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14. September 2017

Champions League

FC Basel verliert 0:3 gegen Manchester United - Trainer sieht's dennoch positiv

FC Basel hält Ergebnis zum Champions-League-Start bei ManU mit 0:3 lediglich in Grenzen, liefert aber Hinweise für zeitnahen Aufschwung.

  1. Da stoßen Welten aufeinander: Luca Zuffi (FC Basel, rechts) versus Marouane Fellaini Foto: OLI SCARFF (afp)

FUSSBALL. Weil Raphael Wicky seine Lebenseinstellung grundsätzlich als "Glas halbvoll" bezeichnet, kann er aus einer Lektion in der Champions League einiges Positives mitnehmen. "3:0 für Manchester – das ist nicht das, was man sich wünscht", sagte der Trainer des FC Basel Dienstagnacht, "aber wenn wir diese Leidenschaft, diesen Spirit jede Woche in der Schweiz auf den Platz bringen, dann werden wir dahin kommen, wo wir hin wollen. Diese Mannschaft lebt, sie hat Charakter gezeigt, das war eine gute Reaktion, auch wenn es nach einem 0:3 blöd klingt."

Das klingt vor allem nicht nach einem Club, der acht Mal hintereinander mehr oder weniger unangefochten Schweizer Meister geworden ist und seine achte Champions-League-Kampagne in Angriff nimmt. Es sind eher Sätze aus dem Bausatz zur Krisenbewältigung. Und in einer Schaffenskrise befindet sich Wickys Team ja auch nach drei Ligaspielen ohne Sieg und einer empfindlichen Heimniederlage gegen den Tabellenletzten aus Lausanne.

Streller: "Das war eine sehr ansprechende Leistung."

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Vor Jahresfrist, auch zum Start der Königsklasse, war der FC Basel in London dem Arsenal FC (0:2) krass unterlegen gewesen. Marco Streller hatte – damals noch in der Rolle als TV-Experte – gemäkelt an der Einstellung und dem fehlenden Mut der Basler. Ergebnistechnisch und vom Gesamteindruck her sind sie zwölf Monate später nicht wirklich einen relevanten Schritt weiter.

Dazwischen liegt ein Gau, ein größter anzunehmender Umbruch in einem Fußballclub mit neuem Mehrheitsaktionär, neuer Führung, neuem Trainer und neuen Ideen. Die Aufbruchsstimmung und ein Hauch von neuer Euphorie sind nach dem schlechtesten Saisonstart seit sechs Jahren bereits wieder verflogen, und von einem Exploit im Theatre of Dreams zu Manchester durfte man träumen, mehr aber auch nicht.

Wie sein Trainer, konnte jedoch auch Streller – nun aus der doch ganz anderen Perspektive des Sportchefs – den 90 Minuten im Nordwesten Englands etwas Hoffnungsfrohes abringen: "Das war eine sehr ansprechende Leistung. Ich bin keiner, der Niederlagen gut redet, aber es war ein Schritt in die richtige Richtung." Und die weist zunächst einmal hin zu neuer Stabilität und Kompaktheit, und hin zu Solidarität auf dem Platz, dort, wo Geistesblitze einer bieder wirkenden Mannschaft auf der Suche nach ihrer Form derzeit rar gesät sind. Auch und gerade bei Erledigung der Hausaufgaben in den heimischen Wettbewerben.

In Manchester trat der Klassenunterschied deutlich zutage. Da stoßen Welten aneinander, was individuelle Qualität und physische Wucht anbelangt. Und wenn eine Mannschaft von Weltklasseformat einen deutlich niedriger dotierten Gegner ernst nimmt, ist kein Kraut gewachsen. Dann verblassen Husarenstücke, wie sie der FCB in den letzten Jahren gerade auf der Insel immer wieder geschafft hat. Wie schon vor einem Jahr in London, so stellte die "NZZ" nun erneut fest: "Der FCB der Gegenwart war nicht nur von Manchester United weit entfernt, sondern auch vom FCB der Vergangenheit."

ManUnited-Trainer José Mourinho war gewarnt gewesen, denn er hat mit Chelsea zwei Mal gegen die Basler verloren, und dementsprechend seriös zog seine Mannschaft dem FCB den Zahn. Mit bis zu 75 Prozent Ballbesitz während des ersten Durchgangs dominierten die Engländer den Gast, dem Tor näherten sie sich mit einem Pfostenschuss des blendend aufgelegten Ex-Dortmunders Henrikh Mkhitaryan an. Dann machten die Kopfballhünen Marouane Fellaini (1,94 Meter) und 90-Millionen-Mann Romelu Lukaku (1,91) den Unterschied.

Immerhin: Für das Defensivverhalten des Gegners und dessen Versiegeln der Räume in den ersten 35 Minuten gab es ein Kompliment von Mourinho, der später an seinem 128. Abend in der Champions League einen Konzentrationsabbau seiner eigenen Mannschaft beklagte und eine spielerische Steigerung der Basler feststellte, als die ihr System nach 70 Minuten vom 5-4-1 auf ein 4-4-2 änderten. Insofern darf Novize Wicky nach seiner Premiere auf der großen Bühne durchaus für sein Team reklamieren, es habe sich ordentlich gewehrt. Es ist nicht untergegangen im Dauerregen von Old Trafford. "Auf diesem Auftritt kann man aufbauen", sagt Streller.

Der kann dem doch eher überraschenden Sieg des ZSKA Moskau bei Benfica Lissabon etwas Gutes abgewinnen und behaupten: "Wir können gegen beide gewinnen." So wird das erste Heimspiel des FCB – am 27. September gegen die Portugiesen – wegweisend werden. Und bis dahin weiß man dann auch schon mehr, ob sich dieser FC Basel tatsächlich gefangen hat. Darüber werden schon der Cupmatch am Sonntag in Chiasso und die beiden Punktspiele in St. Gallen und gegen den FC Zürich Aufschluss geben.

Autor: Christoph Kieslich