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04. Februar 2012

Stadt und Land närrisch vereint

Offenburger Innenstadt ist heute Kulisse für den 34. Narrentag.

  1. Der Hexenbesen wurde am Donnerstagabend gestellt – der Narrentag kann kommen. Foto: Helmut Seller

OFFENBURG. Der Narrenbaum steht, der Narrentag kann kommen: Die spannendste Frage heute dürfte sein: Wer ist wirklich ein Narr und lässt sich auch von ein paar Minusgraden nicht vom Hobby abbringen? Das Narrendorf ist jedenfalls von 10 bis 16 Uhr geöffnet, das Programm wie die Jahre zuvor gewohnt hochwertig, mit Rathaussturm, Hängen und Fleddern und dem großen Umzug um 14 Uhr.

Wenn schon kalt, wie angekündigt, dann sollte es heute wenigstens trocken bleiben und kein rauer Kinzigtäler durch die Gassen pfeifen. Sonst droht dem Narrentag eine gähnende Leere. Was doch wirklich keiner will. Erst recht nicht Hugo Haag, der städtische Zeremonienmeister, der heute zum allerletzten Mal in seinem Berufsleben mit dem Narrentag zu tun haben wird: Lediglich bei der Premiere 1978 war er nicht dabei – ansonsten bei allen anderen Auflagen. Haag wird also heute seine Nummer 33 bestreiten. Die 34 hat ihm 1991 der Golfkrieg verwehrt. Der hat auch Jess Haberer um eine noch höhere Zahl betrogen: Der vielleicht bekannteste Offenburger hält dem Narrentag beinahe genauso lange die Treue wie Haag, genau seit 1982. Der Tausendsassa, der gefühlt seit Jahrhunderten im Gemeinderat sitzt und sogar seit Jahrtausenden den Pfadfindern und Stadtkapellenmusikern vorsteht, der um Weihnachten auch dem örtlichen Circus seine Stimme lieh, wird heute zum sage und schreibe dreißigsten Male vom Rathausbalkon herab den Narrentag moderieren. Wie sich die Zeiten geändert haben. 1978, sagte er mal, "waren erst zwölf Zünfte dabei". Längst sind es weit über 30. Die meisten aus der Stadt. Stets sind auch Gastzünfte dabei, etwa die Winschlotzer und Burgunderhexen aus Durbach.

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Dass es den Narrentag überhaupt gibt, weiß Haberer nur zu gut, sei Ende der 70-er Jahre ein "Riesenexperiment" gewesen, das der damalige Bürgermeister Hansjörg Englert zusammen mit dem damaligen Leiter des Kultur- und Verkehrsamtes, Helmut Honold, ins Leben gerufen hat. Das Experiment war: den Bewohnern der Kernstadt zu zeigen, was es für tolle Ortsteilzünfte gibt – und umgekehrt. Erst wenige Jahre zuvor, im zeitlichen Umfeld der Kommunalreform, war aus zwölf ehemals selbständigen Gemeinden die neue zwölfteilige Stadt Offenburg gegründet worden. Der Narrentag, so Haberer, "war gleich eine tolle Zusammenführung, sozusagen das ,Offenburger Modell’ auf die Fasent übertragen".

Der 64-Jährige – vor fünf Jahren von Oberbürgermeisterin Edith Schreiner zum "Ehrenmoderator auf Lebenszeit" ernannt, freut sich heute wie damals auf seinen bescheidenen, aber schmackhaften Moderatorenlohn: eine heiße Nudelsuppe "mit Fleischbolle", spendiert von seiner Mutti aus der Schlossergass’.

Die Suppe wird dem Moderator auf dem zugigen Rathausbalkon bei vorhergesagten Minustemperaturen gut tun. Damit er auch viel zu moderieren hat, wenn die Zünfte und die Kindergruppen beim Umzug vorbeidefilieren, haben Hugo Haag und sein Team ein Aufwärmprogramm vorbereitet. Auf dem Schulhof der Georg-Monsch-Schule, wo die Kinder auf den Start des Umzugs warten, werden heiße Getränke verteilt, und auch das Schulhaus steht zum Aufwärmen offen.

34. Offenburger Narrentag

10 Uhr: Öffnung des Narrendorfes

10.30 Uhr: Einzug der Narren

11.11 Uhr: Sturm aufs Rathaus

11.30 Uhr: Die Bohlsbacher Krabbenaze hängen und fleddern einen Prominenten (Wetten, dass es Baubürgermeister Oliver Martini ist...?! Anm. d. Red.)

12.15 Uhr: Musik und Unterhaltung mit den Schrottpäperern

13 Uhr: Scheeserennen, veranstaltet von der Narrenzunft "Rebknörpli" Fessenbach, musikalisch umrahmt von den Hexefetzern

14 Uhr: Kinder- und Narrenumzug. Angesagt sind neben zahlreichen Kindergruppen 48 Zünfte und Kapellen aus Offenburg, Stadtteilen und dem Umland  

Autor: bz

Autor: Hubert Röderer