischen ,Ranzen’, dem bequem angesetzten Bauch."
Seit Jahrzehnten zeichnet die Ranzengarde ein ganz besonderes Merkmal aus: Unter lauter Männern ist stets immer nur ein weibliches Wesen zu finden: die (ledige!) Marketenderin. Ihr – in Anlehnung an den früheren militärischen Auftrag der Truppe – ureigenster (symbolischer) Job: diese bei Laune zu halten, ein ordentliches Essen zuzubereiten, einen guten Schluck auf den Tisch zu stellen und alle möglichen Wehwehchen zu verarzten. Zuletzt bekleidete das Amt Christiane Huber. Sie legte es vor gut einem Jahr aus persönlichen Gründen nieder.
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Bei der Fasent 2011 war das Amt verwaist. Jetzt ist es wieder besetzt. Dafür nahm die Garde auch gerne in Kauf, dass die neue Marketenderin keine Offenburgerin ist, sondern eine waschechte Niederschopfheimerin: Beim Narrentag feierte Sarah Kelsch im bunten blau-weißen Pulk Premiere. Zum Job kam sie wie die Jungfrau zum Kind. Närrischen Ereignissen durchaus aufgeschlossen, gehörte sie bis vor wenigen Wochen indes nie einer Zunft an. Doch mit Thomas Simon wurde unlängst der Onkel ihres Freundes Julian – alle ebenfalls im Hohberger Ortsteil zu Hause – neuer Hauptmann der Ranzengarde. Auch dieses Amt war eine Saison lang verwaist, nachdem Christoph Hartwig schon bald nach der Fasentkampagne 2010 nicht mehr zur Verfügung stand. Simon und Hartwig jedenfalls wird für immer eine gute Tat verbinden: Zum "Einstand" stifteten sie der Ranzengarde einen Traktor der Marke "Eicher", Baujahr 1963. Das gute Ding zieht heute noch die berühmte Gulaschkanone, in der auch am Samstag die angeblich beste Bohnesupp’ der Welt angerührt wurde.
Jetzt also Sarah, deren Eltern ebenfalls keine Offenburger sind: Vater aus Potsdam, Mutter aus Urloffen. Geschwister hat sie keine: "Ich bin", lacht sie verschmitzt, "ein verwöhntes Einzelkind."
Die 29-Jährige besuchte nach der Grundschule das Klostergymnasium in Offenburg, wo sie 2001 Abitur machte. Bis 2004 absolvierte sie an der Berufsakademie in Villingen-Schwenningen ein Studium zur Wirtschaftsinformatikerin, mit Abschluss Bachelor. Ihr Ausbildungsbetrieb war die Sparkasse Offenburg/Ortenau. Die vergangenen fünf Jahre war Sarah Kelsch bei Burda tätig, nun wechselt sie in die EDV-Abteilung von Edeka Südwest in Offenburg. Privat spielt sie Tennis, läuft Ski und liest ebenso gerne Krimis – "je blutiger, desto besser".
Geködert hat sie Thomas Simon auch mit der Ankündigung, dass die Aufgaben sehr übersichtlich sind: "Er sagte mal was von sechs bis acht Auftritten im Jahr. Jetzt aber wird die Liste immer länger." Dass vor ihr eine andere junge Dame zugesagt hatte, aber wieder absagte, stört sie nicht: "Ich denke, ich bin eine gute zweite Wahl." Freund Julian scheint Sarahs Beitritt großzügig mitzutragen: "Wenn er will, dass ich nicht mehr mitmache, muss er mich halt heiraten."
Autor: hrö
