Fast kein Grund zum Klagen

Hannes Lauber

Von Hannes Lauber

Do, 13. September 2018

Weil am Rhein

Rebbegehung mit OB Dietz: Der Weinjahrgang 2018 wird nicht nur gut, sondern auch üppig.

WEIL AM RHEIN. Wie sich die Zeiten ändern: Vergangenes Jahr war den Winzern bei der Rebbegehung mit OB Dietz noch deutlich anzumerken, wie hart sie der Frost im April getroffen hatte. Dieses Jahr nun sind die Winzer vom Wetter verwöhnt. Selbst die Trockenheit seit Mai hat den Reben, so scheint’s, nicht viel anhaben können. In den kommenden Tagen wird voraussichtlich ein vielversprechender Jahrgang eingefahren. Einzige Sorge derzeit: Es hängt zu viel an den Stöcken.

Das jedenfalls war den Ausführungen der Ötlinger Winzer zu entnehmen, die dieses Jahr Gastgeber der jährlichen Begehung mit OB Dietz waren. Die meisten Ötlinger Weinbauern geben ihre Trauben bei der Bezirkskellerei in Efringen-Kirchen ab. Die hat diesen Herbst aber ein Limit gesetzt. Mehr als 130 Kilogramm pro Ar dürfen nicht angeliefert werden, andernfalls gibt es Abzüge und Strafen. Winzer und Ortschaftsrat Thorsten Stücklin hat das diese Woche schon leidvoll erfahren müssen. Teilweise hängen bis zu 180 Kilogramm pro Ar in den Anlagen. "Wir werden jetzt wohl etwas großzügiger herbsten müssen", meinte daher Winzer Hermann Währer.

Hinsichtlich der Qualität der Trauben machen sich die Winzer aber keine Sorgen. "Die stimmt, sowohl bei den weißen wie den roten Sorten", so Währer. Auffällig ist allerdings, dass dank Wärme und Sonnenschein fast alle Traubensorten dieses Jahr deutlich mehr Öchsle (Zuckergehalt) haben als im vergangenen Jahr. Lediglich der Gutedel und der Müller-Thurgau hinken hinterher. Vor allem der Gutedel wird deshalb in diesem Herbst erst deutlich später gelesen als sonst üblich, um ihm noch mehr Zeit zum Reifen zu geben. Kommende Woche ist nun erst einmal der Chardonnay an der Reihe, danach folgt der Spätburgunder.

Entweder auch dem guten Wetter oder aber dem um eine Woche späteren Termin zu verdanken war der gute Besuch bei der Rebbegehung. "So viele waren wir noch nie", war sich OB Dietz sicher, der seit Beginn seiner Amtszeit zu dieser Runde einlädt und am Dienstag auf dem Ötlinger Kirchplatz rund 30 Winzer, Gemeinde- und Ortschaftsräte sowie Vertreter der Verwaltung begrüßte.

"Wir werden jetzt etwas großzügiger herbsten müssen."

Hermann Währer, Winzer
An Ötlingens Ortsvorsteherin Helene Brombacher gerichtet ließ sich Dietz angesichts der imposanten Aussicht auf die Basler Bucht zu einem Geständnis hinreißen: "Das ist der schönste Platz der ganzen Gemarkung." Nach einem Gläschen neuer Wein – geliefert von der Haltinger Genossenschaft – machte sich die Gruppe dann auf den Weg durch den Rebberg, wo die Winzer vorzeigen konnten, was zuvor schon theoretisch erörtert worden war – nämlich, dass die Reben hervorragend dastehen und die Trauben eine wahre Pracht sind. Winzer Dieter Rösch konnte zudem als Kuriosum präsentieren, dass an seinen Reben zwei verschiedene Sorten zugleich wachsen . Mit einem zünftigen Vesper auf dem Kirchplatz ging die Begehung dann gemütlich zu Ende.