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22. Juni 2012

Fast wie hinauf nach L’Alpe d’Huez

BZ-Interview mit Alexander Lang, dem Organisator der neuen, "königlichen" Bergrennserie im Schwarzwald.

  1. Hier noch selbst in Siegerpose: „Königsmacher“ Alexander Lang beim Triathlon in Freiburg-Landwasser 2008. Foto: Claus Zimmermann

RADSPORT. Die Festlichkeiten der Queen sind gerade vorüber, da kommt es im weniger von Majestäten wimmelnden Schwarzwald geradezu zu einer Inflation von Königen: Den Anfang machte vor fünf Jahren der "Schauinslandkönig", gekürt nach einem Rad-Bergzeitfahren auf den Freiburger Hausberg. Nun Jahr kommen drei weitere mehr oder weniger majestätische Berge dazu, deren siegreiche Bezwinger sich "König" nennen dürfen. Bevor es am Sonntag, 12 Uhr, mit dem "Blauenkönig" losgeht, sprach BZ-Redakteur Claus Zimmermann mit dem Organisator der Veranstaltung, dem 44-jährigen Alexander Lang aus Mengen.

BZ: Bergankünfte, etwa bei der Tour de France, sind noch immer ein faszinierendes Massenspektakel – vergnüglich indes eher für die Zuschauenden, als für die Strampelnden. Was aber bringt Menschen, die nicht vom Radfahren leben, sondern Startgelder entrichten, dazu, sich in großer Zahl Schwarzwaldberge hinauf zu quälen?
Lang: Freiburg, Südbaden und der Schwarzwald bilden klimatisch und geographisch eine optimale Region zum Radfahren und zum Mountainbiken, hier gibt es mit dem Ultra Bike in Kirchzarten Mitteleuropas größten Bikemarathon, die Leute hier in der Region fahren einfach sehr gerne und sehr viel Rad. Warum klettern manche auf Berge wie den Montblanc oder den Mount Everest? Weil sie da sind! Warum fährt man mit dem Rad auf Schwarzwaldberge? Weil sie da sind! Und danach wird man mit tollen Ausblicken und einer rasanten Abfahrt belohnt. Und man will sich ja auch ab und zu mal im Rennen mit anderen messen.

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BZ: Sie sind von Haus aus Triathlet und leben mittlerweile unter anderem vom Organisieren von Sportveranstaltungen. Warum schreiben Sie nicht einen Triathlon aus? Wie sind Sie auf die Idee mit den Berg-Radrennen gekommen?
Lang: Wir haben ja bereits fünf Jahre lang einen Triathlon im Hochschwarzwald am Titisee organisiert, die deutsche Meisterschaft im Cross Triathlon, diese wurde dann aber an einen anderen Ort vergeben, und so haben wir eine neue Idee verfolgt. Der Schauinsland war schon immer eine meiner Lieblingstrainingsstrecken und war auch früher schon Austragungsort von Bergzeitfahren. Wir haben das wieder aufgegriffen und mit vielen neuen Ideen angereichert, und heraus kam dabei dann der Schauinslandkönig. Dass wir damit offene Türen einrennen, und gleich zu Beginn rund 1000 Teilnehmer am Schauinslandgipfel begrüßen können, hat uns selbst wohl am meisten überrascht.
BZ: Der Schauinsland hat seine ruhmreiche Vergangenheit als Motorsportrennstrecke. Der Hochblauen war schon Bestandteil der Regio-Tour, die Schönberg-Steigung von Ebringen hinauf zur Berghauser Kapelle war bereits Teil einer deutschen Meisterschaftsstrecke. Nach welchen Kriterien wurden die Routen ausgesucht?
Lang: Ja, richtig – und auch am Kandel gab es schon zahlreiche Regio-Tour und Deutschland-Tour Etappen. Wenn Sie begeisterte Radfahrer nach den kultigsten Bergen und Pässen hier im Schwarzwald fragen, werden Sie als Antwort wohl genau diese geschichtsträchtigen Strecken genannt bekommen. Vielleicht noch den Stohren, aber der ist dann doch definitiv zu steil.
BZ: Welche Strecke halten Sie für die anspruchsvollste, welche für die – relativ – "leichteste"?
Lang: Die anspruchsvollste Strecke gibt’s natürlich beim Kandelkönig-Rennen am 8. Juli vom Marktplatz Waldkirch hinauf auf den Kandel: 12,5 Kilometer und fast 1000 Höhenmeter, das sind fast exakt die gleichen Eckdaten wie beim legendären Tour-de-France-Anstieg hinauf nach Alpe d’Huez. Der amtierende Zeitfahrweltmeister Tony Martin hat 2005 bei der Regio-Tour genau die gleiche Strecke in 33:43 Minuten absolviert. Die leichteste Strecke ist natürlich der "nur" rund drei Kilometer lange Bergsprint von Ebringen hinauf zur Berghauser Kapelle am Schönberg am 1. Juli. Hier ist es nicht unbedingt die Strecke, die einen kaputtmacht, sondern eher das selbst angeschlagene, hohe Tempo.
BZ: An Bergen herrscht im Schwarzwald ja kein Mangel und auch drum herum gibt’s berühmt-berüchtigte, radsporterprobte Anstiege, etwa den "Texaspass" im Kaiserstuhl oder die Route zum "Geiersnest". Wird’s irgendwann auch einen Belchen- und einen Feldberg-König geben?
Lang: Gute Frage – wir haben schon Kontakte, um die Schwarzwaldkönig-Serie im nächsten Jahr um eine weitere schöne "Location" zu erweitern, die sicher auf große Begeisterung stoßen wird. Aber wir wollen erst einmal die Resonanz auf die neue Schwarzwaldkönig-Serie abwarten, und ein Fazit ziehen, bevor wir Pläne für die Zukunft schmieden.
BZ: Fährt bei der neuen Serie – analog zur Tour – der Gesamtführende auch in einem besonderen (gepunkteten) Trikot?
Lang: Bis jetzt noch nicht, aber was nicht ist, kann ja noch werden, vielleicht mit einer Krone auf dem Helm.
BZ: Wo bewahren Sie bis zur Siegerehrung die Kronjuwelen für die künftigen Könige auf?
Lang: Wenn sich für die Kronjuwelen ein passender Sponsor finden würde, wäre das sicher das kleinste Problem. Aber wir haben bei allen Rennen wertvolle Sachpreise zu vergeben, und bei allen Rennen erhält jeder Teilnehmer ein hochwertiges Teilnehmergeschenk, dessen Wert die Startgebühren sogar übersteigt – beim Finale am Schauinsland zum Beispiel ein exklusives Schwarzwaldkönig-Radtrikot.
BZ: Sehen Sie einen Favoriten für den Gesamtsieg?
Lang: Das ist schwer vorherzusagen. Bei vier Rennen innerhalb von vier Wochen kann viel passieren. Drei Ergebnisse kommen in die Wertung. Bei den Männern sehe ich natürlich den viermaligen Sieger des Schauinslandkönig, Florian Link (RIG Freiburg) in der Favoritenrolle, er ist der Einzige, der den Schauinsland unter der magischen Marke von 30 Minuten hinaufgerast ist – und das sogar schon drei Mal. Bei den Frauen könnte die diesjährige Siegerin des Ultra-Bike, Ann-Kathrin Hellstern aus Freiburg, die Nase ganz vorn haben.
BZ: Die Geschichte der Radrennen am Berg ist auch eine tragische. Unter anderen musste der gedopte Tom Simpson 1967 am Mont Ventoux sterben. Haben sie Einfluss darauf, dass sich die Teilnehmer an den "König"-Wettbewerben nicht überschätzen? Oder dass sie von auf dem Index stehenden, leistungsfördernden Substanzen lassen?
Lang: Wir wollen keine Lügner, Betrüger und Dopingsünder bei unseren Veranstaltungen. Wir behalten uns deshalb auch vor, im Ziel Dopingkontrollen vorzunehmen. Und wir haben auch ganz bewusst auf irgendwelche zwielichtigen Zugpferde aus dem Profiradsport mit dunkler Vergangenheit verzichtet.
BZ: Ist im Hofstaat der kommenden Könige auch Platz für Sportler mit schmalerem Leistungsvermögen?
Lang: Der Spaß und die Gemeinschaft sollen im Vordergrund stehen, deshalb bieten wir – bisher nur beim Schauinslandkönig – auch viele Sonderwertungen an, wie für Fahrräder mit Kinderanhänger, Tandem, Einrad, Skiroller, Inlineskates und Handicapsportler. Unsere Zielgruppe sind ganz klar die vielen ambitionierten Hobbyradler. Und das Ganze ist auch mit einem guten Zweck verbunden: Wir tragen seit Jahren im Rahmen des Schauinslandkönig zwei unterstützenswerte Spendenaktionen tatkräftig mit: Das Team der Caritas International mit Sitz in Freiburg mit rund 30 Startern und das Team des Vereins Mon-Devoir mit rund 40 Startern. Beim Ultra-Bike bin ich selbst auch im Team Ride2live mitgefahren, das Spenden für die Katharinenhöhe sammelt – eine Krebsnachsorge- und Reha-Klinik mit ganzheitlichem Ansatz.

Schwarzwaldkönig

24. Juni: Blauenkönig – Bergzeitfahren über neun Kilometer/750 Höhenmeter von Badenweiler auf den Hochblauen (1165 Meter). Start auf dem Schlossplatz beim Kurhaus.
1. Juli: Bergsprintkönig Ebringen – Bergzeitfahren über drei Kilometer/250 Höhenmeter von Ebringen zur Berghauser Kapelle auf dem Schönberg. Start im Ortszentrum von Ebringen. Mit anschließendem Massenstartfinale der schnellsten Frauen und Männer um Geld- und Sachpreise.
8. Juli: Kandelkönig – Bergzeitfahren über zwölf Kilometer/930 Höhenmeter von Waldkirch auf den Kandel (1241 Meter). Start auf dem Marktplatz.
22. Juli: Schauinslandkönig – Bergzeitfahren über 11,5 Kilometer/800 Höhenmeter von Horben auf den Schauinsland (1284 Meter). Start im Horbener Ortsteil Bohrer.
In die Serienwertung kommen die besten drei Resultate jedes Teilnehmers. Anmeldungen für den Blauenkönig sind online möglich, Nachmeldungen am Sonntag von 9 Uhr bis 12 Uhr am Schlossplatz in Badenweiler.

 

Autor: cz

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