Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

16. Juli 2012 12:44 Uhr

BZ-Interview

Frias-Beirat: "Fehler? Nein, die gibt es nicht"

Ein Beirat hat das Frias jahrelang begleitet, und die Uni bei ihrem Zukunftskonzept für die Exzellenzinitiative beraten – ohne Erfolg. Was nun? Ein Interview mit dem Mathijs Lamberigts, Vorstand vom Frias-Beirat.

  1. Mathijs Lamberigts Foto: bz

BZ: Freiburgs Zukunftskonzept und damit das Frias gehören nicht mehr zur Elite – so das Ergebnis der zweiten Runde der Exzellenzinitiative. Hat Sie das überrascht?
Lamberigts: Alle Leute, die gesehen haben, was hier Freiburg in den vergangenen vier, fünf Jahren realisiert worden ist, alle die Fellows von Frias – jeder war überrascht. Auch darüber, welche anderen Universitäten das Rennen gemacht haben. Denn wenn man außerhalb von Freiburg diskutiert hat über solche Forschungseinrichtungen, dann hat man Princeton genannt – und dann gleich das Frias in Freiburg.

BZ: Sind in der Vergangenheit am Frias Fehler gemacht worden?
Lamberigts: Ich kenne das Gutachten der Exzellenzinitiative noch nicht, und so lange kann ich ehrlicher Weise nichts über Fehler sagen. Aber ich bin überzeugt, dass man sehr starke Argumente haben muss, um zu sagen, dass es dieses Mal für Frias nicht reicht.

BZ: Sie kennen ja auch das Zukunftskonzept der Universität. Das hat man nach der entscheidenden Sitzung im Elitewettbewerb einfach als schlecht abgetan.

Werbung

Lamberigts: Wenn man ein Zukunftskonzept auf Grundthemen wie Top-Lehre, Top-Forschung, Offenheit für Wissenschaft oder internationale Sichtbarkeit baut und man damit keinen Erfolg hat, dann weiß ich nicht, was ein Zukunftskonzept sein soll. Alle diese Punkte stehen im Freiburger Zukunftskonzept.

BZ: Ist Frias ohne Fehl und Tadel?
Lamberigts: Wir vom Beirat haben von Anfang an gesagt, man müsse dafür sorgen, dass Frias nicht zu einer eigenen Universität wird neben der eigentlichen Universität. Wir haben immer wieder gesagt, es sei nötig, dass man von einer Integration von Frias in die Universität sprechen kann. Es ist schade, dass die übrige Universität in den vergangenen zwei Jahren nicht empfänglicher geworden ist für die Idee von Frias. Man hat sich bemüht, jede Fakultät ins Frias mitzunehmen, aber das ist nicht in dem gewünschten Maße gelungen. Wenn Sie mich nach Fehlern von Frias fragen, so würde ich sagen: Nein, die gibt es nicht. Aber wenn Sie mich fragen, ob eine bessere Kommunikation zwischen Frias und der übrigen Universität besser gewesen, dann würde ich mit Ja antworten.

BZ: Es sind vor allem die Historiker in Frias kritisiert worden, dass sie sich zu stark abgesondert hätten von der Universität. Sehen Sie das auch so?
Lamberigts: Das stimmt so nicht. Aber auch hier ist die Frage der Kommunikation mit der Universität wichtig, und die muss in beide Richtungen gehen: Man muss sich auch dafür interessieren, was die Leute am Frias machen. Doch solche Schuldfragen helfen ohnehin nicht weiter. 2007 war Freiburg eine Top-Universität, und die Umsetzung ihres Zukunftskonzepts war sehr erfolgreich. Aber man hat 2012 offenbar andere Akzente gesetzt. Es ist wie bei einem Fußballspiel: Da kann man gewinnen oder verlieren. Aber die Universität hat uns im Beirat gezeigt, dass sie aus solchen Niederlagen lernen und am Ende daraus noch stärker hervorgehen kann.

BZ: Fehlt nicht jetzt das Geld für Frias, um in der Top-Liga weiter mitzuspielen?
Lamberigts: Das hängt davon ab, wen man dafür neu als Finanzier gewinnen kann. Frias ist international bekannt. Wir haben deshalb keinen Zweifel: Frias bleibt bestehen, vielleicht muss es künftig mehr in Kommunikation investieren. Um es in einem Bild zu sagen: Wenn Sie einmal Mercedes gefahren sind, steigen Sie nicht mehr auf einen Fiat 500 um.

BZ: Und wenn ich mir den großen Wagen nicht mehr leisten kann?
Lamberigts: Dann wird es vielleicht ein kleinerer Mercedes für die ersten zwei Jahre, aber danach, davon bin ich überzeugt, wird es wieder ein größerer sein.

BZ: Glauben Sie, dass genügend Geld für das Frias nach Freiburg geholt werden kann?
Lamberigts: Man vergisst immer, dass die ganze Exzellenz nur 25 Prozent der Forschungsgelder für Freiburg gebracht hat. Und wenn man die Finanzierung der beiden Forschungscluster und der Graduiertenschule zusammenzählt, dann sieht man: Die Universität hat gar nicht viel verloren. Sie hat vielleicht den Titel und damit etwas Renommee eingebüßt, aber sie ist doch immer noch dieselbe exzellente Universität wie vorher, und zwar exzellenter als manche, die jetzt den Titel neu bekommen haben. Denn der Exzellenztitel von 2007 hat die Freiburger Universität und viele ihrer Fakultäten so dynamisiert, dass der Gewinn nach diesen fünf Jahren seit 2007 fantastisch ist.

Mehr zum Thema:

Autor: Wulf Rüskamp


1 Kommentar

Damit Sie Artikel auf badische-zeitung.de kommentieren können, müssen Sie sich bitte einmalig bei Meine BZ registrieren. Bitte beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Die veröffentlichten Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

 

Raul Regenzwei

Registriert seit: 20.07.2012

Kommentare: 1

20. Juli 2012 - 16:16 Uhr

Tja, mein Eindruck:

Volkhardt Knigge vom FRIAS hatte zu Spekulationen über das Ende des FRIAS in der taz geschrieben: "Sklerosen in Gesellschaft und Wissenschaftsbetrieb aufbrechende geisteswissenschaftliche Forschung hängt nicht zuletzt von der Bereitschaft ab, sich selbst und sein Denken zur Disposition zu stellen."

Mathijs Lamberigts vom FRIAS stellt weder sich selbst noch sein Denken zur Disposition. Seine Antwort auf den Verlust von BMBF Förderung: Weiter so wie bisher, lief doch. Und: Mehr in Kommunikation investieren. Also mehr communication officers, weniger scientists.

Wenn ich von Lamberigts lese, dass er den Anteil der Exzellenzförderung an der Gesamtförderung der Uni auf 25 Prozent falsch schätzt (er liegt unter 10 Prozent) und dass ein Umstieg von einer teuren Automarke auf eine billige für ihn nicht in Frage kommt, so entsteht der Eindruck eines Snobs, der sich für einen Adligen hält, der von Geld nichts versteht, Protz liebt und lebt und der sich nicht vorstellen will, dass Privilegien nicht auf Lebenszeit verliehen werden.

Aus einer Pressemitteilung der Uni Freiburg vom 24.05.2012 11:12: "In den Geistes- und Sozialwissenschaften verteidigt die Universität Freiburg ihre Position in den Top 20 und belegt bei den Geisteswissenschaften Platz 14."

"Ein Russe und ein Amerikaner laufen um die Wette. Der Amerikaner gewinnt. Der Russe erzählt später seinen Sportkameraden: „Bei dem Rennen war ich zweiter Sieger, aber der Amerikaner ist nur Vorletzter geworden!""

Verstoß gegen Netiquette melden



Weitere Artikel: Südwest