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17. Oktober 2013

Feine Linien

Das Georg-Scholz-Haus-Kunstforum zeigt Arbeiten von Herta Seibt de Zinser und Ferdinand Tosch.

WALDKIRCH. Eine zweifache Premiere wird die Eröffnung der Doppelausstellung "Linien/Dimensionen" mit Arbeiten von Herta Seibt de Zinser und Ferdinand Tosch im Georg-Scholz-Haus am 20. Oktober um 11 Uhr sein. Erstmals wird an Tagen, an denen das Haus nicht für Ausstellungsbesucher geöffnet ist, das Haus von Übenden der Städtischen Musikschule belebt.

Herta Seibt de Zinser ist in Peru aufgewachsen, hat in Lima Kunst mit dem Schwerpunkt Bildhauerei studiert. Ihr Vater war Deutscher und sie das jüngste von sieben Geschwistern. Ihre Mutter unterstützte schon in ihrer Kindheit ihre Kreativität. Trotzdem hat sie sich heimlich an der Kunstakademie beworben, da sie erst nach erfolgreicher Aufnahme ihren Eltern ihre Lebensziele offenbaren wollte. "Zuversicht war einfach da", sagte de Zinser, als sie sich der Frage stellte, wie sie mit graphischen Werken und Skulpturen Geld verdienen kann. Die Suche nach dem Gleichgewicht in freier schöpferischer Tätigkeit und ökonomischen Zwängen sowie die Erfahrung von zwei Kulturkreisen haben in ihren Arbeiten Spuren hinterlassen. Kartoffelaustriebe oder eine vertrocknete Bananenrispe forderten mit ihrer Struktur und Linie eine zeichnerische Umsetzung heraus.

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Die Faszination der Formensprache der Pflanzenwelt ist eine Gemeinsamkeit mit Ferdinand Tosch, den sie anlässlich der Doppelausstellung kennenlernte. Erstmals gewährt die Künstlerin Einblicke in ihr zeichnerisches Wirken. Vor allem gehört sie zu den Menschen, die so mit Metall arbeiten, dass ihre Schöpferkraft aus ihrer Seele in das Metall zu fließen scheint und von dort aus die Seelen Anderer erreicht. Im Obergeschoss steht eine raumfüllende, aus mehreren Stücken zusammengesetzte Skulptur, die frei stehen, aber auch leicht umfallen könnte. "Ich gehe an die Grenze der Statik heran", beschreibt de Zinser das Ausloten von Material und Formwille im Pressegespräch.

Ferdinand Tosch präsentiert neben kleineren Arbeiten eine wandfüllende Grafik, die, wie alle seine Arbeiten, bewusst keinen Titel trägt. Es ist "Linie pur", aus dem Handgelenk heraus entstanden, im Lauf mehrerer Wochen mit einem Graphitstift als Werkzeug. Es entstand ein Psychogramm dicker und dünner Linien, heller und dunkler Schattierungen, vielfältig wie der Künstler selbst. Tosch hat in Köln Kunst und Design studiert und wurde zusätzlich diplomierter Lehrer an Montessori-Schulen. Außerdem gründete er das Figurentheater "Teatro Toscanello". Seine druckgraphischen Werke aus jüngster Zeit gestaltete der experimentierfreudige Künstler "non-toxic-print-making": Er hat sich an der Akademie des Klosters Steinfeld/Eifel weitergebildet, um sich mit der Drucktechnik vertraut zu machen, die nicht mehr mit Ätzsäuren und Lösungsmitteln umgeht, sondern mit carborundum. Damit wird gewöhnlich Schleifpapier beschichtet. Der amerikanisch/französische Radierer Henri Goetz hat um 1960 diese Alternative zu den traditionellen Techniken praktiziert.

Die vielfältigen Abwandlungen und Möglichkeiten in Collagraphie zu arbeiten, begeistern Tosch, sowohl unter gesundheitlichen wie auch unter gestalterischen Aspekten. In der aktuellen Ausstellung zeigt Tosch auch aquatintaähnliche Arbeiten, die durch Druck auf beschichtete Alufolien entstanden, welche er den Innenseiten von Saft- und Milchtüten entnommen hat. Im Erdgeschoss zeigt er sechs Drucke, eine Auswahl von 20 Arbeiten inspiriert von Keimlingen.

Beide Künstler präsentieren sich als Formen-Finder und Formen-Erfinder. Ob zweidimensional oder dreidimensional, groß- oder kleinformatig, stets wird der Betrachter eingefangen in die vielfältige Formensprache aus Natur und Technik. Wie geht das? Wie hat sie/er das gemacht? Das sind Fragen, die sich viele Betrachter stellen werden. Darum sei auch besonders auf das Kunstgespräch mit beiden Künstlern am 25. Oktober um 20 Uhr hingewiesen.

Info: Ausstellung Herta Seibt de Zinser und Ferdinand Tosch, vom 20. Oktober bis 24. November im Georg-Scholz-Haus Waldkirch, Merklinstraße 19. Öffnungszeiten: Donnerstag 17 bis 20 Uhr, Freitag und Samstag 15 bis 18 Uhr, Sonn- und Feiertag 10 bis 13 Uhr. 20 Oktober, 11 Uhr, Vernissage. 25. Oktober, 20 Uhr, Kunstgespräch. 2. November, 20 Uhr, Schreibnacht. 16. November, 20 Uhr, Mundart-Duo Derndinger/Siebold. 22. November, 20 Uhr, Filosofisches Forum über Heidegger. 24. November, 11 Uhr, Finissage. Weitere Informationen im Internet unter http://www.georg-scholz-haus.de

Autor: ehb