Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

19. Juni 2017

Der Mutmacher von Tiflis

EM: Deutsche Fechter sind mit ihrem Abschneiden zufrieden – auch Alexandra Ehler, die bis 2012 für den SV Waldkirch startete.

  1. Max Hartung (links), hier in seinem EM-Finale gegen den Ungarn Aron Szilagyi Foto: dpa, Bleyer

  2. Alexandra Ehler, einst SV Waldkirch Foto: Bleyer

TIFLIS (dpa/gg). Gold durch Säbel-Ass Max Hartung, Silber für Alexandra Ndolo mit dem Degen und nach sechs Jahren Pause wieder eine Bronzemedaille fürs weibliche Florett-Team – die EM von Tiflis macht den deutschen Fechtern nach dem Olympia-Desaster von 2016 durchaus Mut. "Wir haben einen kleinen, aber erkennbaren Schritt nach vorn gemacht", so Sportdirektor Sven Ressel. Sehr zufrieden sein konnte auch Degen-Spezialistin Alexandra Ehler, die bis 2012 beim SV Waldkirch startete, jetzt für den Heidenheimer SB antritt und ihre erste Aktiven-EM bestritt.

In Rio de Janeiro standen deutsche Fechter erstmals nach 36 Jahren nicht auf einem Podiumsplatz bei Olympia, die einstige Medaillenbank des nicht unumstrittenen Trainer-Gurus Emil Beck (Tauberbischofsheim), der 2006 starb, war geschlossen.

Und dann waren da auch noch die Vorwürfe sexueller Belästigung am Olympiastützpunkt Tauberbischofsheim. Nun endlich, passend vor der Weltmeisterschaft vom 19. bis 26. Juli im eigenen Land (Leipzig), sind die Schlagzeilen für den Deutschen Fechter-Bund (DFeB) wieder positiver.

Werbung


Das sieht auch Ressel so. Er geht davon aus, "dass wir wieder deutlich näher an die Weltspitze herankommen. Die anderen Nationen sehen, dass sich bei uns etwas bewegt." Zu den positiven Überraschungen gehören etwa der fünfte Platz von Anna Limbach mit dem Säbel, Rang sechs von Florett-Hoffnung Leonie Ebert – und auch eben der zwölfte Platz von EM-Neuling Alexandra Ehler im Einzel mit dem Degen.

Die deutschen Degen-Frauen verbesserten sich im Vergleich zur Europameisterschaft 2016, als sie lediglich Elfte waren, auch als Team deutlich. Die Leverkusenerin Alexandra Ndolo, Ehler, Beate Christmann aus Tauberbischofsheim und Monika Sozanska aus Offenbach begannen den Mannschaftswettbewerb stark und bezwangen den EM-Vierten Ungarn im Top-16-Tableau mit 45:36. Gegen Russland war das Quartett beim 33:43 im Viertelfinale dann deutlich unterlegen. In der Platzierungsrunde um die Ränge fünf bis acht besiegte Deutschland anschließend den Olympia-Achten Ukraine mit 45:39. Das 35:44 gegen Polen bedeutete im Schlussklassement Rang sechs. "Das ist eine sehr gute Platzierung", kommentierte Ressel. Der DFeB-Sportdirektor glaubt: "Es ist eine neue Motivationslage entstanden".

Diese These wird auch vom neu formierten Männer-Degen-Team gestützt. Die junge Mannschaft von Bundestrainer Mario Böttcher überraschte im Viertelfinale mit dem 45:43 gegen Olympiasieger Frankreich enorm. Vierte wurde sie zum Schluss. "Ich hoffe, dass das erst der Anfang des noch zu gehenden Weges in Richtung Weltklasse sein wird. Wir werden hart daran arbeiten", kündigte Sven Ressel an. Für ihn ist es indes zu früh, schon jetzt konkrete Rückschlüsse aus der EM in Georgien zu ziehen. Schließlich ist eine Europameisterschaft einen Monat vor dem Saisonhöhepunkt Weltmeisterschaft lediglich als Zwischenstation zu bezeichnen.

Eines aber ist augenscheinlich: Deutsche Fechter treten wieder mit viel mehr Selbstbewusstsein auf die Planche. Das tut auch not. Denn langjährige Top-Könner wie Britta Heidemann, die Degen-Olympiasiegerin von 2008, und der ehemalige Säbel-Weltmeister Nicolas Limbach müssen auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio adäquat ersetzt werden – das ist schwierig, scheint aber machbar.

Dass die ehemaligen Säbel-Teamweltmeister um Hartung am EM-Schlusstag Bronze verpassten, ist für Ressel nicht sonderlich schlimm: "Für Leipzig wird sich die Mannschaft wieder aufraffen und angreifen."

Autor: dpa